Offenbar will Microsoft seinen Browser sterben lassen

Droht Edge das Aus? Laut gut informierten Kreisen will der Konzern künftig auf die Technologie hinter Googles Chrome setzen.

Der Nachfolger des Internet Explorers hat bis jetzt keine Stricke zerrissen.

Der Nachfolger des Internet Explorers hat bis jetzt keine Stricke zerrissen. Bild: PD

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«Microsoft arbeitet an einem auf Chromium basierenden Browser, der Edge auf Windows 10 ersetzen soll», schreibt Windows Central. Die Meldung basiert auf Informationen aus gut informierten Quellen; offiziell hat der Softwarekonzern nichts über die Zukunft seines Browsers gesagt. Doch der Autor ist sich sicher: «Edge HTML ist tot.»

Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert: Einerseits wäre es das Eingeständnis, dass Microsoft die Nutzer mit seinem Browser nicht überzeugen konnte. Obwohl Edge bei Windows 10 vorinstalliert ist und sich den Nutzern gelegentlich als Standard-Browser anbietet, sind die Nutzerzahlen für Microsoft erschütternd: Edge hat gemäss Marketshare.com unter fünf Prozent Anteil. Der unbestrittene Leader ist Chrome mit 63 Prozent. Platz zwei geht mit 11,2 Prozent an den Internet Explorer – und das, obwohl Microsoft schon im März 2015 mitgeteilt hat, dieser Browser werde zugunsten des Edge-Browsers eingestellt. (Bei Statcounter.com ist Chrome noch stärker: 72 Prozent Marktanteil. Auf Firefox entfallen 9,1 Prozent. Edge hat 4 Prozent. IE ist weniger stark, aber mit 5,4 Prozent noch immer vor Edge.)

Rennt Microsoft in Googles Arme?

Zweitens überrascht, dass Microsoft sich offenbar an Chromium orientiert. Chromium ist die Open-Source-Variante von Google Chrome. Es wird vom Chromium Project unterhalten, dem Google vorsteht, das aber auch Beiträge von der Community entgegennimmt. Gegenüber von Chrome fehlen einige proprietäre und markenrechtlich geschützte Komponenten.

Chromium ist ein bewährtes und weit gediehenes Projekt. Dennoch würden es viele als Versagen ansehen, dass Microsoft es nicht geschafft hat, den Internet Explorer abzulösen. Mit der Wahl von Chromium würde sich Microsoft vom Konkurrenten abhängig machen – und viele würden zu Recht argumentieren, dass man unter den Umständen auch gleich zum Original, nämlich zu Chrome, greifen könnte.

Google ist mit Apple verbandelt

Allerdings ist über Microsofts neuen Browser, der den Codenamen Anaheim trägt, noch wenig bekannt. Denkbar ist, dass Microsoft lediglich die Kernkomponente austauscht. Die sogenannte Browser-Engine ist die Komponente, welche die Webseiten am Bildschirm anzeigt. Microsoft verwendet eine eigene Engine namens Edge HTML. Bei Google Chrome kommt eine Software namens Blink zum Einsatz. Die basiert wiederum auf einer Engine namens Webkit – und die hat ursprünglich Apple für seinen Safari-Browser lanciert. Es ist nicht ungewöhnlich, dass konkurrenzierende Browser unter der Haube die gleiche Technologie einsetzen.

Die Stärken und Schwächen der Desktop-Browser.

Sollte sich Microsoft für diesen Weg entscheiden, könnte der Austausch annähernd unbemerkt vonstatten gehen: Die Benutzeroberfläche und die Bedienung könnten so bleiben, wie sie sind. Durch die Aufgabe der eigenen Browser-Engine würde sich Microsoft jedenfalls einen beträchtlichen Entwicklungsaufwand sparen, den der Konzern zum Beispiel in die Verbesserung der Oberfläche investieren könnte – die für das Erlebnis der Nutzer letztlich massgeblich entscheidend ist.

Für das Internet wäre es dennoch ein Verlust: Die Browser-Engine entscheidet darüber, was Browser anzeigen können und was nicht. Nebst den Webkit-Varianten und Microsofts Edge HTML gibt es nur noch eine weitere grosse Engine, nämlich Gecko von Mozilla und Firefox. Wenn Edge HTML wegfällt, nimmt Googles Einfluss über das Web unweigerlich weiter zu. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.12.2018, 13:09 Uhr

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