So wird Ihr Handy zur 3-D-Brille

Virtual Reality liess auf sich warten. Nun kommt die Chance auf den 3-D-Mainstream von unerwarteter Seite.

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Jan Rothenberger@janro

Nicht nur Spielefirmen sind sich sicher, dass wir künftig den Fernseher weniger oft anschalten werden – stattdessen schnallen wir uns Hightechbrillen um den Kopf. Das Eintauchen in 3-D-Welten erlebt gerade seinen zweiten Frühling. An Spielmessen sorgen Facebooks Oculus Rift oder Sonys Project Morpheus für lange Schlangen vor den Ständen. Beide wollen Games realer und intensiver machen: Wer etwa durch die Gänge eines Raumschiffs kriecht, soll die beklemmende Atmosphäre hautnah nachempfinden können. Auch andere Anwendungen stehen im Raum, abseits von Spielen sind es unter anderem Filme und 3-D-Welten, die auf eigene Faust erkundet werden können. Eine 3-D-Meditationslandschaft ist ein Beispiel für einen von vielen recht tapsigen Versuchen, mit der Technologie etwas Neues anzustellen.

Sonys und Facebooks Millioneninvestitionen in Virtual-Reality-Gadgets befeuern dabei die Hoffnungen anderer Hersteller. Doch immer mehr wird klar: Der Hype findet vor allem aufseiten der Unternehmen statt – kaum bei den Kunden. Darum zeichnet sich ab, dass die Topmodelle nicht entscheidend sein werden für den Erfolg von VR. Ob sich die virtuellen Welten durchsetzen, hängt vielmehr davon ab, was bei den mobilen Geräten passiert. Bereits haben die meisten Konsumenten nämlich unbewusst ein VR-taugliches Gerät zu Hause – ihr Smartphone.

Ein Upgrade aus Karton reicht

Sie bringen alles Nötige mit: Aktuelle Smartphones haben eine Displayauflösung, die mit Computerbildschirmen Schritt hält, und die passenden Sensoren, um Bewegungen des Nutzers zu erkennen. Google Cardboard, ein Kartonbausatz, der aus jedem Android-Telefon eine simple VR-Brille macht, demonstriert das eindrücklich. Der Karton dient als Halterung des Smartphones und enthält zwei simple Plastiklinsen, die Telefon und Besitzer zur 3-D-Rundumsicht befähigen.

Das ähnliche Produkt des Herstellers Dodocase hat sich inzwischen über 75'000-mal verkauft.

Diese Bastellösungen bleiben allerdings Spielerei und lassen technisch einiges zu wünschen übrig. Weiter ist da Samsungs Gear VR. Das Zubehörstück für das Galaxy Note 4 rüstet dieses zu einer praktisch vollwertigen VR-Brille auf, die gleich noch eigene Touch-Bedienelemente mitbringt. Zwischen 200 und 300 Franken dürfte das Gear VR kosten, wenn es 2015 in der Schweiz in den Handel kommt.

Etwas günstiger und gleichzeitig nutzbar mit verschiedenen Geräten, etwa aktuellen iPhones, soll die VR One werden. Beteiligt am Produkt ist der deutsche Optikhersteller Zeiss. Es soll im Dezember erscheinen und ist zu einem Preis von 99 Euro angekündigt.

Der Konzertbesuch in 3-D kommt

Abgesehen davon, dass Smartphones schon so verbreitet sind, haben sie auch einen weiteren Vorteil: Sie sind mobil. Die schnelle VR-Session im Flugzeug oder auf einer langen Bahnfahrt ist es, die die Geräte für PC oder Spielkonsole nicht bieten können.

Samsungs erste Schritte lassen erahnen, was VR künftig sein könnte. Neben Spielen sind es Anwendungen wie 3-D-Kino, Panorama-Ansichten oder das Erkunden virtueller Räume. Vergangene Woche zeigte das Unternehmen Jaunt eine weitere Anwendung, die sich kostenlos auf Android ausprobieren lässt. Es lancierte eine Konzertaufnahme von Paul McCartneys Song «Live and Let Die» als App-Download im Play Store.

Momentan sind die VR-fähigen Apps aber noch dünn gesät. Erst eine Handvoll der Hunderttausende von Applikationen in den Stores von Apple und Google arbeitet mit VR. Entwickler hoffen derweil auf den Erfolg eines Crowdfundings, um eine Software zum Bau solcher Apps zu finanzieren. Wie viele attraktive Apps sich in den nächsten Monaten zum bisher spärlichen Angebot gesellen, wird entscheiden, ob sich die Hoffnungen der Hersteller auf einen VR-Trend auch erfüllen.

DerBund.ch/Newsnet

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