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Wie Google uns durchschaut

Wir Laborratten im Netz: Wenn Sie das gelesen haben, werden Sie sich im Web nie wieder unbeobachtet fühlen.

Die verzerrten Captcha-Buchstaben waren hier Inspiration für ein Gemälde.
Die verzerrten Captcha-Buchstaben waren hier Inspiration für ein Gemälde.
Becky Stern/Flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Captchas, das sind diese lästigen Eingabefelder, in die man als Internetnutzer einen schwer leserlichen Text abtippen muss. Erfunden wurden sie im Jahr 2000, um Bots zu stoppen – also automatisierte Programme, die sich im Netz wie Menschen gebärden: Sie eröffnen Mailkonten, mit denen sie hinterher Spam versenden. Sie schreiben Werbung in die Kommentarspalten von Blogs. Sie klicken auf Werbebanner, um Webseitenbetreibern ungerechtfertigte Einnahmen zu bescheren. Und so weiter.

Nun hat Google dieses Problem gelöst. Die neue Methode sei «umgänglich mit den Menschen, aber gnadenlos mit den Bots», lobt Google sein Recaptcha: Der Benutzer braucht gar nichts mehr zu tun, um sich als Mensch auszuweisen. Das System erkennt Menschen an ihren Verhaltensweisen, wenn sie sich auf einer Website aufhalten.

Das klingt nach einer wirklich guten Neuigkeit: Endlich sind Websites vor Bots geschützt, ohne man uns Internetnutzer deswegen mit diesen verzerrten Texten und komischen Bilderrätseln belästigen müsste.

So durchschaubar

Doch das ist keine gute Neuigkeit, im Gegenteil. Es lässt erahnen, wie sehr wir als Netznutzer inzwischen durchschaubar sind. Alles ist analysier- und auswertbar: Wie und wo wir klicken, wie schnell wir uns auf Websites bewegen, ob wir vorsichtig oder forsch nach über die Seite scrollen und was wir beim Lesen von Text mit dem Mauszeiger anstellen. (Ihn zum Beispiel über die Textstelle bewegen, die wir uns gerade zu Gemüte führen.)

Die Website Clickclickclick.click macht sich daraus einen Spass: Es gibt hier nur einen grünen Knopf, auf dem «Button» (Knopf) steht. Wenn man sich als Nutzer daran macht, diese Seite zu erkunden, kommentiert eine Stimme nonstop im Hintergrund, als ob man die Ratte in einem Laborversuch wäre: «Die Doppelklickgeschwindigkeit des Subjekts ist durchschnittlich.» «Das Subjekt ist auf die Idee gekommen, den Knopf mit der Maus zu bewegen.» «Das Subjekt hat das Fenster in der Grösse verändert.» Und so weiter.

Dieses Experiment hat eine nachhaltige Wirkung. Wer sich ihm einmal ausgesetzt hat, wird sich im Web nie wieder unbeobachtet fühlen. Und das ist auch richtig so: Denn natürlich arbeiten die Computerkonzerne bereits daran, uns an unseren Maus- und Tippgewohnheiten zu identifizieren. Und wenn das gelingt, ist es endgültig vorbei mit der Anonymität im Netz.

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