Sportler fahren auf GPS ab

Die Strassen haben sie rasend schnell erobert. Jetzt setzen sich GPS-Geräte aber auch im Freizeit- und Sportbereich durch.

Allmählich setzen sich GPS-Geräte im gesamten Sportbereich durch: Läufer mit einem Gerät von Garmin.

Allmählich setzen sich GPS-Geräte im gesamten Sportbereich durch: Läufer mit einem Gerät von Garmin. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Puls rast. 173 Schläge pro Minute zeigt die schlichte, etwas klobige Uhr am Handgelenk an. Daneben blendet sie ein, wie lange das Jogging bereits dauert und welche Strecke man zurückgelegt hat. Auf Wunsch warnt sie, wenn man sich zu übernehmen droht – wie jetzt mit 173 Pulsschlägen.

Der GPS Runner von My Guide ist eine Trainingsuhr: Sie zeichnet über das Navigationssatellitensystem GPS den zurückgelegten Weg auf. Zudem misst sie mit einem per Funk verbundenen Brustgurt den Puls. Die Daten werden auf der Uhr angezeigt und abgespeichert. Zu Hause lassen sie sich dann detailliert am Computer auswerten.

Stets mit GPS unterwegs

Zwar gibt es schon seit längerer Zeit Trainingsuhren. Doch jetzt werden sie so günstig, dass selbst manch ein Gelegenheitssportler den Kauf rechtfertigen kann – und die ambitionierteren Sportler sowieso. Vorbei sind also die Zeiten, als man die gelaufene Strecke anhand der Anzahl Schritte hochrechnete oder sich zur Abschätzung der Länge der Velotour mit der Anzahl Radumdrehungen behalf.

«Der Geschäftsbereich der Outdoor- und Sportgeräte startet derzeit kräftig durch», sagt Romain Walt von der Firma Bucher +Walt in St-Blaise, welche die Geräte der US-Firma Garmin in der Schweiz vertreibt. Während sich das Navigationsgerät im Auto längst etabliert hat, entdeckten nun viele Leute, wie praktisch GPS-Geräte in der Freizeit und insbesondere bei sportlichen Aktivitäten sein können – beim Wandern, Laufen und Segeln etwa, zunehmend aber auch in anderen Sportarten wie beim Velofahren oder beim Golfen.

Ähnlich tönt es bei Magellan, dem zweiten grossen Hersteller: «Immer mehr Leute nehmen GPS-Geräte auf Wanderungen mit», sagt Hossain al-Ouariachi, Marketingverantwortlicher für die deutschsprachigen Länder. «Und das Geocaching, also die ‹Schatzsuche› per GPS-Gerät, wird immer beliebter.» Doch halt: Weshalb soll man sich für Freizeitaktivitäten extra ein Gerät anschaffen, wenn man bereits ein modernes Smartphone besitzt? Die spezialisierten Geräte seien den Smartphones in drei Punkten überlegen, sagt Romain Walt: «Sie sind genauer, robuster und halten länger durch.»

Tut es das Smartphone nicht?

Tatsächlich können Smartphones nicht annähernd mithalten: Spezialisierte Geräte erreichen eine Genauigkeit von bis zu 3 Metern; die einfachen Module in Smartphones bringen es nur auf 10 Meter. Für die Strassennavigation, bei der die Position auf der nächsten Strasse eingerastet wird, «reicht dies oft noch gerade aus», so Hossain al-Ouariachi. «Bei einer Wanderung im unwegsamen Gelände kann eine solche Ungenauigkeit aber fatal sein.»

Die meisten spezialisierten Geräte haben zudem robuste Gehäuse, sind wasserdicht und können auch in Aktion einfach bedient werden. Nicht den Hauch einer Chance haben die Smartphones bei der Laufzeit: Bei aktiviertem GPS-Modul ist der Akku in weniger als einem halben Tag leer. Moderne Outdoorgeräte hingegen halten bis 18 Stunden durch. Bei den meisten können die Batterien zudem einfach ausgewechselt werden.

Lange waren Garmin und Magellan mit ihren Outdoor- und Sportgeräten alleine auf weiter Flur. Doch nun tauchen neue Namen auf – nebst dem Navihersteller Tomtom, der in Zusammenarbeit mit Nike eine Jogginguhr lanciert, etwa die asiatische Alvission Group mit dem Label My Guide oder die US-Firma Ripxx mit dem für Actionsportler geeigneten Gerät (siehe unten).

Bei den etablierten Herstellern hat man keine Angst vor Mitbewerbern. «Für die Produktion von GPS-Geräten braucht es ein grosses Know-how», sagt Hossain al-Ouariachi. Und Romain Walt erwartet eine ähnliche Entwicklung wie bei Strassennavigatoren: Nach einer Phase, in der sich viele Firmen zu etablieren versuchen, sind bloss zwei, drei längerfristig erfolgreich unterwegs.

Das Testgerät, ein GPS Runner, wurde von Digitec zur Verfügung gestellt. Das Gerät kostet dort 119 Franken. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.07.2011, 14:23 Uhr

Infobox

Das richtige Gerät für jeden Sport:

Ripxx (links) eignet sich für Motorrad- und Skiakrobaten, Wanderer sind mit den Outdoornavis von Magellan (links) gut bedient. (Bild: zvg)

Ausdauersportler setzen auf eine Trainingsuhr wie jene von MyGuide. (Bild: zvg)

Radler fahren auf Geräte wie den Edge von Garmin ab. (Bild: zvg)

Artikel zum Thema

Wenn Hobby-Biker mit 140 km/h über den Gletscher rasen

Blog Outdoor Am nächsten Samstag findet in Saas Fee ein Downhill-Bike-Rennen der Extreme statt: Vom Start auf 3500 Metern geht es in einem Affenzahn über den Allalin-Gletscher ins Tal hinab. Eine nicht ganz ungefährliche Sache. Zum Blog

Fünf Mittel gegen den inneren Schweinehund

Outdoor Während der kalten Monate braucht es oft Überwindung, um abends oder im Regen aufs Bike zu steigen. Wer es trotzdem tut, bereut es nie. Ein paar Motivationshilfen machen es einfacher. Zum Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Grossflächig: Der für seine in die Landschaft integrierten Kunstwerke bekannte französische Künstler Saype zeigt im Park La Perle du Lac sein Werk «Message from Future». (16. September 2018)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...