«Damit fährt Samsung Apple an den Karren»

Die weltgrösste Handy-Messe läuft derzeit in Barcelona. Für DerBund.ch/Newsnet ist Digitalredaktorin Simone Luchetta vor Ort. Im Interview spricht sie über Highlights, Flops und die Chancen von Virtual Reality.

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Als Erstes müssen wir über den gebogenen Bildschirm des Galaxy S6 von Samsung reden. Sie haben das Gerät ausprobiert. Bringt die neue Form einen Mehrwert?
Ja, ich finde schon. Wenn auch noch in geringem Rahmen. Zum einen lassen sich am rechten Rand fünf Lieblingskontakte konfigurieren. Auf sie hat man per Fingerwisch schnell Zugriff. Zudem ist jedem eine Farbe zugeteilt. Wenn einer dieser Kontakte nun anruft, sieht man, wer es ist, auch wenn das Handy mit der Rückseite nach oben auf dem Tisch liegt, weil der gebogene Bildschirmrand in der entsprechenden Farbe hervorleuchtet. Kann praktisch sein für Leute, die ihr Handy in Gegenwart anderer Leute diskret behandeln und nicht immer dran rumfummeln wollen. Zudem lassen sich am Rand in ausgeschaltetem Zustand per Fingerwisch Infos wie Datum, Wetter und die Zeit einblenden, was gute Dienste als Wecker tut. Aber überraschenderweise hat mir etwas anderes am besten gefallen: Der gebogene Rahmen hat den Effekt, dass die Bilder und Videos quasi über den Rand hinausfliessen, das hat etwas. Noch fehlt aber auf jeden Fall die Killer-App, wegen der ich unbedingt ein Edge haben müsste.

Wie ist sonst Ihr Eindruck der neuen Galaxys? Ein Schritt in die richtige Richtung?
Ja, unbedingt. Weg von der billigen Lederimitation aus Plastik, hin zu hochwertigem Design. Damit fährt Samsung Apple an den Karren und versucht, High-End-Kunden abzuholen. Das Handy dürfte besonders auch bei Schweizerinnen und Schweizern, die bei den Herstellern bekannt für ihre Vorliebe für hochpreisige Gadgets sind, Erfolg haben. Mich persönlich spricht das Gorilla-Glas auf der Rückseite nicht an. Das hat auch Sony bei seinen Flaggschiffen. Es ist geradezu ein Magnet für Fingerabdrücke, und ich bin ständig am Putzen. Das nervt. Aber alles in allem ist das Galaxy S6 das erste Samsung-Gerät, das mir gefällt, besonders das grüne.

Vor einem Jahr hat das Auditorium in Barcelona besonders laut geklatscht, als bekannt wurde, dass das Galaxy S5 wasserfest ist. Die neuen Smartphones sind es nicht mehr. Wie begründet Samsung diesen Rückschritt?
Marketing Director Rory O'Neill sagte im Interview, dass Samsung den Fokus auf Design und edles Material gelegt habe, weil dies in Europa laut ihren Umfragen die wichtigsten Kaufargumente seien, zusammen mit der Batteriedauer. Noch sei es aber nicht möglich, ein Handy aus Alu und Gorilla-Glas mit gutem Akku zu bauen, das auch wasserresistent sei. Vielleicht eine etwas billige Ausrede, aber ich habe die Begeisterung wegen der Wasserdichtigkeit ehrlich gesagt tatsächlich nie ganz verstanden. Ich will doch mit meinem Handy weder duschen noch baden.

Ein Wort noch zur Software: In der Vergangenheit hat Samsung mit vielen Funktionen und doppelten Apps einen wenig fokussierten Eindruck gemacht. Ist es besser geworden, wie das Unternehmen versprach?
Ja, die Nutzeroberfläche wirkt viel übersichtlicher, insgesamt weniger farbig. Das Ganze ist mehr im Android-5.0-Stil gehalten, die Apps übersichtlich nach Themen geordnet, ohne unnötigen Schnickschnack.

Wie sieht es in Barcelona heuer mit Trends aus? Was sieht man auf Schritt und Tritt?
Es geht hier wieder vermehrt um Smartphones, was sich auch etwa am Samsung-Stand widerspiegelt, wo nicht wie in anderen Jahren auch Kameras, TVs, Uhren, Tablets etc. zu sehen sind, sondern nur die neuen Smartphones. Auch Uhren und Fitnessbänder sind am MWC ein Thema, bargeldloses Zahlen und Lösungen zum kabellosen Laden. Insgesamt hätte ich aber noch mehr Wearables und andere Geräte zum Thema Vernetzung erwartet, da ist nicht viel zu sehen. Grosse Abwesende sind auch die Tablets.

Stichwort Wearables: War dennoch etwas dabei, das Sie sich an Ihrem Handgelenk vorstellen könnten?
Nein, leider nicht. Dabei bin ich ein Uhrenfan und auf der Suche nach einer neuen Uhr. Sie darf durchaus auch smart sein, da habe ich keine Berührungsängste. Bis jetzt könnte ich mir von der Benutzung her aber höchstens die neue LG Watch Urbane LTE vorstellen (alles andere ist noch zu kompliziert), aber sie ist einfach zu gross und klobig.

Mit HTC und Valve sind zwei prominente Namen mit einer neuen Brille ins Virtual-Reality-Geschäft eingestiegen. Bis jetzt macht Virtual Reality immer den Eindruck, sie sei kurz davor, alltagstauglich zu werden – aber eben nur kurz davor. Hat sich daran etwas geändert?
Ich denke, wenig. Jeder Hersteller will mitmischen, aber niemand kaufen. Ich habe hier auch nicht gesehen, dass sich Entwickler stark damit auseinandersetzen und neue Anwendungen bringen. Ich fühle mich an den 3-D-TV Hype erinnert, einfach noch potenziert. Alltagstauglich wirds am ehesten in der Game- und in der Sexindustrie.

Jenseits von Smartphones und Wearables, haben Sie ein Gerät gesehen, das Sie unbedingt haben wollen?
Tja, es sind die kleinen Dinge im Leben, die einen freuen. So etwa die neue, enorm dünne Tastatur von Microsoft, die sich handlich zusammenklappen und per USB laden lässt. Eine Ladung soll angeblich drei Monate halten. Man kann sie mit jedem Android, Windows Phone, iOS-Smartphone oder Handy brauchen.

Und ein Gerät, mit dem man Sie jagen könnte?
Die neue Kamera RE von HTC. Ich weiss nicht, wer so was zusätzlich mit sich herumtragen will, wenn man ein Smartphone hat. Und dann kostet sie erst noch um die 200 Franken. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.03.2015, 15:49 Uhr

Digitalredaktorin Simone Luchetta berichtet für DerBund.ch/Newsnet vom Mobile World Congress in Barcelona.

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