Jetzt kommt das Android für Toaster und Kühlschränke

Google legt vor im Wettlauf um das Internet der Dinge. Wo der Konzern damit hinwill.

Soll Heizsysteme intelligent machen: Smarthome-Thermostat von Google Nest.

Soll Heizsysteme intelligent machen: Smarthome-Thermostat von Google Nest.

(Bild: Nest Labs (pd))

Jan Rothenberger@janro

Mit dem «Internet der Dinge» (IoT) soll unsere Umgebung intelligent werden: Technikeuphoriker schwärmen schon länger vom Versprechen von IoT: Alltagsgeräte und Haustechnik zu vernetzen und automatisch steuerbar zu machen. Neuen Schub erhält diese Zukunftsvision von der Ankündigung Googles, mit Brillo eine Androidversion für alle Arten von Geräten zu veröffentlichen: Ein Mini-Betriebssystem, das sich in Geräte von der Deckenlampe bis zum Kühlschrank einbauen lässt.

Anders als das bereits verbreitete Android als mobiles Betriebssystem soll das System mit dem Projektnamen Brillo sparsam mit Ressourcen umgehen. Für den Betrieb sollen gemäss The Informationschon 32 MB Arbeitsspeicher ausreichen. Zum Vergleich: Android für Smartphones und Tablets verlangt in der aktuellen Version 512 MB und mehr.

Mehr Daten für zielgenauere Werbung

Diese abgespeckten Anforderungen passen zum Vorhaben, intelligente Technik auch in kleine Geräte zu integrieren. Bereits jetzt sind etwa per App steuerbare LED-Lampen oder Kühlschränke mit Onlinezugang erhältlich. Mit einem gemeinsamen Betriebssystem liessen sich solche Geräte einfacher von einer einzelnen Bedienoberfläche aus steuern.

Nach einem ersten, mittlerweile eingestellten Versuch mit Android@Home 2011 ist es der zweite Anlauf für Google. Für das Unternehmen wäre es doppelt attraktiv, ein führendes Betriebssystem im Smarthome-Bereich zu lancieren. Zum einen hat Google mit Nest Labs bereits 2013 den Marktführer im Feld der Thermostate und anderer Heimanwendungen für über drei Milliarden Dollar übernommen. Gleichzeitig bieten vernetzte Geräte dem Suchmaschinenkonzern Aussicht auf mehr Nutzerdaten, die die bestehenden Profile für Werbezwecke ergänzen würden – bekanntlich seine Haupteinnahmequelle.

Risiko für Kunden

Das US-Unternehmen zielt allerdings nicht allein auf den Smarthome-Markt. Apple werkelt mit Homekit an einer eigenen Plattform, während Samsung und Huawei ebenfalls eigene Hard- und Software angekündigt haben. Mit Lite OS hat Huawei Pläne für einen direkten Konkurrenten zu Brillo. Die Chiphersteller Intel und Qualcomm und die Schweizer Hardwarefirma Logitech haben ebenfalls Ambitionen für Smarthome-Plattformen.

Für App- und Hardwarehersteller ist der Markt entsprechend unübersichtlich, bislang ist es keinem Unternehmen gelungen, sich als Platzhirsch zu etablieren. Für Early Adopters bedeutet das zwar mehr Auswahl, aber gleichzeitig auch das Risiko, auf Produkte zu setzen, die wieder vom Markt verschwinden. So wie es beispielsweise den Käufern erging, die auf die mittlerweile vergessene HD-DVD setzten statt auf Blu-ray.

DerBund.ch/Newsnet

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