Google-Zürich baut aus

Die Suchmaschine will ihre Apps von Zürich aus klüger machen. Zusätzliche Ressourcen werden an die Limmat verschoben.

Neuzugang für die Zürcher Googler: KI-Forscher sollen künftig von hier aus arbeiten.

Neuzugang für die Zürcher Googler: KI-Forscher sollen künftig von hier aus arbeiten.

(Bild: Keystone Virginia Mayo)

Jan Rothenberger@janro

Wie das Unternehmen mitteilt, entsteht hier eine Forschungsgruppe für maschinelles Lernen. Google, das Ausbaupläne für den Zürcher Standort hegt, beschäftigt hier bereits rund 1800 Menschen und wird künftig an der Europaallee nahe des Hauptbahnhofs Büros beziehen.

Den Ausschlag für einen Zürcher Standort der KI-Tüftler habe gegeben, dass man sich hier in der Nähe «der weltbesten technischen Universitäten» befinde, so Engineering-Chef Emmanuel Mogenet. Googles Zürcher Standort ist bereits das grösste ausländische Forschungs- und Entwicklungszentrum. Unter anderem in Zürich angesiedelt sind Teams, die sich um Dienste wie Gmail, Google Maps oder Youtube kümmern.

Von da Vinci zu E-Mails

Künstliche Intelligenz (KI) und lernfähige Software kommen bereits bei einer Reihe von Google-Produkten zum Einsatz. So etwa bei den Informationen, die Google bei einer Suche rechts der klassischen Resultate anzeigt. Wer beispielsweise nach Leonardo da Vinci sucht, erhält hier dessen Werke, wie die Mona Lisa oder das letzte Abendmahl, vorgeschlagen.

Auch automatische Antworten auf E-Mails, wie sie die App Inbox englischsprachigen Nutzern vorschlägt, basieren auf KI-Technologie. Google investiert derzeit darin, bei der Computer-Spracherkennung zuzulegen. Zu diesem Zweck arbeite die neue Gruppe mit einem Team von Sprachwissenschaftlern zusammen, so Mogenet. Sprachlernsoftware soll auch in Googles frisch vorgestellter Nachrichten-App Allo zum Einsatz kommen, die für den Sommer angekündigt ist.

Das Hirn nachbauen

Unter maschinellem Lernen oder künstlicher Intelligenz versteht man allgemein, dass Software selbstständig Muster erkennt oder aus Inputs Regeln ableitet – vergleichbar mit einem Gehirn. Eine Anwendung besteht etwa darin, dass Computer den Inhalt eines Bilds beschreiben lernen. Der Boom für maschinelles Lernen hängt eng mit dem rasanten Wachstum der weltweiten Datenmengen zusammen.

Der Ausbauschritt passt zum Auftritt von Google-Chef Sundar Pichai an der IO-Konferenz im Mai. Pichai rühmte maschinelles Lernen als zentrale Stärke von Google. Ausserdem liess er eine Technologiebombe platzen: Google baue auf künstliche Intelligenz spezialisierte Rechenzentren, die mit eigens entwickelten Prozessoreinheiten arbeiten. Diese KI-Prozessoren, sogenannte TPUs, rechnen Lernaufgaben schneller als herkömmliche Hardware. Sie kamen laut Pichai auch bei Alpha-Go zum Einsatz, der Software die Go-Meister Lee Sedol im März im Brettspiel Go schlug.

Facebook macht Druck

Für den Google-Chef sind Googles KI-Efforts strategisch wichtig, wie er in der letzten Zeit wiederholt sagte: «Mit der Zeit werden Computer, wie auch immer gestaltet, zu intelligenten Assistenten, die einem durch den Tag helfen.» Das Thema künstliche Intelligenz würde mobilen Geräten – derzeit der Fokus der meisten Tech-Unternehmen – den Rang ablaufen.

Das Unternehmen befindet sich in einem Wettlauf um die beste Technologie mit anderen Techriesen. Insbesondere Microsoft und Facebook investieren derzeit ebenfalls in künstliche Intelligenz. Aber auch Unternehmen wie IBM, Uber oder Baidu machen Druck. Facebook baut wie Google bereits Rechner für den Eigengebrauch, die auf maschinelles Lernen spezialisiert sind.

DerBund.ch/Newsnet

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