Für die Kleinen nur das Beste

App-Entwickler wollen sich das lukrative Geschäftsfeld mit frischgebackenen Eltern nicht entgehen lassen.

Mehr als Ablenkung: Mit den richtigen Apps macht das Handy das Elternsein ein wenig einfacher. Foto: Sally Anscombe (Getty Images)

Mehr als Ablenkung: Mit den richtigen Apps macht das Handy das Elternsein ein wenig einfacher. Foto: Sally Anscombe (Getty Images)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Leben ist man auf kaum etwas schlechter vorbereitet als auf die Geburt des ersten Kindes. Kein Wunder, könnte man mit der gesammelten Ratgeberliteratur ganze Bibliotheken füllen. Gute Tipps werden einem auch im Alltag ständig angeboten und aufgedrängt. Allerhand Gerätschaften versprechen, jedes noch so kleine Problem zu lösen. Da Unsicherheit Portemonnaies öffnet, ist um das Kinderkriegen ein ständig wachsendes Geschäftsfeld entstanden.

Die digitale Welt hat längst auch in diesem Bereich Fuss gefasst. Zahlreiche Apps für Googles Android und Apples iOS versprechen, den Alltag frischgebackener Eltern zu erleichtern. Mit den Apps verhält es sich aber freilich gleich wie mit allen Ratschlägen, Büchern und Gerätschaften: Nicht jede App passt zu jedem Geschmack, Lebensstil oder Anspruch. Manche findet man unnütz, und andere würde man nie wieder vom Smartphone löschen wollen. Es fällt auf, dass Baby-Apps häufig aufs Freemium-Modell setzen: Eine Miniversion ist gratis, dann muss man zahlen.

Es stellt sich die Frage, ob man der digitalen Welt überhaupt Zugriff auf diese private Sphäre geben will. In vielen Fällen dürfte der gewonnene Komfort Datenschutzbedenken zerstreuen – und wenn es sogar die Hebamme empfiehlt, kann es so schlecht nicht sein. Man muss sich aber damit abfinden, dass man im Netz plötzlich Werbung für Babyprodukte zu sehen bekommt.

Vorfreude, ist die schönste Freude

Manche Apps setzen schon vor der Geburt des Kindes an. Ähnlich wie Umklappkalender und Schwangerschafts-Begleitbücher informieren sie täglich über Wachstumsfortschritte, geben Tipps, helfen bei der Namenssuche, erstellen Einkaufslisten, erklären Schwangerschaftsbeschwerden und haben zu guter Letzt sogar einen Wehenzähler. Da Vorbereitung das halbe Leben ist, verzeiht man solchen Apps auch den einen oder anderen dummen Tipp, wenn sie im Gegenzug dafür sorgen, dass man die wirklich wichtigen Sachen nicht vergisst oder verpasst.
Einen Versuch wert: Schwangerschaft+, BabyCenter

Stillen per Stoppuhr

Wer Buch führen möchte, wie viel und regelmässig die oder der Kleine trinkt, kann das, wie im Spital empfohlen, mit Notizpapier. Wenn man bei der Methode nicht aufpasst, hat man schnell Zettel und Überblick verloren. Hier helfen Trink-Apps. Per Stoppuhr zeichnet die App auf, ob das Baby brav trinkt, und speichert auch gleich die Zeit. Natürlich messen solche Apps nicht die genaue Menge, die getrunken wird. Trotzdem bekommt man nach wenigen Tagen einen groben Überblick, und erste Regelmässigkeiten zeichnen sich ab – oder auch nicht. Auf Wunsch informieren diese Apps sogar, wenn es Zeit ist, das Baby zu füttern. Aber das machen die Kleinen in der Regel selber und lauter.
Einen Versuch wert: Feed Baby

Berauscht einschlafen

Wenn alle Schlaflieder gesungen sind und nichts genützt haben, schwören manche Eltern auf Sound-Apps. Diese spielen eine breite Palette an Tier-, Wetter- und Autogeräuschen. Dazu gibt es Musik wie Beethovens «Für Elise» oder einfach nur Rauschen. Gerade Letzteres, so liest man in Ratgebern, solle auf manche Kinder ähnlich beruhigend wirken wie ein Staubsauger oder Haarföhn. Dass dieses für erwachsene Ohren nervige Rauschen beruhigend wirken kann, überrascht im Alltag regelmässig. Dank einem Timer lässt sich das Rauschen auch beschränken. Einen Nachteil hat die App: Man muss sein Handy aus der Hand legen. Aber das tut gestressten Eltern auch mal ganz gut.
Einen Versuch wert: White Noise Baby

Blick in die Krippe

Auch die Rolle des Babyphones kann das Smartphone übernehmen. Dazu braucht es allerdings zwei davon. Entweder man positioniert ein ausrangiertes Gerät oder das der Partnerin, des Partners im Kinderzimmer – und schon hat man mit einer entsprechenden App ein Babyphone. Manche rufen eine definierte (Festnetz-)Nummer an, sobald sie ein Geräusch hören, mit anderen lässt sich per Handykamera auch gleich ein Blick in die Krippe werfen. Wem die Variante mit dem Smartphone zu kompliziert ist, der findet im Internet und in Fachgeschäften spezialisierte Babykameras, die im Dunkeln sehen, Aufnahmen machen und einen per App über nächtliche Aktivitäten des Nachwuchses informieren.
Einen Versuch wert: Babyphon (3?Fr.)

Die Fotoflut bewältigen

Bloss keinen Meilenstein im Leben der oder des Kleinen verpassen. Das erste Lachen, der erste Fuss im Mund: Alles wollen die (Gross-)Eltern akribisch mit der Kamera festhalten. Ob jemand in 20?Jahren die Unmengen an Fotos anschaut? Spielt keine Rolle, es wird munter weitergeknipst. Bei dieser Flut an Fotos sollte man drei Sachen nicht ausser Acht lassen: Erstens lohnt es sich, aus Rücksicht aufs Kind gut zu überlegen, ob man Bilder auf sozialen Netzwerken und Webdiensten für alle zugänglich publiziert. Zweitens sollte man seine Fotos sichern. Eine Speicherkarte oder ein Handy geht schneller kaputt, als man meint. Drittens sollte man seine Fotos sauber archivieren, sodass man sie in 20?Jahren auch wiederfindet. Das kann man daheim auf einer Festplatte oder bei einem Internetspeicherdienst tun. Letzterer hilft gleichzeitig beim Organisieren und funktioniert mit automatischem Upload ohne eigenes Zutun. Dafür muss man allerdings darauf vertrauen, dass die Fotos da auch wirklich sicher sind.
Einen Versuch wert: Google Fotos, OneDrive Beschäftigung für Eltern

Filme und Serien zu schauen, ist mit dem Nachwuchs in der Wiege nur schwer möglich. Ausgerechnet im besten Moment wird lautstark nach den Eltern verlangt. Mit Büchern und Computerspielen ist es nicht anders. Das eigene Unterhaltungsprogramm muss angepasst werden. Kollege?J. hört im Sandkasten mit seinem knapp einjährigen Junior auf einem Ohr Podcasts. Überraschend bewährt hat sich im eigenen Fall: Minecraft. Beim Klötzchen-Game geht es im Kreativmodus nur darum, Häuser zu bauen, Tunnel zu graben oder Eisenbahnschienen zu verlegen. Einen Spannungsbogen gibt es keinen. Darum kann man jederzeit unterbrechen und muss nicht warten, bis ein Level geschafft, die Folge zu Ende oder das Kapitel fertig ist. Der positive Nebeneffekt: Sollte der Junior in ein paar Jahren selber Minecraft spielen wollen, hat man wenigstens für kurze Zeit einen Trainingsvorsprung.
Einen Versuch wert: Minecraft (Android: 7 Fr.; iOS: 7 Fr.; Windows 10: 10.70 Fr.) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.08.2015, 07:33 Uhr

Artikel zum Thema

Drei Apps für die Ferien

Hilfe im Gepäck: Digitalredaktor Rafael Zeier stellt seine Lieblings-Urlaubs-Apps vor. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Werbung

Kulturell interessiert?

Bizarre Musikgenres, Blick in Bücherkisten und das ganze Theater. Alles damit Sie am Puls der Zeit bleiben.

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...