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Die Mega-Provokation

Ein Jahr nach der Schliessung von Megaupload und der Verhaftung des deutschen Betreibers Kim Dotcom startet nun das Nachfolgeportal Mega. Wie werden die USA reagieren?

Die USA fordern von Neuseeland die Auslieferung des deutschen Gründers der gesperrten Internetplattform Megaupload, Kim Schmitz alias Kim Dotcom (links), und dreier seiner Mitarbeiter. Dotcom war in Untersuchungshaft, ist mittlerweile aber auf Kaution frei.
Die USA fordern von Neuseeland die Auslieferung des deutschen Gründers der gesperrten Internetplattform Megaupload, Kim Schmitz alias Kim Dotcom (links), und dreier seiner Mitarbeiter. Dotcom war in Untersuchungshaft, ist mittlerweile aber auf Kaution frei.
Keystone
Comeback: «Auf die Minute genau vor einem Jahr wurde Megaupload von der US-Regierung zerstört», twitterte Dotcom zum Start seiner neuen Plattform Mega am 20. Januar 2013.
Comeback: «Auf die Minute genau vor einem Jahr wurde Megaupload von der US-Regierung zerstört», twitterte Dotcom zum Start seiner neuen Plattform Mega am 20. Januar 2013.
Richard Robinson, Keystone
Er wurde zu 20 Monaten Gefängnis auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 100'000 Euro verurteilt.
Er wurde zu 20 Monaten Gefängnis auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 100'000 Euro verurteilt.
Keystone
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Es war die wohl actionreichste Geburtstagsparty, die Coatesville je erlebt hat: Am 20. Januar 2012 stürmten 70 bewaffnete Polizisten im Städtchen nördlich von Auckland die Villa von Kim Dotcom, verhafteten den Internetunternehmer in der Nacht vor seinem 38. Geburtstag und beschlagnahmten diverse Luxuskarren, Computer und teure Bilder im Wert von umgerechnet 4,6 Millionen Franken.

Dotcoms vor acht Jahren gegründetes Internetportal Megaupload wurde sofort geschlossen. Megaupload erlaubte es Nutzern, Daten online zu speichern und dort anderen zur Verfügung zu stellen. Der Service wurde auch dazu verwendet, Raubkopien von Songs, Filmen und Software zu verbreiten, weshalb die US-Behörden Dotcom vorwerfen, Copyright-Besitzer in grossem Stil um ihre Einkünfte gebracht zu haben. Megaupload sei einer der grössten Umschlagplätze für illegale Kopien von Musik und Filmen gewesen.

Illegale Abhöraktion

Die Aktion der Gehilfen der US-Justiz geriet indes zum Debakel: Bereits Ende Februar 2012 wurde Dotcom auf Kaution freigelassen, im April durfte er wieder das Internet nutzen und im Sommer des vergangenen Jahres erklärte das Oberste Gericht in Neuseeland die Polizeiaktion auf Dotcoms Anwesen für illegal, der 38-jährige fünffache Familienvater erhielt einen Teil seines beschlagnahmten Vermögens zurück. Der bisherige Höhepunkt der Peinlichkeiten: Neuseelands Ministerpräsident John Key musste sich bei Dotcom entschuldigen, da der Geheimdienst der Insel, GCSB, den Verdächtigen illegal abhören liess.

Was mit dem auch als Dr. Kimble bekannten Wahlneuseeländer geschieht, ist weiterhin völlig offen. Im März entscheidet die Justiz der Doppelinsel über die Auslieferung an die USA, wo ihm eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren droht.

Dreimal Mega

Die ungewisse Zukunft hält Dotcom jedoch nicht davon ab, weiter zu provozieren: Am 19. Januar geht der Megaupload-Nachfolger Mega online, vor kurzem hat der Betreiber auf seinem Twitter-Account ein erstes Bild der neuen Filesharing-Plattform publiziert. Nicht genug, dass Mega-Nutzer 50 GB Gratisspeicher erhalten, gegenüber dem «Sydney Morning Herald» gab Dotcom die Lancierung der Software Megakey bekannt, welche Werbung in Browsern abblockt und durch Dotcom-Werbung ersetzt.

Ebenfalls in der Pipeline ist Megabox. Der vor sieben Monaten vorgestellte Musikvermarkter geht in ein paar Monaten online, gab Dotcom unlängst bekannt.

«Freut euch, Künstler. Es kommt, es wird euch befreien», twitterte Dotcom vergangenen Sommer über das Portal, auf dem Nutzer Songs hochladen und nach neuer Musik suchen können. Gegenüber Torrentfreak erklärte Dotcom damals, dass Musiker mit Megabox die Plattenlabels umgehen und so 90 Prozent der Einnahmen behalten können.

Die Juristen machen sich bereit

Mega, Megabox, Megakey: In den USA und in seinem Heimatland Deutschland interpretieren die Medien Dotcoms neue Services als Spiel mit dem Feuer: «Ganz sicher werden (...) zahlreiche Strafverfolger rund um die Erde Mega ansteuern», schreibt etwa die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». In der Tat geht Patentrechtsexperte Charles Alexander davon aus, dass «die USA ihre Anstrengungen jetzt verdoppeln könnten, um ihn (Dotcom, Red.) in die Finger zu kriegen».

Dotcom selber scheint sich in seiner Rolle als Internetrevolutionär weiter pudelwohl zu fühlen: «Die Wahrheit wird herauskommen», steht in grossen Lettern auf seiner Website. Auf Mega.co.nz heisst es: «Dieser Button wird am 19. Januar die Welt verändern.» Nimmt er den Mund zu voll? Vielleicht, vielleicht auch nicht: Der Mega-Vorgänger Megaupload war immerhin für vier Prozent des gesamten Internetverkehrs verantwortlich. Unterschätzen sollte man das Internetschwergewicht also definitiv nicht.

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