Das 89-Euro-Smartphone von Nokia im Alltagstest

Trotz Übernahme durch Microsoft hat der finnische Smartphone-Pionier ein Gerät mit Googles Betriebssystem auf den Markt gebracht. DerBund.ch/Newsnet hat es ausprobiert.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Eigentlich ist das X von Nokia nicht für den Schweizer Markt gedacht. Hierzulande verkaufen die Hersteller lieber Geräte im Premium-Sektor als ein Telefon für 89 Euro. Das Nokia X dagegen richtet sich laut Nokia an Kunden in den sogenannten Emerging Markets, Märkte, in denen die Kunden viel weniger Geld ausgeben können, aber dennoch ins Internet wollen.

In der Schweiz ist das Nokia X dennoch erhältlich. Der Onlinehändler Digitec importiert es selbst und verkauft es für 179 Franken. Trotzdem ist das Gerät aus zwei Gründen einen genaueren Blick wert: Erstens ist es Nokias (und damit Microsofts) erstes Gerät mit Googles Android-Software. Zweitens rechtfertigt der eigentliche Preis von 89 Euro einen zweiten Blick.

Natürlich darf man bei umgerechnet rund 110 Franken nicht die Funktionen und Leistungen eines Flaggschiffgeräts erwarten. Klar, der Touchscreen könnte etwas präziser reagieren und die Bedienung etwas flüssiger sein. Dennoch bietet das Nokia X einiges. Der Bildschirm ist mit einer Diagonale von 10 Zentimetern ausreichend gross, die Plastikhülle wirkt stabil, die Kamera ist mit 3 Megapixeln gerade noch schnappschusstauglich und die zwei SIM-Karten-Steckplätze sind ein nützlicher Bonus. Was sonst noch im Billig-Nokia steckt, kann man auf der offiziellen Seite nachlesen.

Kein Wort zu Android

Was dort aber mit keinem Wort erwähnt wird, ist die Software. Man liest nur «Nokia X software platform». Dahinter verbirgt sich Googles Android-Betriebssystem – wenn auch in einer modifizierten Form (Das sind Nokias Androiden).

Ähnlich wie der Onlinehändler Amazon hat auch Nokia für seine Geräte die Google-Software den eigenen Bedürfnissen angepasst. Das bedeutet bei Nokia ein Design, das mit farbigen Kacheln an Windows Phone erinnert, und Alternativen zu Google-Diensten. Statt dem Chrome-Browser gibt es Opera, statt dem Chat-Dienst Hangouts gibt es Skype und statt dem Play Store gibt es den «Store». Mit anderen App-Stores, die man installieren darf, und etwas Experimentierfreudigkeit bringt man jedoch wenigstens einen Teil der Google-Apps aufs Nokia.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist es durchaus verständlich, dass Nokia und sein neuer Besitzer Microsoft kein Interesse haben, Google-Dienste anzubieten. Der krampfhafte Versuch, diese zu verstecken, ist aber wenig kundenfreundlich.

Gut durch den Tag

Alltagstauglich ist das Nokia X aber alleweil. Alles, was man mit einem Smartphone machen möchte, kann es: telefonieren, surfen, chatten, spielen und fotografieren. Und auch der Akku hält einen Tag durch. Das Ladekabel sollte man aber, wie bei jedem Smartphone, nicht zu weit weglegen.

Hat man sich einmal an das Gerät gewöhnt und sich mit den Abstrichen arrangiert, kommt man mit einem 89-Euro-Smartphone gut durch den Tag – auch wenn man gelegentlich die bessere Kamera und die flüssigere Bedienung eines vielfach teureren Smartphones vermisst.

Fazit: Auch wenn es nicht für den Schweizer Markt gedacht ist und hierzulande nur zu einem höheren Preis erhältlich ist, zeigt das Nokia X, für wie wenig Geld man schon ein brauchbares Smartphone bekommen kann. Bei der Software müssen Microsoft und Nokia aber nochmals über die Bücher. Andere Hersteller bieten in dem Preissegment Android-Smartphones ohne diese lästige Einschränkung an.

DerBund.ch/Newsnet

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