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USA haben Handynutzer im Visier

Mit Kleinflugzeugen orten die amerikanischen Behörden Mobiltelefone. Diese Schleppnetzfahndung sammelt aber vor allem Daten von Unbeteiligten.

Mittels Modellen eines ähnlichen Typs spionieren US-Behörden Handys aus: Cessna-Kleinflugzeug.
Mittels Modellen eines ähnlichen Typs spionieren US-Behörden Handys aus: Cessna-Kleinflugzeug.
Josua Lindsey, Keystone

Das US-Justizministerium betreibt ein bislang geheimes Programm, um gesuchte Handynutzer zu orten und zu identifizieren. Wie das «Wall Street Journal» (WSJ) berichtet, nutzen die Behörden Kleinflugzeuge, in denen sich spezialisierte Geräte als stationäre Handyantennen ausgeben. Gerät ein Mobiltelefon in die Reichweite eines solchen Geräts, weist es sich mit seiner Identifizierung aus. Der Betreiber kann so Handynutzer identifizieren, ohne dass diese von der Überwachung erfahren.

Die verwendeten Geräte sind als sogenannte Dirtboxes oder auch IMSI-Catcher bekannt, benannt nach der internationalen Handy-Teilnehmerkennung. Die US-Behörden nutzen die IMSI-Catcher gemäss WSJ, um bei Überflügen Verdächtige zu orten. Mittels des Verfahrens lässt sich ein einzelner Handynutzer auf mehrere Meter genau lokalisieren. US-Marshals verwenden dafür offenbar Kleinflugzeuge vom Typ Cessna, die von mindestens fünf amerikanischen Flughäfen aus operieren. Zum Einsatz kommt das Überwachungssystem bereits seit 2007, aber offenbar ausschliesslich auf US-Boden.

Ähnliche Geräte sind in der Schweiz im Einsatz

Datenschützer kritisieren, dass das System nicht nur gezielt nach einem Verdächtigen suche, sondern alle Handynutzer desselben Anbieters in der Nähe ebenfalls identifiziere. Ein Vertreter der Bürgerrechtsgruppe ACLU bezeichnete die Methode als eine unentschuldbare Art der Schleppnetzfahndung. Was mit den Daten der Unbeteiligten geschehe, sei ungeklärt. Deren Zahl könne je nach Siedlungsdichte im überflogenen Gebiet leicht in die Zehntausende gehen.

Auch Schweizer Behörden sind im Besitz von IMSI-Catchern. Gemäss Medienberichten verfügen mindestens die Bundespolizei (Fedpol) und die Zürcher Kantonspolizei über solche Geräte. Wie und wann diese zum Einsatz kommen, ist bislang nicht bekannt. Für Handybesitzer ist es nicht möglich, sich vor der Ausspähung durch einen IMSI-Catcher zu schützen. Sobald ein Mobiltelefon eingeschaltet ist, kann es von einem nahen IMSI-Catcher identifiziert werden.

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