Daten mitnehmen – so gehts

Neue Daten-Regeln in der EU bringen Nutzern Vorteile. Wir zeigen im Video einen davon, einen wichtigen – an den Beispielen von Apple und Google.

Daten sollen «portabel» werden – doch da gibt es noch Hindernisse.
Matthias Schüssler@MrClicko

Die EU regelt den Datenschutz neu, und das betrifft auch die Schweiz. Unter dem etwas sperrigen Begriff Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) treten ab dem 25. Mai Regeln in Kraft, die persönliche Daten besser schützen sollen. Das macht vielen Firmen, Websites-Betreibern und selbst Bloggern Kopfschmerzen. Sie müssen zum Beispiel Datenschutzerklärungen überarbeiten oder überhaupt erst erstellen und Nutzern Auskunft zu den gespeicherten Daten erteilen können.

Für die Nutzer ihrerseits bringt die Verordnung konkrete und wertvolle Verbesserungen beim Umgang mit unseren Daten. Die DSGVO sieht beispielsweise eine Datenübertragbarkeit vor: Wir Nutzer haben das Recht, die bei einem Dienst im Internet hinterlegten Informationen zu beziehen.

Absage an Datengefängnisse

Wenn unsere Daten «portabel» sind, haben wir die Möglichkeit, diese Daten selbst zu speichern oder auch zu einem anderen Dienst zu übertragen und dort weiterzuverwenden. Das ist eine klare Absage an die Lock-in-Strategie, mit der Nutzer bei der Stange gehalten werden sollen, indem sie bei einem Wechsel zu einem anderen Dienst auf ihre persönlichen Daten gänzlich oder teilweise verzichten müssten.

Wie diese Datenübertragbarkeit in der Praxis aussehen könnte, zeigt Apple sehr schön auf. Der Softwarekonzern ist bestrebt, die neuen Regelungen vorbildlich umzusetzen – nicht zuletzt, weil er sich als Vorreiter in Sachen Datenschutz sieht, der den Schutz digitaler Daten schon seit Jahren pflegt.

Apple als Vorreiter

Apple hat am Mittwoch unter privacy.apple.com ein neues Portal zur Verwaltung der persönlichen Daten aufgeschaltet. Dort kann man die bei Apple gespeicherten Daten herunterladen. Es ist möglich, den Apple-Account zu deaktivieren oder zu löschen. Das macht es möglich, die Verbindung zu Apple gänzlich zu kappen, ohne dass dadurch Daten verloren gehen würden.

Apples neues Datenportal erlaubt nicht nur den Download persönlicher Daten, sondern auch das Löschen und Deaktivieren des Accounts.

Wenn man dem Konzern weiterhin die Treue halten will, erlaubt es das neue Portal, einzelne Daten zu einem anderen Anbieter zu verlagern oder Sicherheitskopien der gespeicherten Informationen anzulegen, über die man selbst verfügt – und niemand sonst.

Das Video führt vor, wie das im Einzelnen funktioniert: Apple bietet in einer Liste die verschiedenen Datenbestände – Lesezeichen, Kalender, Erinnerungen, Notizen, Kontakte, Kundendaten bei den diversen Stores, Mails, Fotos und iCloud-Dokumente und einiges mehr – an. Über Checkboxen wählt man aus, was man herunterladen möchte. Da die Datenarchive recht gross ausfallen können, lassen sie sich zum einfacheren Umgang in einzelne Häppchen mit einer vorgegebenen Maximalgrösse aufteilen.

Es dauert, bis die Daten parat sind

Ist die Auswahl komplett, wird die Anfrage losgeschickt. Dann ist Warten angesagt: Die Bearbeitung dauert ihre Zeit, in der Regel eine Woche. Apple sagt, die Zeit würde genutzt, um sicherzustellen, dass auch tatsächlich der rechtmässige Besitzer die Archivierung angestossen habe. Wie genau das geschieht, wird allerdings nicht näher erläutert.

Die gesammelten Daten werden als komprimiertes Archiv heruntergeladen. Was man mit ihnen tun kann, hängt nun von der Art der Daten ab. Für viele Zwecke gibt es ein Standardformat, das am Computer geöffnet und bearbeitet und bei einem anderen Dienst hochgeladen werden kann. Apple verwendet beispielsweise Standardformate für Mail, Kontakte, Kalender und Lesezeichen.

Einmal alle Daten zum Mitnehmen – hier mit Google Takeout.

Für einige Inhalte gibt es allerdings kein Standardformat. Das können Kunden-, Nutzungs- und Aktivitätsdaten sein, beispielsweise ein Standortverlauf. Solche Informationen werden typischerweise in einer Form abgelegt, wie sie von Datenbankprogrammen verwendet werden. Solche Dateien haben die Endung Json, CSV oder XML. Sie können nicht einfach so weiterverwendet werden, weil andere Dienste und Programme die Datenstruktur nicht interpretieren können. Solche Daten kann man selbst archivieren, aber wer kein Programmierer ist, kann sie kaum selbst verwenden oder bearbeiten.

Beim Importieren hapert es

Das zeigt ein Manko der Datenübertragbarkeit: Apple und die anderen Internetkonzerne mit einer Downloadmöglichkeit für unsere Daten haben bislang keine Importfunktion. Es ist somit nicht möglich, die Daten genauso leicht bei einem neuen Dienst zu platzieren, wenn man einen Wechsel vollziehen möchte. Je nach Art der Daten gelingt die Übernahme auf Umwegen. Aber in vielen Fällen hat man keine Chance: Mit seinem Spotify-Hörerprofil und allen Wiedergabelisten nach Apple Music umzuziehen, ist nicht möglich – und umgekehrt klappt es genauso wenig.

Trotzdem ist ein erster Schritt in die richtige Richtung getan. Und wenn wir Nutzer unser neues Recht auf Datenübertragbarkeit auch einfordern, ist es nur eine Frage der Zeit, bis neue Standardformate entstehen und die Softwarekonzerne auch die notwendigen Importmöglichkeiten für unsere Daten anbieten.

Vergleichbare Exportmöglichkeiten gibt es übrigens auch bei Google, Twitter und Facebook. Die Anleitung dazu finden Sie im Beitrag Eine Sicherheitskopie der Cloud.

DerBund.ch/Newsnet

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