Die totale Privatsphäre

Wer im Internet surft, steht heutzutage unter Dauerbeobachtung. Jetzt kann man sich mit einer neuen Version des sogenannten Live-System Tails schützen.

Im Internet surfen, ohne seine Identität über die IP-Adresse des Rechners preiszugeben, mit dem gerade im Netz unterwegs ist: Das Projekt Tor macht es möglich.

Im Internet surfen, ohne seine Identität über die IP-Adresse des Rechners preiszugeben, mit dem gerade im Netz unterwegs ist: Das Projekt Tor macht es möglich.

Wer im Internet surft, steht heutzutage unter Dauerbeobachtung. Alle möchten wissen: Wer bist du, woher kommst du, wohin gehst du, was sind deine Interessen und Vorlieben? Diese Daten werden ständig registriert und gesammelt, von der Anfrage bei der bevorzugten Suchmaschine, auf der Website, die man besucht, bis zur E-Mail. Interessenten gibt es viele, von der Werbeindustrie bis zu den Sicherheitsbehörden. Wer beim Surfen im Internet seine Privatsphäre schützen will, der kann das unter anderem mit dem jetzt in einer neuen Version erschienenen Live-System Tails machen.

Tails steht für The Amnesic Incognito Live System und ist eines der Angebote von Tor. Tor (The Onino Routing) ist ein durch Spenden finanziertes Projekt, das ein Netzwerk von Servern zur Anonymisierung des Datenverkehrs unterhält. Den Zugang stellt eine Software her, die sich jeder von der Tor-Website herunterladen kann. Es gibt sie für Windows-, Mac- und Linux-Rechner.

Tails, was man als unidentifizierbares und unter Gedächtnisschwund leidendes Betriebssystem übersetzen könnte, zeigt schon im Namen, was es leisten möchte. Es stellt eine Verbindung ins Internet grundsätzlich immer über Tor her. Als Suchmaschine ist zudem Ixquick Standard. Diese Meta-Suchmaschine speichert weder die Daten der Nutzer, noch werden sie abgerufen. An Sicherheitssoftware sind unter anderem auch noch Werkzeuge zur Verschlüsselung und eine virtuelle Tastatur mit an Bord.

Der Rechner leidet unter Gedächtnisschwund

Man kann dann im Internet surfen, ohne seine Identität über die IP-Adresse des Rechners preiszugeben, mit dem gerade im Netz unterwegs ist. Und wenn man den Rechner wieder herunterfährt, kann er sich an nichts mehr erinnern. Tails nutzt nur den Arbeitsspeicher des Rechners, der beim Herunterfahren des Rechners automatisch gelöscht wird. Beim nächsten Boot-Vorgang startet der Computer dann sein installiertes Standardbetriebssystem. Ein Vorteil dieses Live-Systems ist auch, dass Schad- oder Spionageprogramme, die vielleicht auf dem Rechner sind, mit dem man Tails benutzt, keine Chance haben, aktiv zu werden.

Das System richtet sich an alle, die es für sinnvoll halten, immer oder zumindest hin und wieder mal im Internet zu surfen, ohne sofort durch ihren Rechner identifiziert zu werden. Als mögliche Nutzer von Tails und Tor werden ausdrücklich Menschen genannt, die in repressiven Regimen leben. Interessant ist so etwas auch für Unternehmen, die vertrauliche Daten übermitteln wollen, Journalisten, die recherchieren oder mit Informanten Kontakt halten wollen, oder auch Angehörige der Sicherheitskräfte. Der Missbrauch eines solchen Anonymisierungssystems ist natürlich leider auch nicht ausgeschlossen.

Windows-Look als Tarnung

Basis von Tails ist ein Linux-System, genauer gesagt eine angepasste Debian-Distribution mit der Benutzeroberfläche Gnome. Nach dem Herunterladen wird Tails auf DVD gebrannt oder auch einen USB-Stick übertragen. Um Tails auf einen USB-Stick zu bekommen und das Betriebssystem auch von dort booten zu können, benutzt man am besten ein Programm wie UNetbootin. Beim Start des Computers muss man dann nur noch darauf achten, dass dieser von der DVD oder dem USB-Stick bootet, auf dem Tails ist.

Beim Start des Live-Systems kann man unter zahlreichen Sprachen wählen, die man nutzen möchte, und auch ein System-Passwort festlegen, falls man so etwas braucht. Um auch rein äusserlich nicht aufzufallen, wird angeboten, das System wie Windows XP aussehen zu lassen. Entscheidet man sich für diese Möglichkeit, dann bekommt man einen Bildschirm wie bei XP. Als Hintergrund gibt es das Standardbild mit grüner Wiese, blauem Himmel und kleinen, weissen Wölkchen. Auch der Start-Button fehlt nicht. Der Browser wird über ein Symbol gestartet, das an das kleine e des Internet Explorers von Microsoft erinnert. Dahinter steckt aber Iceweasel, eine Firefox-Variante von Debian.

Liberté für freies Surfen im Netz

Einen Preis hat aber auch der Schutz der Privatsphäre. Die Umleitung der Anfragen über diverse Tor-Server hat spürbare Auswirkungen auf das Surfverhalten, alles läuft doch deutlich langsamer.

Wer sich für Tails interessiert, sollte auch mal einen Blick auf Liberté Linux werfen. Während Tails ein ausgewachsenes Desktop-Betriebssystem mit Office-Software, Bildbearbeitung und vielem mehr bietet und deshalb auch 764 MB gross ist, konzentriert sich Liberté ganz auf die Sicherheit. Dieses Linux-Live-System ist gerade einmal 207 MB gross und kürzlich in der Version 2012.2 erschienen.

DerBund.ch/Newsnet

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