So finden Sie versteckte Kameras in der Ferienwohnung

Mehrere Fälle von heimlicher Überwachung machen Airbnb zu schaffen. Es gibt Tricks, um die Spionagegeräte aufzuspüren.

Die neuseeländische Familie Barker hat in ihrer Airbnb-Unterkunft in Irland eine versteckte Kamera in einem zweiten Rauchmelder gefunden, sich in diese reingehackt und gleich ein Familienfoto gemacht. Foto: Nealie Barker/Facebook

Die neuseeländische Familie Barker hat in ihrer Airbnb-Unterkunft in Irland eine versteckte Kamera in einem zweiten Rauchmelder gefunden, sich in diese reingehackt und gleich ein Familienfoto gemacht. Foto: Nealie Barker/Facebook

Andreas Frei@andreasfrei

Eine Frau findet in einer Airbnb-Wohnung in Peking eine Kamera im Router. Ihr Vermieter ist ein sogenannter Superhost, also ein besonders empfehlenswerter Gastgeber. Der mittlerweile verhaftete Mann hat neben die bestehenden LED-Leuchten des Geräts ein weiteres Loch gebohrt und dort die Kamera versteckt. Sein Pech, dass sein Gast IT-Expertin war und durch Bewegungssensoren im Schlafzimmer misstrauisch wurde.

In den vergangenen Monaten wurden mehrere Fälle von geheimer Überwachung in Airbnb-Unterkünften bekannt: Im April hat eine Familie in Irland eine Kamera in einem Rauchmelder entdeckt. Im Februar fanden fünf Frauen in Auckland eine versteckte Kamera in einer Glühbirne und in Florida entdeckte ein Mann im Januar in seinem gemieteten Zimmer zwei Kameras in Ladegeräten. Der wohl bekannteste Fall: FPÖ-Politiker Strache in der Airbnb-Villa auf Ibiza.

Unzureichende Reaktion von Airbnb

Die Plattform hat zwar in den offiziellen Nutzungsbedingungen einen Passus, der Vermieter verpflichtet, auf Kameras im Aussenbereich oder dem Wohnzimmer hinzuweisen. Seit 2018 müssen Gäste bei der Buchung auf der Airbnb-Plattform bestätigen, dass sie über solche Kameras informiert sind. In Schlaf- oder Badezimmern sind sie vollständig verboten.

Trotzdem gibt es offenbar immer wieder Fälle von heimlicher Überwachung – und sie haben eine Gemeinsamkeit: Die Betroffenen klagen über eine unzureichende Reaktion des Unternehmens. Die spionierenden Gastgeber würden oft wieder «rehabilitiert» und nur nach weiteren Interventionen dauerhaft verbannt. Die Betroffenen fühlten sich wie frustrierte Kunden behandelt, seien aber eigentlich Opfer einer kriminellen Tat. Airbnb bezeichnet Spanner-Kameras als «unglaublich selten» und gelobt Besserung.

Tatsächlich laufen jedes Jahr Zehntausende Vermietungen über die Plattform, ohne dass es Beanstandungen gibt. In vielen Unterkünften sind Kameras in der Küche oder dem Wohnzimmer aufgestellt, weil sich die Gastgeber vor Diebstahl oder Einbrüchen absichern wollen – und die Airbnb-Gäste werden korrekt darüber informiert.

Kameras im WLAN finden

Viele Spionagekameras werden aber vermutlich gar nie entdeckt, denn die Überwachungsgeräte zu finden ist keine einfache Aufgabe. Die Familie in Irland hatte die Kamera im WLAN-Netzwerk entdeckt. Viele Spionagegeräte senden ihre Bilder über das Internet zum Spanner, weshalb es sich lohnt, dieses zu überprüfen. Meistens erhält ein Airbnb-Gast Zugang zum WLAN und kann dieses mit einem App wie beispielsweise «Fing» (gratis für Android und iPhone) nach weiteren Geräten absuchen. Verdächtig sind solche, die ein starkes Signal aussenden, zudem wird auch der Hersteller des Geräts angezeigt – im erwähnten Fall war dieser IPCAMERA und damit ein deutlicher Hinweis.

Airbnb-Gastgeber könnten aber auch ein separates WLAN einrichten, ausserdem müssen Kameras nicht drahtlos mit dem Internet verbunden sein – und die neusten sind mittlerweile so klein, dass sie kaum noch sichtbar sind.

Spionage-Kamera in einem falschen Schraubenkopf.

Experten raten zu besonderer Vorsicht bei Gegenständen, die an ungewöhnlichen Stellen stehen. In einem aufgedeckten Fall hatte es beispielsweise zwei Rauchmelder im Zimmer. Kameras wurden auch schon in Uhren, Weckern, Ladegeräten, Glühbirnen, Spiegeln, Bilderrahmen, Ventilatoren und sogar falschen Schraubenköpfen gefunden.

Mit der Taschenlampe auf Kamerajagd

Die Spionagegeräte werden immer kleiner und besser versteckt. Finden kann man sie mit Profigeräten oder mit etwas Geduld auch mit dem eigenen Smartphone im abgedunkelten Raum. Einerseits kann man dazu mit der Handy-Taschenlampe das Zimmer ausleuchten und auf Reflektionen von Objektiven achten. Oder man aktiviert im Dunkeln die Kamera seines Smartphones und sucht so nach versteckten Geräten – arbeiten diese mit Infrarot, erscheint die versteckte Spy-Cam auf dem Bildschirm als helles Licht.

Ein Airbnb-Vermieter in Peking hat eine Kamera in einem Router versteckt. Bild: Sina

Wer nach der Ankunft im Urlaubsort die gemietete Unterkunft nicht auf Spuren von versteckten Kameras untersuchen will, ist darauf angewiesen, dass Airbnb seine eigenen Regeln umsetzt und Verstösse konsequent ahndet. Oder man bucht ein Hotelzimmer, wobei auch dort schon versteckte Kameras gefunden wurden. In Südkorea wurden beispielsweise über Monate rund 1600 Gäste heimlich gefilmt.

Wer eine Kamera findet, sollte diese übrigens nicht ausbauen oder zerstören, das könnte rechtliche Probleme mit sich bringen. Man kann die Linse aber auf jeden Fall verdecken oder überkleben, wie man das auch mit der eigenen Laptop-Kamera tun sollte, und Airbnb informieren. In den bekannt gewordenen Fällen haben die heimlich überwachten Personen die Unterkunft jeweils verlassen und erhielten die Kosten zurückerstattet.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt