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Krise: Amerikaner sind Ebay-müde

Vom innovativen Internetriesen zum Problemfall. Warum Ebay-Aktionäre und -Kunden unzufrieden sind und was der grösste Online-Marktplatz dagegen unternehmen will.

267 Millionen registrierte Nutzer hat Ebay. Das vermeldet das Online-Auktionshaus auf ihrer Homepage. «Wäre die Ebay-Online-Gemeinschaft eine eigene Nation, wäre Ebay das fünftgrösste Land der Erde.»

Aktie auf Fünfjahrestief

Die Erfolgsmeldung täuscht. Der Online-Händler steckt in der vielleicht grössten Krise seit der Gründung vor 13 Jahren: Die Aktie fiel diese Woche auf 21,62 Dollar, dem tiefsten Stand seit rund fünf Jahren und eine Kurserholung ist nach Einschätzung von Börsenexperten nicht in Sicht. Mitte März betrug der Kurswert noch 33,47 Dollar.

Der Grund: In den USA steht eine Rezession vor der Tür. Anstatt dass sich Schnäppchenjäger auf dem grössten Internet-Auktionshaus der Welt nach günstigen Produkten umsehen, kehren sie dem Online-Warenhandel via Ebay den Rücken: Laut einem Bericht auf heute.de ist die Summe aller Waren und Dienstleistungen, die über eBay gehandelt werden, von 16,2 Milliarden US-Dollar im vierten Quartal 2007 auf 15,7 Milliarden Dollar im zweiten Quartal dieses Jahres gesunken.

Unzufriedenheit mit dem Zahlungssystem

Als Reaktion plant das Unternehmen gemäss der US-Investmentberatungsfirma Wedge Partners die Entlassung von weltweit bis zu 1500 Mitarbeitern. Ob diese Massnahme zu mehr Kundenzufriedenheit beiträgt? Kaum, zumal Ebay-Kunden in den USA, dem wichtigsten Markt, ab nächsten Monat nur noch den firmeneigenen Bezahldienst Paypal nutzen dürfen, Schecks und Überweisungen sind ab dann nicht mehr erlaubt. Ein problematischer Entscheid, schliesslich mussten in jüngster Vergangenheit Kunden, die Paypal nutzen, zum Teil monatelang auf auf überwiesene Gelder warten. Ebay begründet die Konzentration auf Paypal damit, dass elektronische Verfahren sicherer seien - Schecks und Überweisungen hätten in der Vergangenheit zu Sicherheitsproblemen und Betrugsfällen geführt.

Neues Gebührenmodell

Allen Problemen zum Trotz will Ebay das Feld nicht der Online-Konkurrenz überlassen. Gemäss einem Bericht des amerikanischen «Wall Street Journals» dehnt das Internetunternehmen die eigenen Aktivitäten im lukrativen Kleinanzeigengeschäft aus. Heute Donnerstag führt Ebay schliesslich ein neues Gebührenmodell für private wie gewerbliche Verkäufer ein. Für letztere werden etwa Galeriebilder für alle Shopartikel gratis sein. Verkäufer in der Schweiz zahlen noch eine Grundgebühr von 15 Rappen, und zwar unabhängig vom Startpreis ihrer Ware. Das sind bis zu 70 Prozent weniger als bis anhin. Festpreisangebote können bis zu 30 Tage oder auf Widerruf präsentiert werden.

Ebay deponiert Beschwerde bei der EU

Doch die Nervosität in der Ebay-Chefetage bleibt. Davon zeugt Ebays Beschwerde über das Verhalten von Markenfirmen, die den Handel mit ihren Produkten über den Online-Marktplatz boykottieren: Die «Financial Times» schreibt, dass das Onlineauktionshaus EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes aufgefordert habe, das Verhalten von Markenfirmen zu untersuchen.

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