So baut Apple den App Store um

Mit Abos für Apps will Apple neuen Schwung ins App-Geschäft bringen. Das bedeutet die Idee für Nutzer und App-Macher.

Regelmässig zahlen: Apple will seinen Kunden App-Abos schmackhaft machen.

Regelmässig zahlen: Apple will seinen Kunden App-Abos schmackhaft machen.

(Bild: Keystone Christian Beutler)

Jan Rothenberger@janro

An seiner WWDC-Konferenz kommende Woche wird Apple vor allem neue Software zeigen, den geplanten Umbau seines App Stores hat das Unternehmen aber schon vorab publik gemacht. Um diesen für die App-Macher attraktiv zu halten, führt Apple Abomodelle ein. App-Entwickler können, statt eines Einmalkaufs, neu regelmässige Zahlungen für die Nutzung einer App verlangen.

Apps machen mit 52 Prozent den Löwenanteil der Zeit aus, die Nutzer mit digitalen Medien verbringen. Für App-Macher ist es dennoch ein hartes Geschäft, neue Apps an die Kunden zu bringen, und eines, das immer schwieriger wird. Das zeigen neue Zahlen. So laden zwei Drittel der Smartphone-Nutzer in einem typischen Monat keine einzige neue Apps auf ihr Gerät. Die meisten Nutzer verbringen den Grossteil ihrer Zeit in einer einzigen «Lieblings-App», wie eine Studie aus den USA belegt.

Apple verdiente 2015 mit seinem App Store rund 20 Milliarden Dollar. Damit das Geschäft läuft, ist der Konzern auf die App-Macher angewiesen, die den Markt mit attraktiver Software befüllen. Denn vom Erlös bei App-Käufen gehen 30 Prozent an Apple. Apple reagiert auf das Problem, dass Updates oder Verbesserungen von Apps für Entwickler nur begrenzt lukrativ sind. Der Schritt zielt darauf, die App-Macher bei der Stange zu halten.

Updates nicht mehr gratis

Apple realisiert damit, was für Firmen wie Microsoft oder Adobe bereits Standard ist – Software im Abo. Das Geschäft mit Office-Paketen oder Software wie Photoshop läuft zunehmend über monatliche oder jährliche Gebühren, nicht mehr über den Kauf einer neuen Version alle paar Jahre. Für die App-Macher ist Apples Schritt wichtig und überfällig. Sie erhalten einen Anreiz, ihre Produkte weiterzuentwickeln, und Updates werden auf diesem Weg rentabler. Auch bleibt mehr vom Gewinn für die Programmierer, die via Store ihre Apps anbieten. Nach dem ersten Jahr bleiben 85 Prozent der Zahlungen bei den Machern statt 70 wie bisher üblich. Damit senkt das Unternehmen das, was Kritiker in der Vergangenheit als «Apple-Steuer» bezeichnet haben, darunter der Musikstreamingdienst Spotify.

Als zusätzliches Zückerchen für Entwickler sollen diese die Apps künftig schneller in den Store bringen können. Apple verspricht, künftig die Prüfung neuer Apps zu beschleunigen.

Versteckte Preiserhöhungen?

Was die Änderung für die Nutzer bedeutet, muss sich zeigen. Positiv ist, dass es attraktiver wird, Apps auf dem neusten Stand zu halten und sie regelmässig mit neuen Funktionen zu verbessern. Ausserdem sinkt das Risiko: Nutzer bezahlen so lange, wie sie eine App nutzen. Eine teure App zu kaufen und nach einer Woche festzustellen, dass sie nichts taugt – Abomodelle lösen dieses Problem. Ausserdem entschärfen sie das Phänomen des «Lock-in»: Bisher muss ein Nutzer, der von iOS auf Android wechselt, seine bisherigen Bezahl-Apps nochmals kaufen. Neu müsste er bloss seine Abos verschieben.

Zwar besteht die Gefahr versteckter Preiserhöhungen. App-Entwickler können die Gelegenheit nutzen, um mit laufenden Abos ihre Apps zu verteuern. Allerdings dürfte die starke Konkurrenz auf dem App-Markt dafür sorgen, dass die Anbieter nicht riskieren wollen, mit zu hohen Gebühren Nutzer zu vertreiben. Für Apple-Manager Phil Schiller liegt es in der Verantwortung der Entwickler, Nutzer bei der Stange zu halten und sie vom Preis-Leistungs-Verhältnis einer App zu überzeugen, wie er zu «The Verge» sagte.

Trotzdem sind neu die Nutzer gefordert: Sie müssen künftig selbst den Überblick über ihre Abos behalten: Wofür zahle ich, was nutze ich wirklich – und reagieren. Sonst sorgen eventuell vergessene Abos für unnötige Kosten.

DerBund.ch/Newsnet

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