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Haben Sie das Zeug zum Lügenbaron?

Das Onlinegame «Bad News» weckt den Fiesling im Spieler – es soll für Desinformation sensibilisieren und zu bewusstem Medienkonsum ermahnen.

Nichts als Lügen und Intrigen: Das Spiel «Bad News». (Bild: zvg)
Nichts als Lügen und Intrigen: Das Spiel «Bad News». (Bild: zvg)

Die Medien nerven mich. Also lasse ich meinem Frust auf Twitter freien Lauf: «Die Mainstream-Medien sind Teil einer riesigen Verschwörung. #Fake-News» – 25 neue Follower bringt mir das. Um meinen Ärger in kreative Bahnen zu lenken, starte ich meine eigene Nachrichten-Website: Ich gebe ihr den Namen Honest Truth Online, doppelt hält besser. Mich selbst ernenne ich zum Chefredaktor. Mein Aufstieg zum König meines eigenen Fake-News-Imperiums beginnt: Das dunkle Königreich wird nicht mehr aufzuhalten sein.

Mit Fake-News dürften die meisten Menschen mittlerweile in Berührung gekommen sein – aber wie fühlt es sich an, bewusst Falschmeldungen zu verbreiten? Das Spiel «Bad News» lässt dies zumindest im Ansatz nachempfinden. Es soll auf spielerische Art an den Themenkomplex Desinformation heranführen.

Das Ziel des Onlinegames, das man direkt im Browser spielt: die Followerzahl und die Glaubwürdigkeit zu steigern, indem man Fake-News verbreitet. Weil dies ein weites Feld ist, werden die verschiedenen Aspekte durchgespielt, die in der Regel unter diesem Oberbegriff genannt werden: Nachahmung von Personen oder Institutionen, Emotionalisierung des Publikums, Polarisierung, das Verbreiten von Verschwörungstheorien, die Diskreditierung und das Trolling von Gegnern.

Nur keine Skrupel zeigen

Moralische Bedenken sollte man gleich zu Beginn ablegen, etwas Hybris schadet nicht – während des Spiels wird gelogen und getäuscht, dass sich die Balken biegen. Man tut, als wäre man Präsident Trump oder die Nasa, man behauptet, die Pyramiden wären von ausserirdischen Dinosauriern gebaut worden, man agitiert seine Gefolgschaft, indem man sie glauben lässt, die Luftfahrtbehörde behindere die Untersuchungen nach einem Flugzeugabsturz. Mitunter muss man schon etwas aufpassen, sich nicht von der eigenen Medienmacht berauschen zu lassen.

All das geschieht im Sinne der Wissenschaft und der Aufklärung: Hinter «Bad News» steckt die holländische Organisation Drog, die sich gegen Fake-News und Desinformation engagiert. Das Spiel wurde zusammen mit Wissenschaftlern der Universität von Cambridge in England entwickelt. Es soll klassische Funktionsweisen der bewussten Falschinformation aufzeigen.

Während des Spiels wird man zweimal gefragt, ob man an einer kurzen Erhebung teilnehmen möchte, und bekommt zwischendurch immer wieder die Mechanismen der einzelnen gespielten Elemente erklärt; wer mehr erfahren möchte, kann am Ende sein Wissen vertiefen.

Diebische Freude am Täuschen

Gedacht ist das Spiel auch für den Einsatz in Schulklassen, für Lehrpersonal ist ein zwölfseitiger Leitfaden erhältlich. Bislang gibt es «Bad News» auf Englisch und Niederländisch.

Einer gewissen Faszination kann man sich beim Spielen nicht entziehen, die eingebauten Rückschläge nimmt man fast persönlich, und wenn ein Winkelzug funktioniert, freut man sich diebisch. Die Aktionen und die resultierenden Reaktionen wirken durchaus realistisch, wenn auch hier und da überzogen. Ob man hinterher Fake-News besser erkennt, darf angezweifelt werden, aber eine Sensibilisierung erreicht das Spiel sicherlich.

Hier kann man «Bad News» spielen. Dauer: circa 20 Minuten.

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