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Bündnis gegen Cyberattacken

Die NATO soll sich nach Ansicht ihres Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen in Zukunft nicht nur gegen militärische Angriffe, sondern auch gegen Attacken über das Internet gemeinsam verteidigen.

Vorbereitung gegen den Krieg im Internet: Mit der Abwehr von Internet-Angriffen geht NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen insbesondere auf Forderungen osteuropäischer Mitgliedstaaten ein.
Vorbereitung gegen den Krieg im Internet: Mit der Abwehr von Internet-Angriffen geht NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen insbesondere auf Forderungen osteuropäischer Mitgliedstaaten ein.

Die NATO nimmt Attacken aus dem Internet ins Visier. Die Abwehr sogenannter Cyber-Angriffe ist nach Angaben von NATO-Diplomaten von Freitag Teil des neuen strategischen Konzepts des Bündnisses, welches der NATO-Gipfel im November in Lissabon verabschieden soll.

Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen geht darin nach Presseinformationen auch auf deutsche Forderungen zur nuklearen Abrüstung ein. Die Diplomaten bestätigten einen Bericht der «Süddeutschen Zeitung» vom Donnerstag, wonach Internet-Attacken Teil des Konzepts sind, welches Rasmussen zu Wochenbeginn den 28 Bündnisstaaten vorgelegt hatte.

Bereits mehrere Attacken

Welche Gefahren aus dem Internet drohen, verdeutlicht der Computervirus Stuxnet, der jüngst in Rechnern von Industrieanlagen im Iran sowie in Indien, China, Pakistan und Indonesien auftauchte. Im schlimmsten Fall könnten Industrieanlagen zerstört werden, wenn ein Angreifer über das Virus die Kontrolle über sie übernimmt.

Mit der Abwehr von Internet-Angriffen geht NATO-Generalsekretär Rasmussen insbesondere auf Forderungen osteuropäischer Mitgliedstaaten ein. 2007 legten Hacker Server in Estland lahm, die Spur liess sich nach estnischen Angaben bis nach Russland zurückverfolgen. Die USA halten derzeit mit Beteiligung von zwölf europäischen Ländern eine Übung namens «Cyber Storm III» ab, welche eine gross angelegte Attacke auf die amerikanische Infrastruktur simuliert.

«Gute Basis für Gespräche»

Es sei aber falsch, das neue NATO-Konzept allein auf den Aspekt der Cyber-Angriffe zu reduzieren, warnte ein Diplomat. Die neue Strategie soll das alte Konzept von 1999 ablösen, das noch stark dem Geist der Jahre nach dem Kalten Krieg verhaftet ist. Das Dokument unterliegt strenger Geheimhaltung.

Bundesaussenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte Rasmussens Vorschläge zu Wochenbeginn als «gute Basis für Gespräche» begrüsst. Der dänische Generalsekretär hofft, am 14. Oktober in Brüssel die Zustimmung der Aussen- und Verteidigungsminister aller 28 Bündnisländer zu erhalten. Nach Angabe eines Diplomaten dringen aber noch eine Reihe von Delegationen auf Textänderungen.

Forderung nach Abzug aller Nuklearsprengköpfe

Grundsätzlich umstritten ist zwischen den Bündnisländern, welche Rolle den Nuklearwaffen zukommen soll. Nach einem Bericht des «International Herald Tribune» vom Donnerstag geht Rasmussen in dem Konzept auf Westerwelles Ruf nach nuklearer Abrüstung ein. Details nannte das Blatt nicht.

Der von Westerwelle geforderte Abzug aller Nuklearsprengköpfe aus Europa ist im Bündnis umstritten. Die USA und auch Rasmussen hielten dies bisher für den falschen Weg und plädierten für die Beibehaltung eines Abschreckungspotenzials. Die Atommacht Frankreich will zudem verhindern, dass die NATO Einfluss auf ihr Arsenal bekommt. Schrittweiser Abzug aus Afghanistan

Das neue strategische Konzept basiert auf einem im Mai vorgelegten Bericht einer hochrangigen Arbeitsgruppe um die frühere US-Aussenministerin Madeleine Albright. Rasmussen kündigte bereits damals an, die NATO behalte sich auch künftig neue Einsätze ausserhalb ihres Bündnisgebietes nach dem Beispiel Afghanistans vor. Die Allianz habe aber nicht den Ehrgeiz, «Weltpolizist» zu werden.

Die NATO bereitet derzeit einen schrittweisen Abzug aus Afghanistan vor. Der Internationalen Afghanistan-Truppe (ISAF) unter Führung des Bündnisses gehören rund 120.000 Soldaten an. Die Zahl der Bundeswehr-Soldaten soll bis Ende Oktober zunächst noch einmal auf rund 5000 ansteigen.

(AFP)

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