Freiburg als Glasfaser-Pionier

Netzbau

Freiburg plant als erster Kanton ein modernes Glasfasernetz, welches nicht nur die Stadt, sondern auch die ländlichen Regionen abdeckt. Gebaut wird es vom Elektrizitätswerk Groupe E und der Swisscom. Die Regierung leistet einen finanziellen Beitrag.

Hans Galli

Internetnutzer schicken immer mehr Texte, Fotos und Filme über das Netz. Youtube und Tauschbörsen verstopfen die Leitungen. Digitale Fernsehangebote wie Bluewin TV sind im Vormarsch. Das riesige Datenvolumen kann in Zukunft nur noch von Glasfaserleitungen bewältigt werden.

Schweizweit ist ein Streit im Gang, wer das Glasfasernetz baut. Die Elektrizitätswerke sehen eine Chance, Geld zu verdienen, wenn sie in ihre Schächte neben dem Stromkabel auch ein Glasfaserkabel legen. Sie stehen dabei in Konkurrenz zur Swisscom, welche ein eigenes Glasfasernetz anstrebt. Beiden Seiten ist klar, dass sie zusammenarbeiten müssen, um Doppelspurigkeiten zu vermeiden. Die Swisscom verhandelt deshalb mit 29 Elektrizitätswerken. Nun hat sie sich mit dem ersten geeinigt: mit der Freiburger Groupe E. Und das Projekt geht erst noch viel weiter als alle andern. Die Freiburger Regierung und die Groupe E haben sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, in den kommenden zehn Jahren nicht nur die Liegenschaften in der Hauptstadt, sondern alle Häuser im Kanton mit Glasfasern zu erschliessen.

«High-Tech im Grünen»

Mit dem Bau des Glasfasernetzes könne die Freiburger Regierung ihre Strategie von «High-Tech im Grünen» umsetzen, sagte Volkswirtschaftsdirektor Beat Vonlanthen gestern vor den Medien im Forum Fribourg. Die Wirtschaftsförderung könne künftig ansiedlungswilligen neuen Firmen modernste Datenverbindungen anbieten.

Der Kanton unterstützt deshalb das Glasfaserprojekt finanziell. Er beteiligt sich mit 5 Millionen Franken an der Gesellschaft, welche das Glasfasernetz bauen wird. Zusätzlich stellt er ihr ein Darlehen von 20 Millionen Franken zur Verfügung. Hauptaktionärin der Gesellschaft wird die Groupe E. Sie ist die sechstgrösste Elektrizitätsgesellschaft der Schweiz. Entstanden ist sie 2005 durch den Zusammenschluss der freiburgischen und der neuenburgischen Elektrizitätswerke.

Die Groupe E will in den nächsten zehn Jahren sämtliche Häuser in den von ihr versorgten Gebieten in den Kantonen Freiburg, Neuenburg und Waadt mit Glasfasern erschliessen, wie Generaldirektor Philippe Virdis sagte. Nicht zu ihrem Versorgungsgebiet gehören Murten und Bulle. Die dortigen Elektrizitätswerke können sich dem Projekt anschliessen.

Strommarktliberalisierung

Die Groupe E erstelle das Glasfasernetz nicht zuletzt wegen der Strommarktliberalisierung, sagte Virdis. Zwar könnten vorerst nur grosse Kunden ihren Stromanbieter frei wählen. Ab 2014 soll der Strommarkt aber auch für Kleinbetriebe und Privathaushalte geöffnet werden. Dadurch würden Kontrolle und Abrechnung für Leitungsbenützung und Stromverbrauch wesentlich anspruchsvoller. Neue Messinstrumente seien auch nötig, weil Private ihren Solarstrom gegen Entschädigung ins Netz einspeisen dürfen. Dank Glasfasernetzen könnten die Messsysteme besser vernetzt werden.

Eine Faser für die Swisscom

Die Groupe E wird das Glasfasernetz gemeinsam mit der Swisscom bauen. Die beiden Unternehmen werden mehrere Glasfasern in jedes Haus einziehen. Eine dieser Fasern wird die Swisscom für sich reservieren. Die andern stehen der Groupe E sowie weiteren Interessenten zur Verfügung, wie Swisscom-Chef Carsten Schloter sagte.

Die Groupe E bekennt sich damit zum Mehrfasermodell. Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) setzt dagegen auf eine einzige Faser. Diese Faser offeriert es allen Interessenten zur Mitbenützung. Die Swisscom ist damit jedoch nicht einverstanden. Sie strebt auch in Zürich eine eigene Faser an. Wie der Streit ausgehen wird, ist offen.

Verhandlungen in Bern

Nach dem Durchbruch in Freiburg hofft die Swisscom, dass sich das Mehrfasermodell auch andernorts durchsetzt. Bisher hat sich noch kein anderes Elektrizitätswerk entschieden. Auch die Verhandlungen mit Energie Wasser Bern (EWB) sind noch im Gang.

Der Bund

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