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Hat Google die falschen Links gelöscht?

Der Webriese muss Internetverweise auf Antrag löschen, so will es das Gericht. Nun sind in England erste Links auf brisante Geschichten verschwunden – dabei sollte sie die ganze Welt kennen, monieren Medien.

Beschwert sich über das Verschwinden eines Artikel: Berichterstattung im «Guardian».
Beschwert sich über das Verschwinden eines Artikel: Berichterstattung im «Guardian».
Virginia Mayo, Keystone

In England ist eine Kontroverse über das Recht auf Vergessen entbrannt. Seit Mitte Mai können Bürger Google dazu verpflichten, Links auf Webseiten innerhalb der EU mit sensiblen persönlichen Daten aus der Liste von Suchergebnissen zu streichen. Das hat der Europäische Gerichtshof in Luxemburg entschieden. Das Urteil wurde bislang positiv aufgenommen. Der höchste Schweizer Datenschützer, Hanspeter Thür, sprach von einem «guten Tag für den Datenschutz».

Jetzt zeigt sich: Der Gebrauch vom Recht auf Vergessen kann auch missbraucht werden. So zumindest sehen es britische Medien, nachdem erste Links gelöscht wurden. Wie der «Guardian»schreibt, sind drei Artikel über Google nicht auffindbar, die eine Kontroverse über den Schiedsrichter Dougie McDonald betreffen. McDonald entschied sich, bei einem Spiel zwischen Celtic Glasgow und Dundee United einen gegen Celtic gepfiffenen Penalty zurückzunehmen. Nach dem Spiel sagte er, es sei der Entscheid seines Assistenten gewesen, den Penalty zurückzunehmen. Später gab McDonald zu, dass er selber seinen Entscheid zurückgenommen hatte. Wegen seiner Lüge musste McDonald zurücktreten.

Andere gelöschte Verweise betreffen Artikel über gelangweilte französische Büroarbeiter, die Kunst mit Post-its fabrizierten, oder einen 2002 erschienenen Artikel über einen Anwalt, der ein laufendes Verfahren gegen sich selber verschwieg, und eine Serie von Blog-Einträgen des «Guardian»-Journalisten Roy Greenslade über Auslandthemen.

Auch die BBC meldet, dass ein Artikel nicht mehr über Google auffindbar sei. Dabei geht es um einen besonders heiklen Fall: Der Artikel beschreibt, wie der ehemalige Merrill-Lynch-Boss Stan O'Neal die Bank 2007 verlassen musste, nachdem sie Riesenverluste eingefahren hatte. Der BBC-Journalist Robert Peston schreibt: «Es ist hochrelevant, dass wichtige Wirtschaftsführer in der öffentlichen Beobachtung stehen. Ganz speziell solche, die in der Wirtschaftskrise eine wichtige Rolle gespielt hatten.»

Neben dem «Guardian» und der BBC sind auch weitere Medien, etwa das Boulevardblatt «Daily Mail», betroffen.

Besonders störend sei, dass Google allein und ohne Rücksprache mit den Verlagen entscheide, welche Artikel aus der Google-Suche verschwänden, schreibt der «Guardian». Wer die Anträge für die Löschung stellt, wissen die Medien nicht. Ebenso kommuniziere Google die Beweggründe für die Löschung nicht. Das Urteil habe eine Stoppuhr für die Meinungsfreiheit geschaffen: Artikel können nur noch so lange gefunden werden, bis jemand verlangt, sie zu verstecken. Gegen diese Praxis müssten sich die Verlage wehren.

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