«Die Schweizer kriegen mehr als andere Länder»

Kommt bald die Netflix-Serie nur für Schweizer? Reed Hastings, der Chef des Streaming-Dienstes, reiste in die Limmatstadt und stand Red und Antwort.

Der Amerikaner über den Dächern von Zürich: Reed Hastings ist für die Pressekonferenz in die Limmatstadt gereist. (19. September 2014)

Der Amerikaner über den Dächern von Zürich: Reed Hastings ist für die Pressekonferenz in die Limmatstadt gereist. (19. September 2014) Bild: Keystone

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Was haben Sie sich zuletzt auf Netflix angesehen?
Die Serie «BoJack Horseman».

Das gibts schon auf Netflix Schweiz?
Sicher. Und zwar auf Deutsch, Französisch und Englisch. Natürlich auch mit Untertiteln.

Wie mühsam ist es, Lizenzen für Serien und Filme für die Schweiz zu bekommen?
Lizenzen sind prinzipiell schon mal sehr teuer – auch in der Schweiz. Das Tolle an der Schweiz ist, dass Sie hier den deutschen und französischen Katalog von Netflix nutzen können. Die Schweizer kriegen also mehr als andere Länder.

Wie planen Sie, Ihr Angebot auszubauen? Sie nennen keine Zahlen, was das Startangebot angeht. Aber wo sind Sie in einem Jahr oder in zwei?
Bei den TV-Serien haben wir so viel Inhalt. Wir haben viele Kinderserien. Dann haben wir «Breaking Bad», «Orange Is the New Black», «BoJack Horseman». Und bald kommt «Better Call Saul», das vor der Handlung von «Breaking Bad» spielt. Das Angebot wird wachsen und wachsen.

Haben Sie Ziele, die Sie in einem oder zwei Jahren erreichen wollen?
Wir haben viele Ziele, die dazu führen, dass unsere Kunden noch glücklicher werden. Eine gute Auswahl spielt eine zentrale Rolle. Aber wir haben lieber 50 sehr gute Filme als eine Million nicht so guter Filme.

Wer sind Ihre grössten Konkurrenten in der Schweiz?
Piraterie. Die ist hier ja einigermassen legal. Das ist sicher unser grösster Konkurrent, da es gratis ist. Aber es ist auch unbequem. Mit Netflix muss man nur klicken, und es geht los.

Wie wollen Sie die Schweizerinnen und Schweizer denn von den Downloadportalen weglocken?
Indem wir Netflix sehr billig machen. Das billigste Abo kostet 11.90 Franken, und jeder kann Netflix einen Monat gratis ausprobieren.

Ein anderer grosser Konkurrent ist das traditionelle Fernsehen. Haben Sie bei SRF angefragt, ob Sie deren Inhalte lizenzieren können?
Mit der Zeit werden wir das sicher machen. Aber jetzt starten wir erst mal mit dem Angebot aus Frankreich und Deutschland.

In den USA bezahlen Sie Netzwerkanbietern Geld, damit Sie schnellere Internetleitungen bekommen. Machen Sie das auch in der Schweiz?
Das ist eine Option. Aber im Moment sind die Schweizer Netze schnell genug für unser Angebot.

Also aktuell gibt es keine Zahlungen an Schweizer Netzwerkanbieter?
Nicht dass ich wüsste. Nein.

Netflix ist bekannt dafür, dass es die Vorlieben seiner Nutzer sehr gut kennt. Was haben Sie schon über die Schweizer Kunden erfahren?
Noch nicht viel. Das lernen wir laufend, sobald die Schweizerinnen und Schweizer beginnen, Filme zu schauen. Aber man muss sich keine Sorgen machen. Das sind Algorithmen und keine Mitarbeiter, die das überwachen. Das ist alles äusserst vertraulich und sehr gut verschlüsselt.

Wie wichtig sind deutsche und französische Synchronisationen (da Netflix noch nicht in Italien ist, gibt es auch keine italienischen Inhalte für die Schweiz) für den Schweizer Markt?
Die sind sehr wichtig. Wir synchronisieren parallel. Wenn eine neue Serie in den USA veröffentlicht wird, haben wir sie für die Schweiz schon mit der entsprechenden Synchronisation.

Aufwendige Serien wie «Homeland» oder «Downton Abbey» waren im Schweizer Fernsehen kein Quotenhit. Wie wollen Sie das besser machen?
Bei uns kann man die Serien schauen, wann man will. Da muss man nicht zum Beispiel bis Donnerstag um neun Uhr abends warten. Bei uns muss man einfach ein Tablet in die Hand nehmen oder Apple-TV einschalten, und schon kann man die Serie auf Netflix schauen.

In den USA oder Frankreich produzieren Sie eigene Serien wie «House Of Cards» oder «Marseille». Gibt es entsprechende Pläne für die Schweiz?
Noch nicht. Frankreich ist ein grosser Markt. Da können wir das machen. Der Schweizer Markt ist dafür zu klein.

Dann machen Sie vielleicht eher etwas für den deutschsprachigen Raum, und die Schweiz bekommt es dann auch.
Genau.

Aber eine Netflix-Serie speziell für die Schweiz schliessen Sie nicht kategorisch aus?
Nein. Wir lassen uns alle Optionen offen.

UPC Cablecom hat kürzlich ein ähnliches Streamingangebot und dazu eine eigens entwickelte Serie vorgestellt. Nehmen Sie das als Bedrohung wahr?
Nein. Es gibt so viele Konkurrenten, allen voran die Piraterie, und so viele verschiedene Serien und Filme. Das Tolle an Netflix ist, dass es so einfach zu bedienen ist. Kommt hinzu, dass wir über 50 Millionen Nutzer weltweit haben. Darum lernen wir auch so viel dazu und können unser Angebot noch einfacher, noch schneller und noch besser machen. Unsere Streamingqualität ist schon jetzt nahezu perfekt.

Wo wir schon von Technologie sprechen, Sie streamen einzelne Sendungen in hoher 4K- oder UHD-Auflösung. Wann wird das massentauglich?
Ich würde sagen in drei bis fünf Jahren, wenn die TV-Preise sinken.

Und was kommt danach? 8K oder Virtual Reality?
Wir schauen jetzt erst mal, dass 4K in die Gänge kommt.

Letzte Frage: Sie und Ihre Firma haben den Sprung von einer Offline- zu einer Onlinefirma gewagt und es hinbekommen. Viele Branchen, gerade die Medienbranche, tun sich schwer damit. Was raten Sie solchen Firmen, damit sie den Sprung auch hinbekommen?
Nun, jede Branche ist einzigartig und stellt andere Anforderungen an diesen Sprung. Bei Netflix mussten wir uns voll darauf konzentrieren. Entweder wir schaffen den Sprung oder sterben. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.09.2014, 13:20 Uhr

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