Der Albtraum vom goldenen Spam

In der Schweiz versuchen Banden online mit Hilfe ahnungsloser Nutzer Gelder aus illegalen Geschäften zu transferieren. Die Cyberkriminellen missbrauchen auch Facebook für ihre Operationen.

«Abwechslungsreiche Tätigkeit»: Auszug aus einem aktuellen Geldwäscher-Mail.

«Abwechslungsreiche Tätigkeit»: Auszug aus einem aktuellen Geldwäscher-Mail.

Reto Knobel@RetoRek

Dass sich Cyberkriminelle sogenannte Money Mules – meist ahnungslose Komplizen – zunutze machen, um ihre kriminellen Machenschaften zu tarnen, ist schon lange Usus: Angelockt durch ein «lukratives Jobangebot» per Mail lassen sie sich als Geldwäscher einspannen, indem sie Geldsummen von ihrem Konto aus weiter ins Ausland transferieren.

Derzeit sind laut der Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) besonders viele Mails im Umlauf, welche Finanzagenten zwecks Geldwäscherei suchen. Dahinter stünden in der Regel «Banden, welche mit Hilfe ahnungsloser Bürger Gelder aus illegalen Geschäften transferieren wollen».

Leichtes Geld? Mitnichten

Wer auf ein solches Spammail reagiere, erhalte in der Regel innerhalb kurzer Zeit einen Geldbetrag auf sein Konto überwiesen. Nach Abzug einer Provision müsse dieser Betrag dann – meist über die Geldtransfer-Firma Western-Union – ins Ausland überwiesen werden.

«Die Gelder stammen fast immer aus illegalen Geschäften, meist Phishing. Die Anbieter solcher Jobs suchen ahnungslose Personen, um durch Betrug erwirtschaftetes Geld aus Onlinekanälen ins Ausland zu transferieren. Wer an solchen Geschäften und Transaktionen mitwirkt, riskiert ein Strafverfahren wegen Gehilfenschaft zu Geldwäscherei», warnt die Meldestelle. Bereits 2008 hat das Bezirksgericht Zürich einen Finanzagenten wegen Geldwäscherei zu einer Strafe von 30 Tagessätzen und einer Busse von 500 Franken verurteilt.

Cybergangster entdecken Facebook

Laut dem Kaspersky Analytiker Blog halten die Cyberkriminellen mittlerweile auch auf Facebook nach Money Mules Ausschau. Laut dieser Quelle hat eine entsprechende Facebook-Gruppe derzeit 224'000 Mitglieder. Gemäss einer Analyse des Sicherheitsportals virenschutz.info kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige dieser Nutzer auf die neue Form der Geldwäscher-Suche hereingefallen sind – und sich damit strafbar gemacht haben.

DerBund.ch/Newsnet

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