Die iEntschleunigung

Das nächste Apple-Telefon wird kein grosser Wurf. Warum man sich daran besser gewöhnen sollte.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Vor Fussballspielen gehört es zur Routine: Favorit ist immer der andere. Gewinnt man dann doch, ist die Freude umso grösser, und verliert man, hat man es ja vorab schon gesagt.

Ein ähnliches Phänomen lässt sich rund ums nächste iPhone beobachten. Noch bevor das Smartphone voraussichtlich im September vorgestellt wird, überbieten sich Gerüchte-Blogs, Techmagazine und Zeitungen mit Spekulationen.

Gemeinsam ist allen Theorien etwas: Das nächste iPhone wird kein grosser Wurf. Vielleicht hat es keinen Kopfhöreranschluss mehr, die Kamera könnte etwas grösser sein, die Rede ist auch von einer Doppelkamera. Optisch dürfte es dem Vorgänger aber abgesehen von Nuancen sehr ähnlich sehen.

Mit jeder dieser Meldungen sinken die Erwartungen an das neue Apple-Telefon ein bisschen. Das kann Apple nur recht sein, sollten sich die Prognosen bewahrheiten. So dürfte sich die Enttäuschung bei Fans, Kunden und Aktionären im Herbst in Grenzen halten und etwas weniger Untergangsszenarien verkündet werden.

Bisher im Zweijahresrhythmus

In der Vergangenheit hatte Apple beim iPhone einen Zweijahresrhythmus. In geraden Jahren gab es die grossen Updates (iPhone 4, 5, 6) mit neuen Designs. In den ungeraden Jahren folgten Detailverbesserungen. Gemäss diesem Rhythmus wäre dieses Jahr wieder ein neues Design mit vielen Neuerungen fällig.

Doch wie es scheint, spart sich Apple diese fürs zehnjährige Jubiläum des iPhones im nächsten Jahr auf. Seit dem Frühling verkünden Blogs und Analysten, dass der grosse Sprung erst 2017 komme.

Tatsächlich macht der Wechsel auf einen Dreijahreszyklus für Apple Sinn. Einerseits behalten die Leute ihre Telefone länger und andererseits wird es Jahr für Jahr schwieriger, ein neues iPhone vorzustellen, das revolutionär ist, wie es die Marketing-Profis in Cupertino gerne nennen.

Seit bei Smartphones ein Entwicklungsplateau erreicht ist, sind Technologiesprünge rar geworden. Ob man nun ein ein- oder dreijähriges Smartphone hat, macht keinen so grossen Unterschied mehr wie noch vor ein paar Jahren. Aus demselben Grund gibt es kaum noch Firmen, die Jahr für Jahr neue Laptops, Computerbildschirme, Tastaturen oder Mäuse vorstellen. Ein Update alle paar Jahre reicht voll und ganz.

In einer anderen Branche, auf die Apple in den letzten Jahren ein Auge geworfen hat, geht es sogar noch langsamer: der Uhrenindustrie. Da dauert es gelegentlich gar Jahrzehnte, bis ein Modell einen Nachfolger bekommt.

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