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Eine der dunkelsten Ecken des Internets

#CelebGate: Anonym und unzensiert überbieten sich User auf 4chan mit Dummheiten bis hin zu bösartigen Inhalten. Das «A-Loch des Internets» hat aber schon Dinge hervorgebracht, die viele gut finden.

Anonyme Nutzer können alles Mögliche aufs Internet laden: Der Screenshot soll abgedeckte Bilder von Stars zeigen. (Bild: 4chan/b/)
Anonyme Nutzer können alles Mögliche aufs Internet laden: Der Screenshot soll abgedeckte Bilder von Stars zeigen. (Bild: 4chan/b/)

Hacker haben sich Zugang zu intimen, privaten Bildern von Hollywoodstars wie Jennifer Lawrence und Kate Upton verschafft. Noch wird gemutmasst, ob es sich um einen Einzeltäter oder eine Gruppe handelt. Und ob die Tat von Usern der Seite 4chan begangen wurde, einem Internetforum, auf dem Bilder diskutiert werden, und wo die Nacktbilder zuerst auftauchten. Möglich wäre gemäss einer Bloggerin von Gawker auch, dass die Bilder zuerst innerhalb einer kleinen Gruppe ausgetauscht wurden und erst eine breitere Öffentlichkeit erreichten, nachdem sie mit der Internetwährung Bitcoin gehandelt wurden.

Wahrscheinlich werden die Ermittlungen des FBI, das sich nun eingeschaltet hat, mehr Klarheit bringen. Die Firma Apple jedenfalls streitet eine Mitschuld ab. Zunächst stand der Technologieriese im Verdacht, Hacker könnten eine Sicherheitslücke in seinem Internetspeicherdienst iCloud genutzt haben. Laut Apple dürften aber quasi klassische Methoden zum Diebstahl von Passwörtern eingesetzt worden sein.

Die Kunst des Schabernacks

Die grosse Empörung über die Verletzung der Privatsphäre hat auf jeden Fall bereits den Ort ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt, der laut der «Washington Post» «eine der dunkelsten Ecken des Internets» ist, und laut Nick Douglas von Gawker auch das «A-Loch des Internets» genannt wird: die Sektion «b» von 4chan, die schlicht /b/ genannt wird.

Das einfach gestaltete 4chan ist eine Ansammlung von Foren. Die Seite gehört mit 20 Millionen «unique clients» und 540 Millionen Seitenaufrufen pro Monat noch knapp zu den 1000 beliebtesten Adressen weltweit. Zu Beginn, 2003, gab es nur zwei Foren, /a/ für Beiträge, die mit japanischen Manga zu tun haben, und /b/ für alles andere, wie Vox.com schreibt. Heute gibt es unzählige Foren, viele davon mit pornografischem Inhalt. /b/ ist nach wie vor für allerlei Schabernack zuständig, von gutmütigen Albernheiten bis zu bösartigen Hackerkampagnen. Auf der Startseite wird angekündigt, dass die hier veröffentlichten Geschichten und Informationen Kunstwerke der Fiktion und Falschheit seien und nur Dummköpfe sie für bare Münze nehmen würden.

Anonym – und berühmt

So hat die /b/-Gemeinde den Internet-Hype der Lolcats geschaffen, bei dem die User Bilder von Katzen mit einem Spruch oder einem Accessoire veröffentlichen. Das Ganze soll möglichst lustig sein. In der Vergangenheit hatten /b/-User sich aber auch beispielsweise über einen 17-Jährigen lustig gemacht, der Selbstmord begangen hatte, und dessen Eltern belästigt. Auf /b/ werden immer wieder Twitter-Hashtags lanciert, um andere reinzulegen – und ihnen zu schaden. So versuchten einige nach der Veröffentlichung der gestohlenen Bilder von Stars mit einer falschen Solidaritätskampagne für Jennifer Lawrence (JLaw) unter #leakforjlaw, Frauen dazu zu bringen, Nacktbilder von sich zu veröffentlichen.

Und immer wieder wird Material gepostet, das aus gehackten Computern gestohlen wurde. Vor der aktuellen Nacktbildergeschichte galt die Veröffentlichung von E-Mails der ehemaligen US-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin als bekanntester Fall. Auf /b/ werden auch Kampagnen gegen mutmassliche Feinde der Internetfreiheit lanciert. So legten sich die /b/-User 2008 mit der Scientology-Kirche an, nachdem diese Druck auf Gawker ausgeübt hatte, um ein Video vom Netz zu nehmen, auf dem Tom Cruise ein Loblied auf die Kirche singt. Das war gleichzeitig auch die erste grosse Aktion der seither berühmt gewordenen Hackergruppe Anonymous. Auch sie ist auf /b/ entstanden. Wenn sich die Aufregung um die Nacktbilder der Hollywoodstars gelegt hat, wird Anonymous wohl wieder das berühmteste Kind von /b/ sein – zumindest bis auf weiteres.

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