Das grosse Medienbuffet

Hintergrund

Für 10 bis 15 Dollar pro Monat auf dem iPad so viele Zeitschriften und Magazine lesen wie man will: In den USA ist die Medien-Flatrate Realität. Der Beginn einer Medienrevolution?

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Reto Knobel@RetoRek

Für Verlage, die ein Geschäft mit kostenpflichtigen Inhalten auf Tablets machen wollen, sind die Resultate einer PWC-Untersuchung zwiespältig. Die gute Nachricht für die Herausgeber: Laut der Studie («Tablets im Fokus – wie die Nutzung von Tablet-PC den Markt für E-Publishing verändert») lesen 58 Prozent der Print-Leser das entsprechende Medium auf dem iPad «oft bis sehr oft». Zwei Drittel der Befragten nutzen iPad und Co. häufiger für den Medienkonsum als für Netzwerke wie Facebook und Twitter. Die Studie zeigt aber auch brutal auf, wie der Leser funktioniert. Er will nämlich für Onlinemedien (fast) nichts zahlen. 57 Prozent lesen Onlinenews gratis; nur jeder Zehnte zahlt für Einzelabrufe einer Ausgabe oder hat ein Abo für eine in digitaler Form erscheinende Zeitung. Ein Drittel aller iPad-Besitzer ist nicht bereit, auch nur einen Rappen für Onlinenachrichten zu zahlen.

Von Android auf iOS

In den USA ist der Geiz der Leser um einiges ausgeprägter: Aufgesplittet nach App-Kategorien liegen kostenpflichtige Nachrichten-Anwendungen einer im März 2012 publizierten Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen erst an siebter Stelle.

Nachrichten ja, aber gratis oder zumindest zu niedrigen Preisen: Die Botschaft der Leser an die Medienhäuser im 21. Jahrhundert ist also klar. Das US-Unternehmen Next Issue Media scheint sie aufgenommen zu haben. Das 2009 gegründete Konsortium der Mediengiganten Condé Nast, Time, Hearst, Meredith und News Corp. startete vor drei Monaten mit einer Android-App, welche Zugriffe auf 32 Wochen- und Monatsmagazine sowie Zeitschriften bietet.

«All you can read»

Das Besondere an dieser Applikation. Für 10 Dollar (Basic) oder 15 Dollar (Premium) monatlich erhält der Leser Zugang zu allen Inhalten, welche von den Verlagen herausgegeben werden – unter anderem «Vanity Fair», «Elle», «GQ» und «Better Homes». Mit anderen Worten: Die App funktioniert wie eine Flatrate – «all you can read» sozusagen.

Nun kommt das Modell auf das iPad, vorerst allerdings nur in den USA. Die iPad-App Next Issue bietet für 10 Dollar eine Flatrate für Zweiwochen- und Monatsmagazine (Unlimited Basic), für einen monatlich Aufpreis von fünf Dollar gibts die Wochenzeitschriften und Hintergrundmagazine «Entertainment Weekly», «People», «Sports Illustrated», «The New Yorker» und «Time» dazu. Insgesamt werden 39 Titel angeboten.

Konkurrenz zum Newsstand?

Die Flatrate ist dabei nicht der einzige Vorteil: «Alle digitalen Editionen wurden im selben Format erstellt und so angepasst, dass sich der Nutzer einmal anmelden muss und dutzende Titel abrufen kann», so Next-Issue-Media-Chef Morgan Guenther, der das Angebot kontinuierlich ausbauen und auch auf Windows-8-Geräte bringen will.

Guenther sieht Next Issue zudem explizit nicht als Konkurrenz zum mit iOS 5 eingeführten Zeitungskiosk. In dieser App (Englisch: Newsstand) werden alle Magazine und Zeitschriften gesammelt, welche man gekauft oder gratis heruntergeladen hat.

In der amerikanischen Medienlandschaft wurde der Launch der iPad-Applikation geradezu euphorisch aufgenommen. Für «Cnet» etwa hat das Modell das Potenzial, «den Verkauf von Onlinemagazinen revolutionieren zu können». «Techcrunch» beschreibt die App als «wahrscheinlich einfachsten und ökonomischsten Weg, seine Lieblingstitel immer verfügbar zu haben».

DerBund.ch/Newsnet

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