Mac-Sparte verkaufen, Plattformen öffnen: 9 Tipps für Apples Zukunft

Man muss kein Hasser des US-Techkonzerns sein, um ihm Ratschläge zu erteilen. Im Gegenteil. Wir tun es, weil er aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken ist.

Das iPhone X soll den Weg in die Smartphone-Zukunft weisen.

Das iPhone X soll den Weg in die Smartphone-Zukunft weisen. Bild: Reuters

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Entbündelung

Die geschlossene Plattform ist ein Relikt der Vergangenheit

Ein Markenzeichen von Apples Produkten ist die nahtlose Verzahnung von Hard- und Software sowie der iCloud zu einem runden Benutzererlebnis. Design und Funktion greifen ineinander und ergänzen sich perfekt, lautet die Marketinglegende. Doch dieser «Walled Garden» (steht für «geschlossene Plattform») ist immer weniger zeitgemäss und dient je länger, je mehr hauptsächlich Apples Eigeninteressen. Das zeigt sich beim Musikstreaming, wo Apple Music viel komfortabler als Spotify direkt in der Musik-App abonniert werden kann. Es zeigt sich bei der Peripherie, wo kein Kopfhörer so einfach mit dem iPhone verbunden werden kann wie die Airpods von Apple. Und es zeigt sich bei der Bezahlung per Smartphone, wo kein Bezahldienst so komfortabel ist wie Apple Pay.

Falls es Apple mit der sprichwörtlichen Benutzerfreundlichkeit ernst meint, sollte der Konzern den Nutzern die Wahl lassen und seine Produkte radikal entbündeln: Profis könnten auf ihren Selbstbau-PC macOS laufen lassen. Android-Nutzer hätten Zugang zu Apples Textnachrichten-App iMessage. Und wer die iCloud nicht mag, dockt bei Dropbox, Google, Microsofts Onedrive oder der Swisscom Cloud an. (schü.)

Hardware

Die Mac-Sparte verkaufen und volle Aufmerksamkeit für iOS

Disketten, CD-ROMs, Handytasten und Kopfhörerstecker sind nur die prominentesten Beispiele einer langen Liste von alten Zöpfen, die Apple ohne Sentimentalität abgeschnitten hat. Von einem Relikt der Computervergangenheit hat sich der iPhone-Konzern aber bisher nicht trennen können: dem Mac. Ja, die Computersparte verdient immer noch Geld, und ja, iOS-Entwickler brauchen Macs, von den vielen Fans und Profinutzern ganz zu schweigen.

Aber Apple muss den Mac ja nicht gleich einstellen. Warum die ganze Sparte nicht stattdessen auslagern oder einer anderen Firma verkaufen? So wie einst IBM mit dem Verkauf der Thinkpads an Lenovo. Für eine Firma wie Apple, die sich für ihren Fokus und ihre Zurückhaltung im Produktportfolio rühmt, müsste sich das wie ein Befreiungsschlag anfühlen. Endlich volle Kraft voraus. Und die Mac-Fans wüssten ihre Arbeitsgeräte in den Händen einer Firma, die sich nur darum kümmert, die besten Macs zu bauen. Und wer weiss, vielleicht würden dann sogar Ressourcen frei für einen iOS-Laptop? (zei)

SiriOS

Die Plattform der Zukunft nicht vernachlässigen

Vor dem Kauf durch Apple 2010 war Siri als eigenständige Plattform geplant. Als eine Art sprachgesteuertes Betriebssystem. Apple machte daraus eine Sprachsteuerung fürs iPhone. Mit den Jahren kamen zwar neue Funktionen und Geräte hinzu, doch hinkt das aktuelle Siri weiter den ursprünglichen Ambitionen hinterher. Ein eigenständiges SiriOS wäre ein mutiger Schritt in die ursprüngliche Richtung. SiriOS könnte alle Apple-Geräte verbinden und Entwicklern ganze neue Möglichkeiten für Sprach-Apps ermöglichen. Dazu müsste Apple aber gewaltig über den eigenen Schatten springen. Denn bei sprachbasierten Computern spielen Apples grösste Trümpfe – schöne Hardware und intuitive Software – nur mehr eine Nebenrolle. (zei)

Datenschutz

Den Privatsphären-Kampf konsequent führen

Ob beim Kampf gegen das FBI um die Entsperrung eines iPhone oder bei der Abgrenzung gegen Google: «Wir sammeln keine persönlichen Daten, um sie an Werbetreiber oder andere zu verkaufen», schreibt der Konzern auf seiner Homepage in einem klar gegen Google gemünzten Statement. Doch Apple kooperiert eben auch mit China, wenn es um die Verschärfung der Internetzensur geht. Bis Februar werden die iCloud-Daten chinesischer Benutzer in ein Rechenzentrum in Südwestchina verlagert, wo laut Reuters staatliche Behörden jederzeit Zugriff haben. Schon im Sommer hat Apple VPN-Apps aus dem Store entfernt, mit denen chinesische Nutzer die staatliche Zensur hätten umgehen können.

Apple rechtfertigt sich damit, die lokalen Gesetze befolgen zu müssen. Es gäbe indes eine Alternative: nämlich den Kunden die Option anzubieten, ihre Geräte weiterhin konsequent ohne Cloud-Anbindung zu betreiben – und sämtliche Daten sicher und verschlüsselt auf eigenen Geräten zu speichern. (schü.)

iPhone

Ausmisten beim Namenswirrwarr

Aktuell hat Apple 8 iPhone-Modelle (6s, 6s Plus, 7, 7 Plus, 8, 8 Plus, SE und X) im Angebot. Farben und Speichergrössen nicht eingerechnet. Wenn diesen Herbst noch eine grössere Variante des iPhone X hinzukommt, wird das Angebot vollends unübersichtlich. Es ist höchste Zeit, dass Apple zum einen das Zahlen- und Buchstabenwirrwarr ausmistet und einfachere Namen findet. Doch sollte es ganz allgemein auch wieder einfacher werden, ein iPhone zu kaufen. Wer heute ein iPhone kauft, tut nämlich gut daran, technische Details zwischen den Modellen zu vergleichen. Brauche ich drahtloses Laden wirklich? Will ich 3-D-Touch? Welches Modell hat noch mal eine optisch stabilisierte Kamera? Wo ist welcher Prozessor drin? Unbestritten ist es kundenfreundlich, in allen möglichen Preissegmenten ein Angebot zu haben, doch eine Firma wie Apple sollte das eleganter und übersichtlicher hinbekommen, als dies aktuell der Fall ist. (zei)

Apple Watch

Die Allzweckwaffe im Sortiment

Apple solle ein weniger süchtig machendes iPhone bauen, oder Apple brauche dringend kostengünstige Mini-Lautsprecher wie Amazons Echo, war in den letzten Wochen mehrfach zu lesen. Beide Thesen sind nicht grundlos, doch übersehen sie, dass Apple für beide Probleme längst eine Lösung gefunden hat: Die Apple Watch ist Apples unterschätzte Geheimwaffe an allen Fronten. Die Uhr mit ihrem Mini-Bildschirm reduziert den täglichen Benachrichtigungs- und Push-Wahnsinn aufs Wesentliche.

Während Amazon und Google für ihre Assistenten kleine Billig-Lautsprecher/-Mikrofone in jedem Raum in der Wohnung brauchen, hat Apple einen Mini-Lautsprecher mit Mikrofon fürs Handgelenk. Die Uhr ist immer mit dabei und kommt sogar ohne WLAN oder verbundenes Handy aus. Dank dem Mini-Bildschirm kann sie auch mal ein Foto anzeigen oder falls nötig geräuschlos per Touchscreen bedient werden. Drahtlose Kopfhörer machen das Bild schliesslich komplett und zeigen: Die Apple Watch ist das ideale Zuhause für einen wirklich smarten Assistenten und zudem ein Blick in die Computerzukunft. Darum nicht von der nachlässigen Konkurrenz einlullen lassen und weiter volle Fahrt voraus! (zei)

Produktqualität

Das Premiumversprechen wieder ernst nehmen

Apple verdient an seinen Produkten so viel wie kein anderer Hersteller – und die Kunden stören sich nicht an den Premiumpreisen. Doch eines ist Voraussetzung, damit das auch weiterhin so bleibt: Für ihr Geld erwarten die Käufer Zuverlässigkeit, die an Perfektion grenzt. Doch dem ist je länger, je weniger so: Erst Anfang Woche wurden Probleme beim iPhone X mit eingehenden Anrufen bekannt, nachdem das High-End-Modell zuvor mit Bildstörungen, Aussetzern bei Kälte und Verbindungsproblemen zu kämpfen hatte.

Auch das letztes Jahr lancierte Macbook Pro schwächelt bei der Batterielaufzeit und hat eine Tastatur mit häufig klemmenden Buchstaben. Ausserdem wird das Display bei manchen Geräten fleckig, was als «Staingate» bekannt wurde und Apple zu einem Austauschprogramm nötigte. Probleme bei alternden iPhone-Akkus hatte Apple durch stillschweigendes Drosseln gelöst. Das alles passt nicht ins Bild, genauso wenig wie die vielen Sicherheitslücken der letzten Zeit. Apple muss alles daransetzen, solidere Produkte als die gesamte Konkurrenz zu bauen. (schü.)

iPad

Hinstehen und zugeben: Microsoft hatte recht

Die Zukunft des Laptops heisst iPad, behauptet Apple und untermauert diesen Marketingclaim mit dem Pro-Modell, jeder Menge Rechenleistung sowie Stift und Tastatur. So gar nicht dazu passt die Software: Der Homescreen mit seinen Icons erinnert ans antike Windows 3.1. Das Dock, das Apple mit dem letzten Betriebssystem-Update eingeführt hat, stammt von 1995: Damals hat Steve Jobs seine Next-Computer damit ausgestattet. Drag & Drop und die Dateien-App sind zwei weitere neue Errungenschaften des iPad, die Windows- und Mac-Anwender seit Jahrzehnten kennen. An dieser Stelle ist es Zeit, einzusehen, dass es nicht gelungen ist, mit dem iPad das Rad neu zu erfinden. Microsoft hatte die ganze Zeit recht: Der richtige Weg ist ein einheitliches Betriebssystem, das wie Windows 10 je nach Situation per Touch und Finger oder aber mit Maus und Tastatur bedient werden kann. (schü.)

Service

Rundum-sorglos-Abonnement für die treusten Kunden

Apples Servicesparte mit Apple Music und iCloud wächst Jahr für Jahr. Dieses Jahr dürfte noch ein Videostreamingdienst dazukommen. In den USA hat Apple zudem das iPhone Upgrade Program. Gegen eine Monatsgebühr bekommt man Jahr für Jahr das neuste iPhone. Die logische Konsequenz wäre ein Rundum-sorglos-Abo von Apple für die treusten Kunden. Alle Dienste und immer die neusten Geräte gegen eine (nicht billige) Jahresgebühr. (zei)

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(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.02.2018, 19:31 Uhr

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