Der Herr der Klötze

Der Schwede Markus Persson erfand das Spiel «Minecraft», das dem entführten Paul so gefällt. Es machte ihn zum Milliardär.

Markus Persson hat genug vom Minecraft-Spielen. Foto: Emma Johansson (TT News Agency)

Markus Persson hat genug vom Minecraft-Spielen. Foto: Emma Johansson (TT News Agency)

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Verglichen mit Mark Zuckerberg, Larry Page, Elon Musk oder Jeff Bezos wirkt der Schwede so gar nicht, wie man sich die so umgänglichen wie unnahbaren Techmilliardäre vorstellt, die digitale Plattformen gegründet haben, die wir heute täglich nutzen. Doch genau so eine hat auch Markus Persson erfunden.

Das Aufbau- und Entdeckspiel «Minecraft», das dem entführten zwölfjährigen Buben Paul so gefällt, ist eines der kreativsten Phänomene des Internetzeitalters. Dabei hat Persson nichts anderes gemacht als andere Internetunternehmer vor ihm: Er hat etwas aus der realen Welt in die digitale Welt übernommen. Nur waren es bei ihm nicht Buchläden, Anschlagbretter oder Telefonbücher. Sondern er hat Lego digitalisiert.

Und wie: Die virtuelle Welt voller Bauklötze ist nach Tetris das meistverkaufte Computerspiel. Millionen bauen darin neue Welten und schauen anderen dabei zu. Schulen nutzen es, um Kindern die Grundlagen von Physik, Chemie und Informatik beizubringen. Kinder schreiben Ratgeberbücher darüber. Mütter melden sich verzweifelt auf Foren, wenn ihre Kinder technische Probleme haben.

Häuser, Bunker, Paläste

Dass aus dem Nebenprojekt eines schwedischen Programmierers ein solcher Erfolg werden konnte, überrascht. Aber nicht lange. Wer nämlich selber spielt, merkt schnell, dass «Minecraft» viel mehr ist, als einen die veraltete Würfel-Grafik vermuten lässt. Aus einfachen Würfeln entstehen Häuser, Bunker und Paläste. So wird mancher Kindheitstraum doch noch wahr.

Kein Wunder, wurde aus dem Einmannprojekt erst eine Firma und dann ein Übernahmekandidat für einen der grossen Konzerne. Anders als die berühmten Techmilliardäre verkaufte Persson seine Erfindung 2014, fünf Jahre nach der Lancierung. Microsoft zahlte ihm 2,5 Milliarden Dollar.

Zu verkaufen sei eigentlich nie der Plan gewesen, sagt er. Doch frustriert von Verhandlungen über Endnutzerverträge, bot er die Firma über Twitter zum Verkauf an. Für Microsoft habe er sich auch deshalb entschieden, sagte er im Gespräch mit der Zeitschrift «Forbes», weil ihm der Deal erlaubt habe, sich ganz von «Minecraft» zu trennen. Andere Interessenten hätten ihn unbedingt dabeihalten wollen. Aber Persson hatte genug Klötze gestapelt, nahm das Geld und wurde zum Milliardär.

Spendabler als Jay Z und Beyoncé

Seither ist Persson zweimal medial aufgefallen. Ein erstes Mal, als er Jay Z und Beyoncé für 70 Millionen Dollar eine Villa in Beverly Hills wegschnappte. Ein zweites Mal, als er sich auf Twitter über sein Leben als Milliardär beklagte. Er könne nun machen, was immer er wolle. Doch noch nie habe er sich so einsam gefühlt.

Dafür wird sein Spiel immer beliebter. Selbst Lego verkauft jetzt Bausätze mit dessen Logo, und Kinder spielen mit würfeligen Plastik­schwertern. Und im Frühling 2019 kommt der erste «Minecraft»-Film in die Kinos.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.06.2016, 07:27 Uhr

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