Hat Windows 8 schon ausgekachelt?

Schon über 100 Millionen Mal hat Microsoft das Betriebssystem verkauft. Trotzdem sprechen Analysten von einem Produktflop: Die Software wird für den stärksten Einbruch im PC-Markt verantwortlich gemacht.

Viele User vermissen den «Start»-Knopf: Ein Acer Iconia W510 mit Windows 8.

Viele User vermissen den «Start»-Knopf: Ein Acer Iconia W510 mit Windows 8.

(Bild: Keystone)

Bereits 100 Millionen Lizenzen fürs Betriebssystem Windows 8 hat Microsoft verkauft. Dies meldete der Konzern aus Redmond – und gab gleichzeitig Mängel am System zu. So kündigte der IT-Konzern bis Ende Jahr ein grosses Windows-Update unter dem Arbeitsnamen Windows Blue an. Windows 8 gilt unter Beobachtern als Flop: So vergleicht die «Financial Times» in ihrer heutigen Ausgabe das Betriebssystem mit dem Desaster, das Coca-Cola 1985 mit dem Produkt «New Coke» erfuhr.

Die Neuentwicklung wurde nach nur drei Monaten wieder vom Markt genommen. Auch Microsoft reagiert auf die Kritik. So wolle man im Update auch Kundenwünsche berücksichtigen. Microsoft-Managerin Tami Reller ging aber nicht direkt auf Medienberichte ein, wonach die nächste Version den «Start»-Knopf zurückbekommen könnte, den viele Nutzer vermissen. Sie sagte lediglich, dass das Update Schlüsselpakete der Software verändere. Gleichzeitig gestand sie ein, dass viele Windows-8-Nutzer tatsächlich Probleme mit der Bedienung haben.

Ein Tanz auf zu vielen Hochzeiten?

Mit dem im Herbst 2012 lancierten Windows 8 wollte Microsoft ein Betriebssystem schaffen, dass gleichermassen auf klassischen PC wie Notebooks und Desktop-Rechnern, aber auch auf Tablet-Computern und Kombigeräten laufen kann. Deshalb wurde die Bedienung radikal verändert und stärker auf Touchscreen-Nutzung angepasst.

Dafür gab es einige Kritik von PC-Nutzern und Experten. Die Marktforscher von IDC erklärten sogar, die Unzufriedenheit mit Windows 8 sei einer der Gründe für den bisher stärksten Einbruch des PC-Marktes. Der Absatz der Notebooks und Desktops war im ersten Quartal um fast 14 Prozent gefallen.

Verlangsamtes Verkaufstempo

Tatsächlich kommt es gerade auf Desktop-Computern zu einem Bruch bei der Bedienung. Das auf Touchscreen-Bedienung ausgelegte Kacheldesign macht an einem PC weniger Sinn und ist umständlich zu bedienen. Und der Nutzer hat keine Möglichkeit, die vertraute Desktop-Oberfläche als Standard zu definieren.

Mit 100 Millionen Lizenzen nach einem guten halben Jahr liegt Windows 8 in etwa auf Augenhöhe mit der Vorgängerversion. Allerdings hat sich das Tempo zuletzt verlangsamt: Die Marke von 60 Millionen hatte Microsoft bereits im Januar bekannt gegeben. Zweifel wurden indes laut, ob diese Zahlen tatsächlich stimmen. So ist dem Analysten Bob O'Donnell von der Firma IDC ein Rätsel, woher die 100 Millionen Lizenzen kommen sollen. «Ich weiss nicht, was diese Zahl genau bedeuten soll», sagte O'Donnell gegenüber der Agentur Bloomberg.

ah/ssc/sda

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