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Die Verehrer der schönen Facebook-Freundin

Robin Sage ist Profi-Hackerin und Analystin für Cybersicherheit bei der US-Marine – und auf Facebook sehr beliebt. So sehr, dass Militärs und Politiker ihr Informationen verrieten. Das Problem: Die Frau existiert gar nicht.

«Ich war zehn Jahre in der Hackerszene aktiv»: So sah das Linkedin-Profil von Robin Sage aus.
«Ich war zehn Jahre in der Hackerszene aktiv»: So sah das Linkedin-Profil von Robin Sage aus.
Computerworld.com

Manches Facebook-Mitglied kann von so vielen Freunden nur träumen. Robin Sage bekam innert kürzester Zeit 300 Freundschaftsanfragen. Und nicht von irgendwem – viele Kontaktanfragen stammen von hochrangigen Militärs, Politikern und Wirtschaftsführern. Kein Wunder: Die 25-jährige Schönheit gab sich auf Facebook, Linkedin und Twitter als Absolventin des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cyberanalystin bei der amerikanischen Marine sowie Profi-Hackerin mit zehnjähriger Erfahrung aus.

Die vermeintliche Karrieristin war 28 Tage lang auf den Netzwerken aktiv, in dieser Zeit erhielt sie von ihren Facebook-Freunden vertrauliche Mails und Kontodaten, Jobangebote des Rüstungskonzerns Lockheed und von Google. Von einem in Afghanistan stationierten Soldaten bekam sie mehrere Tausend militärische Geheimdokumente. Weitere Infos lieferten der Stabschef eines Kongressabgeordneten, der Informationsdirektor der Marine und diverse Mitglieder der National Security Agency (NSA).

Ryan, der ethische Hacker

Ihr Glück ist der Internetgemeinde Spott: Es gibt keine Robin Sage. Die Bilder des virtuellen Facebookstars stammen aus einer Pornoseite, die Frau ist eine Erfindung von Thomas Ryan. Der New Yorker IT-Experte wollte mit dem fiktiven Profil zeigen, dass auch soziale Netzwerke von Hackern ausspioniert werden können. Pikant: Laut dem Washingtoner WDR-Korrespondenten Ralph Sina bezeichnet das Wort Sage Spezialeinsatzkräfte des US-Militärs, die eine besonders harte Prüfung hinter sich haben.

Ryan präsentierte diesen Fall an einer Sicherheitskonferenz in Las Vegas. Die kompromittierten Facecook-Freunde hatten Glück im Unglück. Der Sage-Schöpfer gilt als White-Hat, also als «ethischer Hacker», der innerhalb der Gesetze nach Sicherheitslücken sucht und Online-Pannen ausnutzt.

«Wie konnte das nur passieren?»

Der Fall hat in den USA eine neue Diskussion über die Sicherheit militärischer Einheiten ausgelöst. CNN etwa fragt: «Wie konnte das nur passieren? Wie kann ein einzelner einfacher Soldat überhaupt so viele geheime Dokumente runterladen?» Konsternation herrscht auch beim Portal «Pittsburghlive»: «Die nächste Robin Sage könnte von al-Qaida geschaffen werden.»

Eine durchaus reale Gefahr, wie ein ähnlicher Fall im Nahen Osten zeigt. Laut einem Bericht des israelischen Nachrichtenportals mysay.co.il haben libanesische Extremisten mit einem Facebookprofil einer hübschen Frau wertvolle Kontakte zu israelischen Soldaten aufgebaut und so Geheiminformationen beschafft. 200 Soldaten und Reservisten sollen den Machern des gefälschten Facebook-Profils «Reut Zuckermann» auf den Leim gegangen sein.

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