Wie man mit Kampf gegen Spam viel Geld verdient

Im Internet kursieren täglich rund 200 Milliarden Spam-Nachrichten. Daniel Balsam hat wie kaum ein anderer Konsequenzen aus seiner Abneigung gegen Werbe-Mails gezogen.

Verdient auf der anderen Seite der Müll-Mails: Anwalt Daniel Balsam.

Verdient auf der anderen Seite der Müll-Mails: Anwalt Daniel Balsam.

(Bild: Keystone)

Einfach nur auf «löschen» zu klicken, war Daniel Balsam irgendwann nicht mehr genug. Stattdessen macht er die Urheber der unerwünschten E-Mail-Botschaften ausfindig – und verklagt sie. Was als Hobby begann, wurde bald zum Geschäft. Der Kreuzzug gegen den digitalen Müll verschafft Balsam inzwischen ein stattliches Einkommen.

Bis vor acht Jahren arbeitete Balsam im Marketing. Der Beruf machte ihm Spass, doch ein Blick in sein E-Mail-Postfach brachte ihn regelmässig zur Verzweiflung. Die wichtigen Nachrichten gingen förmlich unter in einer Flut dubioser Angebote. Per Massenmail wurden da Gewinnspiele und zweifelhafte Investitionsideen angepriesen, vor allem aber die ultimative Brust- oder Penisvergrösserung. Eines Tages war es genau eine Spam-Nachricht zu viel.

Vor Gericht gezerrt

Balsam kündigte seinen Job und gründete die Internetplattform Danhatesspam.com. Nebenbei drückte er noch einmal die Schulbank, um sich besser in der Welt der Gesetze zurechtzufinden. Noch während er in San Francisco für seinen Abschuss in Jura paukte, setzte er sein neues Wissen in die Tat um. Systematisch durchkämmte er nun seine eingehenden E-Mails. Wann immer es darin um billige Drogen, kostenlosen Sex oder sagenhafte Urlaubsangebote ging, zog er vor Gericht.

Geradezu im Akkord verfasste der junge Mann Klageschriften gegen Unternehmen, die nach seiner Ansicht gegen in Kalifornien oder anderswo bestehende Anit-Spam-Gesetze verstiessen. Der Erfolg stellte sich schon bald ein. Und nicht nur das: «Ich habe das Gefühl, dass ich hier etwas Gutes tue, wenn ich im Internet ein bisschen aufräumen helfe», sagt Balsam.

Ein Tropfen auf dem heissen Stein

Einer US-Studie zufolge kursieren im Internet täglich rund 200 Milliarden Spam-Nachrichten. Bis zu 90 Prozent des gesamten weltweiten E-Mail-Verkehrs sind damit digitaler Schrott, wie Marktforscher der Firma Cisco Systems ermittelten. Angesichts dieser Dimensionen sind Balsams Erfolge nur ein Tropfen auf dem heissen Stein. Doch für ihn persönlich zahlt es sich alle Male aus. Deutlich über eine Million US-Dollar hat er eigenen Angaben zufolge vor Gericht schon «erwirtschaftet».

Mit seiner Klage-Lust macht sich Balsam nicht nur Freunde. Kritiker werfen ihm vor, gerade gegen kleinere oder auch gegen ausländische Unternehmen vorzugehen, die lieber eine Ausgleichszahlung in Kauf nehmen, als einen aufwändigen Prozess zu riskieren. «Es geht ihm vor allem uns Geld», sagt der Anwalt Bennet Kelly, der schon mehrfach als Verteidiger von Prozessgegnern Balsams aufgetreten ist.

Nach kalifornischem Gesetz ist es unter anderem verboten, E-Mails mit «irreleitenden» Betreff-Zeilen zu verschicken. Den Empfänger fälschlicherweise glauben zu lassen, es handele sich um eine persönliche Nachricht, ist demnach nicht zulässig. Ebenso ist es verboten, mit dem Wort «kostenlos» zu locken, wenn etwas nicht tatsächlich auch kostenlos ist. Zudem muss eine Möglichkeit bestehen, weitere E-Mails von einem unerwünschten Absender mit einer einfachen Filterfunktion zu blockieren.

Mehr als 40 Siege vor Gericht

Im November wurden Balsam in einem Urteil 4000 Dollar Schadenersatz von dem Betreiber einer Internetseite zur «Vermittlung von Sex-Partnern» zugesprochen. Dem Richter zufolge hatte der Geschädigte über vier verschiedene E-Mail-Adressen die identische «persönliche» Nachricht erhalten – «Hallo, mein Name ist Rebecca, ich liebe dich», hatte es darin jeweils geheissen. In einem anderen Fall erhielt Balsam 7000 Dollar von einer Werbefirma, deren E-Mails sich nicht filtern liessen. Insgesamt mehr als 40 solche Prozesse habe er schon gewonnen, sagt der Kalifornier, ausserdem auch schon einige grössere.

Da Balsam seinen Kampf gegen Spam professionell betreibt, ist er keineswegs ein «Durchschnitts-Empfänger». Aus «taktischen» Gründen hat er mehr als 100 verschiedene E-Mail-Adressen. Auch das machen ihm seine Kritiker zum Vorwurf. Doch der Kalifornier steht zu seiner Mission: «Ich fühle mich wohl mit dem, was ich mache. Und ich werde nicht damit aufhören.»

dapd

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