Steve Jobs' geheime Abmachungen

Mehrere IT-Giganten sollen untereinander vereinbart haben, sich gegenseitig keine Angestellten abzuwerben. Eine Sammelklage bringt nun brisante E-Mails ans Licht, in denen auch Steve Jobs eine Rolle spielt.

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Die Mitarbeiter im Silicon Valley können sich nicht beklagen. Konzerne wie Google und Apple machen ihnen das Arbeitsleben so schmackhaft und angenehm wie möglich. Hier wird der Angestellte vollends umsorgt. Dadurch soll es den Mitarbeitern leicht gemacht werden, Angeboten der Konkurrenz zu widerstehen. Um ihre Mitarbeiter zu halten, wendet Apple jedoch offenbar auch Methoden an, die sich im Graubereich der Legalität befinden.

So sollen Steve Jobs und der damalige Adobe-Konzernchef Bruce Chizen vereinbart haben, sich gegenseitig keine Mitarbeiter abzuwerben. «Bruce und Steve Jobs haben eine Vereinbarung, dass wir keine Apple-Mitarbeiter anwerben und umgekehrt», schrieb die Adobe-Chefin der Personalabteilung in einem E-Mail im Jahr 2005.

Die Nicht-Abwerbe-Abkommen

Der Auszug stammt aus einem Gerichtsdokument, das «Techcrunch»veröffentlicht hat. Die US-Justiz ermittelte zwischen 2009 und 2011 gegen Unternehmen wie Apple, Adobe, Google, Intel oder Pixar und sammelte zu diesem Zweck den E-Mail-Verkehr zwischen verschiedenen Konzernchefs.

Demnach hielten sich auch Pixar und Lucasfilms offenbar an ein ähnliches Nicht-Abwerbe-Abkommen. Doch nicht alle mochten auf Steve Jobs Angebot eingehen. Palm-Chef Ed Colligan lehnte Mitte 2007 eine entsprechende Vereinbarung ab. Diese seien nicht nur falsch, sondern vermutlich auch illegal, schrieb er in einem E-Mail an Jobs.

Verstoss gegen das Wettbewerbsrecht lautete damals der Vorwurf der US-Justiz. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt, nachdem sich die betroffenen Unternehmen verpflichteten, künftig auf entsprechende Abkommen zu verzichten.

Eine Sammelklage folgte

Nicht alle Mitarbeiter gaben sich damit zufrieden. Im Mai 2011 wurde eine zivilrechtliche Sammelklage gegen die Computerfirmen eingereicht. Die Kläger werfen den Unternehmen vor, ein Kartell zum Nachteil der Mitarbeiter gebildet zu haben. Damit hätte man nicht nur die Personalkosten tief gehalten, sondern auch die Entwicklungsmöglichkeiten der Mitarbeiter eingeschränkt. Der Wettbewerb um Talente sei dadurch faktisch ausgehebelt worden.

Die beklagten Firmen weisen die Vorwürfe von sich. Es sei nie zu «allumfassenden geheimen Absprachen» gekommen, man könne in diesen Fällen höchstens von bilateralen Geschäftsabkommen sprechen. Die Verteidigung fordert die Einstellung des Zivilverfahrens.

Ein Gericht in San Jose muss nun über den Fall befinden. Lässt es die Sammelklage zu, könnten Mitarbeiter, die vor 2009 bei den beschuldigten Unternehmen arbeiteten, ihr Anrecht auf Schadenersatz für entgangene Lohnzuschläge geltend machen. Eine erste Anhörung findet am 26. Januar statt.

jak

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