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Die smarte Ablage

Der Schweizer Dienst Refind sammelt Ungelesenes und gibt intelligente Empfehlungen.

Wer viel liest, ist um etwas Ordnung froh – heilloses Durcheinander in der «Weltwoche»-Redaktion anno 2008.
Wer viel liest, ist um etwas Ordnung froh – heilloses Durcheinander in der «Weltwoche»-Redaktion anno 2008.
Gaetan Bally, Keystone

Wer im Netz liest, kennt das Problem: Es gibt zu jeder Zeit viel zu viele Dinge, die interessant sind und um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Um vermeintliche Ordnung ins Informationsdurcheinander zu bringen, speichert man sich die wichtigsten Links, um sie dann nie wieder anzusehen. Ein Schweizer Start-up möchte helfen.

Refind heisst der Dienst, der Ordnung in digitale Leselisten bringen soll. Er macht sich Empfehlungen seiner User zunutze und dient so gleichzeitig als virtuelle Ablage und Dienstleister, der Durchblick bietet.

Wer sich bei Refind anmeldet, hat die Wahl, Links öffentlich zu speichern oder auf eine private Liste zu setzen. Wenn ein Link überdurchschnittlich oft gespeichert wird, registriert der Algorithmus das und erstellt so ein Ranking relevanter Inhalte. Alle, die Refind nutzen, können Interessen angeben, nach denen ihnen dann Artikel, Videos oder sonstige Posts gezeigt werden, die individuell zugeschnitten interessant sein sollen. Die Interessenfelder können laufend erweitert werden und sind teilweise sehr feinkörnig eingestellt.

Links, die man als User über Twitter teilt, werden auch auf Refind kompiliert (derzeit ist die Twitter-Authentifizierung die einzige Möglichkeit, sich bei Refind anzumelden, eine Anmeldung über Facebook soll bald möglich sein). Darüber hinaus hat man als Nutzer die Möglichkeit, per Browser-Plug-in Links direkt zu speichern.

Relevanz als vierte Kraft im Netz

So ergeben sich bei aktiver Nutzung dreierlei Ablagen: die eine mit Empfehlungen des Dienstes, sowie die beiden selbst gespeicherten öffentlichen und privaten. Da kommt immer noch sehr viel Lesematerial zusammen, doch, so hofft Refind, eben mehr Relevantes.

Genau dort will sich der Service, hinter dem der Basler Unternehmer Dominik Grolimund steht, positionieren. In einem Diagramm wird das so dargestellt: In einem Dreieck aus News, Social und Suche thront in der Mitte Refind als Vertreterin der Relevanz. Die Ansprüche? News ist mit dem T der «New York Times» versehen, Social mit dem Facebook-F und Suche mit dem G von Google.

Neuartig an Refind ist tatsächlich, dass es ein Zwitter aus reiner Ablage (die gab es vorher schon in Form von Delicious, Instapaper oder Digg) und Recommendation Engine, also automatisierter Empfehlung ist. Weitergehende Leseempfehlungen werden zwar auch von anderen Bookmarking-Diensten wie Pocket angeboten, diese basieren allerdings lediglich auf dem, was man selbst gespeichert hat. Das erschwert den Blick über den Tellerrand. Genau das möchte Refind aber leisten – mit Hinblick auf die oft beschworene Notwendigkeit, aus der Filterbubble auszubrechen, ein löbliches Unterfangen.

Bei Erfolg wird der User belohnt

Um ein schnelles Wachstum der Plattform zu befeuern, hat sich Refind ein interessantes Anreizsystem ausgedacht: Eine Milliarde Münzen in einer virtuellen Währung werden unter den Early-Adoptern, den ersten Nutzern, verteilt.

Diese will das Unternehmen zurückkaufen, wenn es 10 Millionen User erreicht hat. Auch hier wird der grosse Vergleich bemüht: Auf einer eigens eingerichteten Website wird die Frage aufgeworfen:

«Was, wenn Google und Facebook einen Teil ihres Erfolgs an ihre ersten User weitergeben würden?»

Refind

In der Tat hat dieser Schritt dazu geführt, dass vermehrt über Refind gesprochen wird. Ob es dauerhaft funktioniert, muss sich zeigen. Einen guten Dienst, das zu Lesende zu organisieren, bietet das Unternehmen jetzt schon. Und es geht ein noch tiefer liegendes Problem an, das besteht, seit der Mensch Dinge aufhebt, um sie später zu lesen: Sie versauern dort, wo sie abgelegt werden, um nie wieder angesehen zu werden.

Gründer Dominik Grolimund verrät auf Anfrage: «Wir arbeiten gerade an ‹Lesetechnologie› – das klingt komisch, soll dem User aber letztlich helfen, Artikel auch wirklich zu lesen.» Wenn das gelingt, hätte Refind etwas geschafft, woran sich bislang andere Dienste entweder nie versucht oder die Zähne ausgebissen haben.

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