Wenn Tablets Bier bestellen und Einbrecher jagen

Den meisten Leuten dienen Tablets für Unterhaltung und Zeitvertreib. Mit immer mehr Tablets wird aber auch Geld verdient, denn Unternehmen nutzen die Rechner inzwischen für richtige Arbeit.

Feuchtfröhliche App: Ein Wirt kann in seinem Keller direkt auf dem Tablet die Feldschlösschen-Bestellungen für die nächsten Tage erfassen. (25. Mai 2013)

Feuchtfröhliche App: Ein Wirt kann in seinem Keller direkt auf dem Tablet die Feldschlösschen-Bestellungen für die nächsten Tage erfassen. (25. Mai 2013)

(Bild: Keystone Peter Klauzner)

Der deutsche Computerbranchenverband Bitcom hat bei einer Umfrage festgestellt, dass bereits 34 Prozent aller Unternehmen Tablet-Rechner einsetzen. Auch in der Schweiz haben sich Tablets bereits vom praktischen kleinen PC-Ersatz zu Hause zum mobilen Arbeitstier gewandelt.

Ruft man beispielsweise im Kanton Zürich die Polizei zu einem Einbruch, kritzelt der Beamte nicht mehr in seinen Notizblock, sondern erfasst die Informationen direkt auf einem Tablet. Für die gängigsten Vorfälle befinden sich auf dem iPad vorgefertigte Formulare, die einfach mit Fingerspitzenbedienung ausgefüllt werden.

Selbstverständlich funktioniert dies auch abseits von Handyempfang. Sind alle Daten aufgenommen, werden die Informationen verschlüsselt drahtlos auf einen zentralen Rechner der Polizei übertragen und im Tablet gelöscht. «Bei der Kantonspolizei Zürich verfügen 800 Beamte über ein Tablet und können so unterschiedliche Vorfälle einfacher, schneller und ohne Doppelspurigkeiten erfassen, erklärt der Projektverantwortliche Hans-Ruedi Troxler.

Vorratskeller füllen

Wesentlich feuchtfröhlicher sind die Tablet-Apps der Brauerei Feldschlösschen. Ein Wirt kann beispielsweise in seinem Keller direkt auf dem Tablet die Bestellungen für die nächsten Tage erfassen. Sobald er wieder im Empfangsbereich seines drahtlosen Netzwerkes (WLAN) ist, werden die Daten an die Brauerei übermittelt.

Auch die Kundenberater des Bierherstellers sind mit Tablets ausgestattet. Damit informieren sie ihre Kunden nicht nur über neue Produkte und Angebote, sondern auf dem Tablet werden auch Verträge zwischen Brauerei und Wirt papierlos erfasst. Daneben helfen die Tablets, Verkaufszahlen zu analysieren, oder helfen bei der Schulung und Weiterbildung von Gastwirt und Personal.

«Der Tablet-Einsatz hat für uns viele Vorteile. Berater und Wirt können einfach gemeinsam auf den Tablet-Bildschirm blicken. Durch die direkte Erfassung der Daten sparen wir über 10 Prozent Arbeitszeit, erklärt Manfred Weiss von Feldschlösschen.

Unterschrift auf dem Tablet

Um Leben und Tod geht es bei den Tablet-Lösungen der Versicherungsgesellschaft Swiss Life. Hier ersetzt das Tablet bei einem Erstkontakt mit einem Kunden ganze Broschürensammlungen. Prospekte, welche der Kunde in Ruhe studieren will, werden direkt aus der App heraus als E-Mail im PDF-Format geschickt.

Die Versicherungsberater führen auf dem Tablet, selbstverständlich mit zusätzlichen Sicherheitssystemen geschützt, nicht nur wesentliche Inhalte des Kundendossiers mit, sondern können mit dem Kunden direkt auf dem iPad einen Versicherungsantrag ausfüllen. Mit einem Stift unterschreibt der Kunde sogar direkt auf dem Tablet.

Mittels Verschlüsselung wird die Unterschrift eindeutig mit dem Vertragsdokument verbunden, die Versicherungspolice wird auf Papier zugestellt. «Wir haben in der Schweiz über 600 Mitarbeiter mit Tablets ausgerüstet, und die Akzeptanz ist sehr gut. Viele Mitarbeiter arbeiten im Büro zusätzlich auch noch mit einem PC oder Notebook, bei Kundenbesuchen wird das Tablet favorisiert», erklärt Thorsten Schneidewind, der bei Swiss Life für den Tablet-Einsatz im Aussendienst verantwortlich ist.

Seinen Angaben zufolge wird derzeit geprüft, ob Android-Geräte oder auch sogenannte Convertibles längerfristig eine attraktive Alternative zu den heute eingesetzten iPads darstellen könnten. Convertibles sind gleichzeitig Notebook und Tablet und könnten gemäss Schneidewind eventuell eine Verschlankung der Infrastruktur bewirken.

Tablets optimieren den Bus

In Lausanne sorgen über 850 Android-Tablets bei den örtlichen Verkehrsbetrieben (Transports Publics de la Région Lausannoise) dafür, dass die Busse des öffentlichen Verkehrs pünktlich verkehren. Die Fahrer verfügen über ein persönliches Tablet, auf welches ihnen fortwährend die Einsatzplanung übermittelt wird.

So müssen sie beispielsweise bei Arbeitsbeginn nicht in die Betriebszentrale gehen, sondern können einen Bus auch unterwegs übernehmen. Da auch das technische Personal und die Kontrolleure über ein Tablet verfügen, wird die Zusammenarbeit besser koordiniert.

Das Tablet informiert permanent über den Fahrplan und macht auf Verkehrsbehinderungen oder Streckenänderungen aufmerksam. Da Android-Tablets im Gegensatz zu iPads auch als richtige Telefone arbeiten, können die Fahrer auch von der Zentrale erreicht werden. Ein GPS-Empfänger im Bus ermittelt permanent deren Position und übermittelt diese Daten an die Verkehrsleitzentrale.

Die wichtigsten Daten sind auf dem Tablet gespeichert, deshalb funktioniert die Lösung auch bei einem Ausfall des 3G-Netzwerkes. Aus Sicherheitsgründen hat der Netzbetreiber Sunrise zudem die Daten des Verkehrsleitsystem vom öffentlichen Datenverkehr im Handynetzwerk getrennt.

Dass Tablets auch beim Pauken helfen können, wissen die Studierenden am Center for Young Professionals in Banking. Sie erhielten im Rahmen des Projekts «Future Learning» leihweise ein Samsung Galaxy Tablet, das über einen Cloud-Dienst von Swisscom fortlaufend mit aktuellen Schulungsunterlagen und Übungen aktualisiert wird.

rek/sda

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