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Das Google der Kriegsherren

Der gläserne Bürger war gestern. Eine neue Software des Rüstungskonzerns Raytheon zeigt nicht nur, wo man ist und was man macht, sondern auch, wo der Nutzer eventuell sein wird.

Twitter, Facebook und Co. waren für die Protagonisten des arabischen Frühlings ein Segen: Die Mobilisierung der Massen und die Kommunikation über soziale Netzwerke erleichterten die Destabilisierung der diktatorischen Regime; der Westen konnte hautnah deren Sturz miterleben.

Welches Potenzial das Web 2.0 haben kann, wenn man es umgekehrt nutzt – zur vollständigen Überwachung seiner Bürger –, demonstriert der Waffenhändler Raytheon in einem Video, welches der «Guardian» am 10. Februar publiziert hat.

Identifizieren, lokalisieren, verfolgen

Der Clip demonstriert die Einsatzmöglichkeiten der Software namens Riot (Rapid Information Overlay Technology). In dem Video zeigt Raytheon-Experte Brian Urch, wie man aus Twitter- und Facebook-Einträgen (inklusive Fotos) und GPS-Daten von Smartphones und Tablets die Nutzer identifizieren, lokalisieren und verfolgen kann.

Die Macher erstellten mithilfe des Raytheon-Angestellten «Nick» ein Szenario: Nick liefert Ortsangaben und Postings auf Facebook, was ein Profil jener Orte ermöglicht, an welchen er sich kürzlich aufgehalten hat. Die Fotos können via Geotagging den Aufenthalten zugeordnet werden. Die von Riot erstellte Karte zeigt schliesslich, wo genau er sich in den USA öfters aufhält. Im Endeffekt kann das Programm dann aufgrund der riesigen Menge an Daten, welche Riot erfasst, eine mehr oder weniger stabile Prognose über den künftigen Aufenthaltsort von Nick erstellen.

Die im US-Bundesstaat Massachusetts ansässige Firma hat laut Recherchen des «Guardian» 2010 zusammen mit dem Verteidigungsministerium mit der Entwicklung von Riot begonnen. Dies, um ein nationales Sicherheitssystem aufzubauen, welches «Billionen von Onlinedatensätzen» analysieren könne. Die Technologie ermöglicht es den USA damit theoretisch, sich ein exaktes Bild über die persönlichen Aktivitäten ihrer Bürger zu machen.

Wer wird die Software nutzen dürfen?

Laut Ginger McCall vom Electronic Privacy Information Centre in Washington ist das Zusammentragen von öffentlichen Websites im Rahmen der Strafverfolgung in den meisten Ländern legal. McCall weist allerdings darauf hin, dass viele Netzwerkfirmen zu wenig transparent machen, welche Informationen sie nutzen oder an Dritte weiterleiten: «Die Nutzer glauben, dass ihre Daten nur von Freunden eingesehen werden können, dabei ist es mit der entsprechenden Software möglich, dass die Regierung Einsicht nimmt oder Daten weitergibt.»

Wer künftig Riot nutzen darf, ist derzeit offen: Gegenüber dem «Guardian» erklärte ein Sprecher, die Software sei noch nicht freigegeben worden.

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