Bond-Bösewicht gegen Mr. Spock

Uhrenfirmen und Techkonzerne arbeiten an smarten Uhren. Dabei treffen Welten und Charakterköpfe aufeinander.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Anfang März traf sich in Barcelona die Technologiebranche am Mobile World Congress. Dieser Tage trifft sich die Uhren- und Luxusbranche an der Basel World. Die Veranstaltungen könnten unterschiedlicher kaum sein. In Barcelona laden offene Messestände dazu ein, mit Ausstellern ins Gespräch zu kommen und Neuheiten auszuprobieren.

In Basel trifft man auf Trutz­burgen aus Marmor, Edelhölzern und Funkelsteinen. An den Wänden der Pavillons zeigen Schaufenster die Neuheiten. Wer ins Innere will, muss sich am Empfang anmelden und sollte besser eine Einladung haben.

Man könnte das als reine Dekadenz abtun. Doch die Messestände in Basel zeigen vor allem etwas anderes: eine Branche, die weiss, wie man Begehrlichkeiten weckt, und die gelernt hat, Jahr für Jahr dieselben oder nur um Nuancen verbesserte Produkte zu verkaufen. Ein Traum für Technologiekonzerne, die sich laufend übertreffen und neu erfinden müssen. Kein Wunder, schielen immer mehr von ihnen in diese Richtung.

Am deutlichsten sieht man das im Bestreben, smarte Uhren an die Handgelenke der Menschen zu bringen. Unternehmen wie LG, Apple oder Huawei sprechen plötzlich über edle Metalle und Saphirglas.

Doch das Vorpreschen der Technologiekonzerne hat eine Gegenreaktion ausgelöst. Uhrenkonzerne wie Breitling, Swatch, Mondaine oder Tag Heuer interessieren sich neu für Bewegungssensoren, Bluetooth, NFC-Chips oder ganze Softwareplattformen. Smartwatches und Uhren mit smarten Zusatzfunktionen sind das zentrale Thema der Messe.

Mit einer eigenen Logik

In Basel treffen Welten aufeinander: jede mit ihren eigenen Logiken und Charakteren. Wie das aussieht, konnte man an der Pressekonferenz von Tag Heuer sehen. Da waren zum einen die Verantwortlichen von Google und Intel. Beide zurückhaltend und darauf bedacht, bloss nichts Falsches zu sagen oder gar zu viel zu versprechen. Fragen der Journalisten wurden, wie das Mitarbeiter amerikanischer Technologiekonzerne gut und gerne tun, blumig nicht beantwortet.

Und dann war da Jean-Claude Biver, der Gastgeber und Tag-Heuer-Chef. Eloquent, charismatisch und unbescheiden führte er durchs Programm. Der gestandene Uhrenmanager, der massgeblich am Erfolg von Blancpain, Omega und Hublot beteiligt war, geriet nie in Gefahr, die Aufmerksamkeit seiner Zuhörerinnen und Zuhörer zu verlieren.

Schallend lachend und nie um eine Antwort verlegen, dirigierte er seine Gäste. Selbst kritische Fragen brachten ihn nicht aus dem Konzept. Die Frage, ob die neue Smartwatch denn noch Swiss made sei, beantwortete er ohne Umschweife: Nein, aber er versuche, etwas auszuhandeln. «Und sonst schreiben wir einfach Intel Inside», scherzte der Uhrenboss.

Ebenso locker klang es eine Woche früher an der Presskonferenz der Swatch Group. Auch da erklärte mit Nick Hayek ein Uhrenboss theatralisch, aber charmant Pläne für smarte Uhren.

Anders tönte es dagegen, als Apple in derselben Woche die letzten Details seiner Smartwatch vorstellte. Penibel darauf bedacht, nichts Falsches zu sagen, zeigte Tim Cook seine Uhr. Ähnliche Töne schlug auch Googles Sundar Pichai im letzten Sommer an: Zurückhaltend und freundlich präsentierte der Suchkonzern seine Pläne.

Vergängliche Inszenierungen

Vergleicht man die Auftritte der Techkonzerne mit denen der Uhrenbosse, wirkt es, als träfe Mr. Spock auf einen James-Bond-Bösewicht. Auf der einen Seite zurückhaltende Effizienz, auf der anderen charmante Unberechenbarkeit.

Tatsächlich wurde Cook vor seiner Ernennung zum Apple-Chef schon als Spock bezeichnet, und Jean-Claude Biver könnte man eine gewisse Ähnlichkeit mit Curd Jürgens in «Der Spion, der mich liebte» (1977) nachsagen. Mit etwas mehr Phantasie hielte Nick Hayek gar als Blofeld her, wie er seine Manager der Reihe nach rapportieren liess und deren Auftritt nachträglich kommentierte.

Ob den Schweizer Uhrenmanagern im Wettstreit mit den Technologie­konzernen mehr Erfolg zuteilwird als ihren Filmpendents, werden die nächsten Jahre zeigen. Letzten Endes sind solche Auftritte vergängliche Inszenierungen. Was bleibt, ist das Produkt. Und das hat im Fall der ­smarten Uhr noch einen weiten Weg vor sich.

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