So erkennen Sie Apps, die den Download wert sind

Wir verraten unsere Tricks, wie Sie Apps entlarven, die Ihnen Geld aus der Tasche ziehen wollen.

Wenn App-Entwickler nicht sagen, was für Absichten sie mit Nutzerdaten haben, dann heisst es: Hände weg!
Video: Matthias Schüssler

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Gute Apps sind im Job eine Hilfe oder bereichern die Freizeit – und in jedem Fall werten sie das Smartphone, Tablet und den Computer auf. Schlechte Apps kosten Nerven und Zeit. Und unter Umständen auch persönliche Daten und Geld. Darum ist es wichtig, eine Beurteilung vorzunehmen: Ist eine App vertrauenswürdig – oder lässt man besser die Finger davon?

Im Video erklären wir, wie Sie noch vor dem Download eine Prüfung vornehmen. Folgende Schritte sind empfehlenswert:

Prüfen Sie Beschreibung und Bewertungen

Es ist umstritten, wie nützlich die Sternchen-Angaben in den Stores sind. Viele der Apps versuchen mit mehr oder weniger sauberen Tricks, positive Bewertungen einzuheimsen. Apple verbietet das in den Entwicklerrichtlinien, dennoch wird es praktiziert.

Die Wertungen in den App Stores können hilfreich sein – wenn man sie zu interpretieren weiss.

Darum gilt: Die sehr positiven und sehr negativen Bewertungen (fünf Sterne versus einen Stern) sagen nicht so viel aus wie ein solides Mittelfeld: Wenn eine App von einer soliden Nutzerbasis als brauchbar taxiert wird und die Beschreibung des Herstellers in einigermassen nüchternem Tonfall (und in verständlichem Deutsch) daherkommt, dann ist das ein erster, guter Schritt zur Vertrauensbildung.

Statten Sie der Herstellerwebsite einen Besuch ab

Sowohl Apple als auch Google geben in ihren Stores die Website des App-Herstellers an. Es lohnt sich, dieser einen Besuch abzustatten: Gibt der Hersteller einen Firmensitz an? Gibt es eine Kontaktadresse und die Möglichkeit, Fragen oder Supportbegehren zu stellen oder Hilfeseiten zu konsultieren? Wenn Sie bloss eine anonyme E-Mail-Adresse bei G-Mail oder Yahoo vorfinden, dann sollten Sie auf alle Fälle Vorsicht walten lassen.

Auch eine simple Google-Suche nach der App kann erhellend sein: Vielleicht wurde die App in Blogs besprochen. Eventuell gibt es einen Beitrag auf Wikipedia – oder vielleicht auch Medienberichte über Sicherheitsbedenken oder juristische Querelen. Wenn eine App grossartige Versprechungen macht, aber im Netz kaum Spuren hinterlassen hat, dann ist Misstrauen angesagt.

Was verrät die Datenschutzrichtlinie?

Hersteller sollten erklären, welche Nutzerdaten sie erheben und was sie damit tun. Falls diese Information fehlt, ist das ein grosses Warnsignal. Umgekehrt hilft es, wenn man Ihnen in klaren Worten – und möglichst auch in Deutsch – sagt, was mit Ihren Informationen geschieht.

Das ist natürlich keine Garantie, dass sich der Hersteller an seine Vorgaben hält und die gebotene Sorgfalt walten lässt. Und auch in schön formulierten Datenschutzerklärungen lassen sich juristisch verklausulierte Fussangeln unterbringen. Dennoch bekommt man wahrscheinlich einen Eindruck davon, ob der Umgang mit den Nutzerdaten sinnvoll und verhältnismässig ist.

Übrigens: ZAP (Zscaler.com) ist ein Dienst, der die Datentransfers von vielen Apps analysiert hat und eine Datenbank bereitstellt, die darüber Auskunft gibt, wenn Datenlecks entdeckt worden sind.

Würdigen Sie Berechtigungen kritisch

Die Berechtigungen regeln, welche Ressourcen Apps auf dem Gerät nutzen dürfen und ob sie auf Kamera, Fotos und Mikrofon, Kontakte und Termine, Ortungsdienste und Gesundheitsdaten zugreifen dürfen. Entsprechende Zugangsbeschränkungen gibt es bei Android, beim iPhone und iPad und auch bei Programmen aus dem Windows Store. Wenn eine App unverhältnismässig viele Zugriffsrechte anfordert, dann ist das ein deutliches Warnsignal. Es kann zwar sein, dass eine App durchaus gute Gründe hat, weitgehende Berechtigungen anzufordern – aber dann muss sie das nachvollziehbar begründen.

Wieso will die Dating-App wissen, welche anderen Apps laufen? Diese Berechtigungsanforderung macht stutzig.

Android-Apps müssen die Berechtigungen schon im Google Play Store ausweisen. Beim iPhone und iPad erfährt man erst nach der Installation, welche Anforderungen die App stellt. Sie können diese aber verweigern und die App auch wieder löschen, wenn Ihnen die Sache nicht geheuer ist. Und es ist möglich, Berechtigungen nachträglich in den Einstellungen bei der entsprechenden App bzw. unter «Datenschutz» zu entziehen.

Nehmen Sie das Geschäftsmodell in Augenschein

Abgesehen von Hobby-Programmierern wollen die allermeisten Softwareentwickler Geld verdienen – auch diejenigen, die ihre Produkte gratis anbieten. Es sollte für uns Nutzer nachvollziehbar sein, wie der Hersteller Einnahmen erzielen will: Gibt es Werbung in der App oder ein Freemium-Modell? Letzteres bedeutet, dass nur die Basis-Funktionen kostenlos sind, für Extraleistungen aber Geld zu berappen ist: In diesem Fall bietet der Hersteller wahrscheinlich In-App-Käufe oder Abos an, die in den Stores ersichtlich sind.

Es ist auch möglich, dass sich die App über Werbung finanziert – oder dass ein Start-up gerade Risikokapital verbrennt oder darauf spekuliert, von einem Grossen der Branche übernommen zu werden. In dem Fall kann es sein, dass man eine App kostenlos erhält, die eigentlich ein paar Dollar kosten müsste. In dem Fall finden Sie per Google heraus, was dahintersteckt – oder bei einer Start-up-Datenbank wie Crunchbase.com.

Sind Sie mit einer Alternative besser bedient?

Die Website Alternativeto.net (hier ausführlich vorgestellt) sammelt zu Apps, Windows-, Mac- und Linux-Programmen sowie Webdiensten unabhängig von den Stores Nutzerbewertungen, Kommentare und vor allem Alternativen. Diese Website ist eine gute Möglichkeit, herauszufinden, ob es ähnliche Produkte gibt, die einen besseren Ruf, einen grösseren Funktionsumfang oder eventuell eine passendere Lizenz haben: Die Alternativeto ist insbesondere eine gute Möglichkeit, zu kommerziellen Produkten Ausweichmöglichkeiten aus dem Bereich der freien und offenen Software (Open-Source) zu finden.

Drei Zusatztipps zum Video und ein Fazit

Was die Vertrauenswürdigkeit von Apps angeht, bleibt ein Restrisiko: Selbst mit einer sorgfältigen Prüfung kann es passieren, dass eine App nicht so vertrauenswürdig ist wie gedacht. Hier wird ein Fall geschildert, wo diverse deutsche Fachmedien eine App getestet und für gut befunden haben. Erst eine Untersuchung der Aktivitäten im Hintergrund brachte an den Tag, dass das vermeintlich nützliche Hilfsprogramm unerlaubterweise auf Porno-Sites zugreift und versucht, Downloads zu tätigen.

Und selbst seriöse Programme können von Dritten unterwandert und zu unerwünschten Zwecken missbraucht werden. Darum lohnt es sich, sich vor jeder Installation die Frage zu stellen, ob man nicht auch auf die Software verzichten kann. Schliesslich denken Sie daran, dass Sie Fehlkäufe auch reklamieren können: Wir erklären hier, wie das geht. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.05.2018, 09:14 Uhr

Tipps und Tricks in Videoform

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In der Videoreihe «Digitale Patentrezepte» gibt Matthias Schüssler exklusiv für DerBund.ch/Newsnet einmal pro Woche praxiserprobte Hilfestellung zur souveränen Bewältigung des digitalen Alltags.

Falls Sie ein Anliegen haben, das sich für die Behandlung in unserer neuen Rubrik eignen würde, dann unterbreiten Sie uns das bitte über die Kommentarfunktion oder schreiben Sie an matthias.schuessler@tages-anzeiger.ch.

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