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Lässt Samsung Kinderarbeit zu?

Der südkoreanische Elektronikhersteller soll nach Angaben einer Nichtregierungsorganisation unter 16 Jahre alte Schüler beschäftigen. Dies berichtet der «Spiegel». Samsung hat inzwischen reagiert.

Wurden diese Geräte von Minderjährigen hergestellt? Samsung-Smartphone Galaxy Nexus.
Wurden diese Geräte von Minderjährigen hergestellt? Samsung-Smartphone Galaxy Nexus.
AFP

Der südkoreanische Elektronikhersteller Samsung soll nach Angaben einer Nichtregierungsorganisation Kinderarbeit zulassen. In drei von sechs untersuchten Fabriken in China sei Kinderarbeit weitverbreitet, berichtete das Nachrichtenmagazin «Spiegel» am Sonntag vorab unter Berufung auf einen Bericht der Organisation China Labor Watch mit Sitz in New York. Der Bericht soll Mitte der Woche veröffentlicht werden.

Wie das Magazin berichtete, werden die teils unter 16 Jahre alten Schüler der Organisation zufolge von den Lehrern zur Fabrikarbeit gezwungen, weil sie sonst keine Abschlusszeugnisse erhielten. Die Verträge würden dabei direkt zwischen Schule und Fabrikbetreibern ausgehandelt, die Schulen würden im Gegenzug bezahlt, heisst es demnach in dem Bericht der Organisation.

Samsung will die Situation analysieren

Die Aktivisten prangern laut «Spiegel» zudem etliche weitere Missstände in den sechs firmeneigenen Samsung-Fabriken an, darunter «gefährliche Arbeitsbedingungen», «ungültige Arbeitsverträge» und viel zu hohe Überstundenzahlen. Samsung erklärte gegenüber dem Magazin, das Unternehmen messe sich «an den höchsten Standards bei den Arbeitsbedingungen». Der Konzern habe Kenntnis von dem Bericht von China Labor Watch und analysiere die Situation «vollständig».

Erst vor wenigen Tagen kritisierte die südkoreanische Organisation Sharps (Supporters for the Health and Right of People in Semiconductor Industry) Samsung heftig. Mangelnder Arbeitsschutz hätte dazu geführt, dass rund 150 ehemalige Samsung-Mitarbeiter meist in jungen Jahren schwer erkrankt seien, zum Beispiel an Leukämie oder Lymphkrebs.

56 Menschen seien gestorben, weil sie bei ihrer Arbeit in Samsung-Fabriken krebserregenden Chemikalien ausgesetzt gewesen seien. Gemäss Sharps hatten die Betroffenen in der Halbleiterproduktion oder in der Herstellung von LCD-Modulen gearbeitet (Redaktion Tamedia berichtete).

Update von 19.30 Uhr: Nach Berichten über Missstände in chinesischen Zulieferbetrieben nimmt Samsung 250 Fabriken in der Volksrepublik unter die Lupe. Sollte Samsung dabei Verstösse gegen die hauseigenen Vorschriften feststellen und sollten diese nicht behoben werden, würden die Verträge mit den Zulieferern gekündigt, erklärte Samsung am Montag.

Das Unternehmen wies Vorwürfe der in New York ansässigen Nichtregierungsorganisation China Labor Watch zurück, dass in der Handy- und DVD-Spieler-Fabrik HEG Electronics in Südchina auch Kinder arbeiteten. Dies sei nicht der Fall. Allerdings seien mehrere Fälle unzulässiger Überstunden sowie mangelnder Sicherheitsvorkehrungen festgestellt worden.

Was Samsung unternimmt

HEG müsse umgehend die Arbeitsbedingungen verbessern und sich strikt an das absolute Verbot der Kinderarbeit halten, sonst drohe das sofortige Vertragsende, betonte Samsung.

Das Unternehmen kündigte an, seine insgesamt 105 Exklusiv- Zulieferer direkt zu inspizieren. Bis Ende des Jahres sollten zudem 144 Unternehmen, die sowohl an Samsung und als auch an andere Hersteller liefern, überprüft werden.

Die Arbeitsbedingungen in China waren zuerst mit Blick auf den Samsung-Rivalen Apple in die Schlagzeilen geraten, dessen Hauptzulieferer Foxconn vielfache Verstösse gegen das Arbeitsrecht vorgeworfen worden waren.

Apple und Foxconn hatten sich schliesslich darauf verständigt, die Missstände auszuräumen. Über die Vorwürfe von China Labor Watch gegen Samsung hatte in Deutschland auch der «Spiegel» berichtet.

afp/sda/rek/vin

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