Microsofts neuster Tablet-Laptop im Test

Auch wenn der grosse Erfolg bis jetzt ausgeblieben ist, Microsoft gibt nicht auf. Mit der dritten Auflage der Surface-Reihe will der Konzern Laptop und Tablet vereinen. So nah kam er dem Ziel noch nie.

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Man könnte meinen, Microsoft sei eine Hardwarefirma und nicht in erster Linie ein Softwarekonzern. Dieser Eindruck beschleicht einen, wenn man das neuste Surface-Modell im Alltag verwendet. Das Gerät überzeugt, bei der Software gibts Verbesserungsbedarf.

Verglichen mit den Vorgängermodellen und den zahlreichen Laptops, Tablets und Mischgeräten der Konkurrenz macht das Surface Pro 3 einen guten und durchdachten Eindruck. Der Mischling ist sowohl ein kleiner Laptop als auch ein grosses Tablet. Eine magnetische Tastatur und ein ausklappbarer Ständer auf der Rückseite machen es möglich.

Trotz der ungewohnten Form kann man das neuste Surface im Laptop-Modus dank dem frei einstellbaren Ständer selbst im rumpelnden Zug gut auf dem Tischchen, den Knien oder sogar auf ­einem Oberschenkel abstellen und damit arbeiten. Die Tastatur, die gleich­zeitig als Bildschirmschutz dient, ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, da die ­Tasten nicht so tief einsinken wie bei Laptops. Doch die Möglichkeit, die Tastatur schräg zu stellen, macht das wett. Wenn sie so angewinkelt ist, kann man überraschend bequem tippen.

Überzeugender Bildschirm

Der Bildschirm überzeugt mit hoher Auflösung, natürlichen Farben und einem angenehmen Format. Anders als bei den meisten Laptops wirkt er mit ­einem Seitenverhältnis von 3:2 nicht lang gezogen. Das hat mehrere Vorteile. Zum einen hat man das Gefühl, mehr Platz zu haben. Zum anderen lässt sich das Surface so auch im Hochformat besser nutzen. Fotofreunden wird es zudem gefallen, dass sie ihre Fotos bildschirmfüllend betrachten können. Filmfreunde werden dagegen das 16:9-Format vermissen. Die schwarzen Ränder oben und unten an einem Film sind aber ein kleiner Preis dafür, dass das Surface nun endlich auch im Hochformat, ähnlich wie das iPad, als Lese-Tablet eine gute Figur macht.

Doch der Bildschirm hat nicht nur ein neues Format, er ist auch grösser geworden. Mit einer Diagonale von 35 Zentimetern ist das Pro 3 doch deutlich grösser als andere Tablets wie das iPad Air mit 29 Zentimetern. Nebst dem neuen Format hat das Surface Pro 3 auch einen neuen Stift. Der hat sich im Test nach kurzer Eingewöhnungszeit etwa für Sitzungsnotizen oder das Kreuzworträtsel im PDF des «Tages-­Anzeigers» bewährt. Das Gewicht von 1100 Gramm liegt für ein Tablet am oberen Ende der Skala. Das iPad Air mit Cover wiegt zum Vergleich nur 590 Gramm. Für einen Laptop ist es aber angenehm leicht. Die Batterieleistung beträgt bis zu 9 Stunden. Mit zurückhaltender Benutzung kommt das knapp hin. ­Sicherheitshalber sollte man das Ladegerät aber nicht zu Hause vergessen.

Ab dem 28. August sind fünf verschiedene Ausstattungsvarianten erhältlich. Diese unterscheiden sich bei den Prozessoren und dem Speicher. Das günstigste Modell kostet mit Tastatur 1040 Franken. Dafür bekommt man einen Intel- i3-Prozessor und 64 GB Speicher. Die Tastatur muss man extra dazukaufen. Ein Unfug bei einem Gerät, das laut Hersteller einen Laptop ersetzen soll.

Alles in allem macht die Hardware einen wirklich gelungenen Eindruck. Man merkt dem Surface Pro 3 an, dass Microsoft reichlich Zeit und Geld in diese Produktkategorie investiert hat. Solche Liebe zum Detail kennt man sonst fast nur von Apple. Allerdings bewegt sich auch der Preis klar im Premium-Bereich.

Schwachpunkt Software

Ähnlich viel Liebe zum Detail hätte man sich auch bei der Software gewünscht. Windows 8 kann zwar so ziemlich alles, was man von einem Laptop und einem Tablet erwartet – nur eben nicht besonders elegant. In seiner neusten Version rücken die Bedienung mit Maus und Tastatur und die Touchscreen-Steuerung näher zusammen, was nicht immer logisch ist und einiges an Geduld erfordert. Kommt dazu, dass im eigenen Appstore immer noch zahlreiche Apps fehlen, die man von Android und iOS gewohnt ist. So fehlen sogar Microsofts eigene Office-Apps, die es bereits fürs iPad gibt. Bei der Software muss und will Microsoft aber nachbessern (Microsoft will Kachel-Hasser umstimmen).

Fazit: Wer auf der Suche ist nach einem handlichen Premium-Laptop oder einem Mischgerät, sollte einen Blick auf das Surface Pro 3 werfen. Wer dagegen ein einfaches Tablet möchte, für den ist das Surface übermotorisiert.

Was halten Sie von Microsofts neuestem Mischgerät oder haben Sie Fragen zum neuen Surface Pro? TA-Autor Rafael Zeier beantwortet die Fragen gerne in den Kommentaren und diskutiert auch gerne mit.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.08.2014, 19:16 Uhr

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