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Weihnachtsmesse in BethlehemDieser Patriarch ist auf einer
heiklen Mission

Der Italiener Pierbattista Pizzaballa hält die Mitternachtsmesse am Geburtsort Christi. Das passt nicht allen.

Seine Messe wird in alle Welt übertragen: Pierbattista Pizzaballa.
Seine Messe wird in alle Welt übertragen: Pierbattista Pizzaballa.
Foto: Ahmad Gharabali (AFP)

Eine Botschaft aus Bethlehem zum Fest der Hoffnung – kaum jemals dürfte die Welt darauf so sehr gewartet haben wie zur Corona-Weihnacht 2020. Auf Pierbattista Pizzaballa, der als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche von Jerusalem traditionell die in alle Welt übertragene Mitternachtsmesse am Geburtsort Jesu zu feiern hat, dürfte also einiger Erwartungsdruck gelastet haben: Wie kann man den Menschen Mut machen in der pandemischen Tristesse? Doch während des Brütens über diesen Fragen hat sich der Erzbischof selbst das Virus eingefangen. Termine wurden gestrichen, Ruhe war nötig – und am Ende hat er sich gerade wieder aufgerappelt, um die Mitternachtsmesse zu halten.

Nur das «unverzichtbare Minimum»

So sind also dieses Jahr auch in Bethlehem die Krippe und Corona aufs Engste verflochten. Wo ansonsten Weihnachten eher nach Art der Basler Fasnacht gefeiert wird, ist es nun ein stilles Fest mit vielen Restriktionen, reduziert «auf ein unverzichtbares Minimum», wie es der Patriarch in seiner vorab verbreiteten Weihnachtsbotschaft ausdrückt.

Für Pizzaballa ist es zwar nicht die erste Mitternachtsmesse, die er in Bethlehem feiert, aber die erste in der Rolle des Oberhauptes, des Lateinischen Patriarchen. Am 4. Dezember erst war der 55-jährige Franziskanermönch in der Jerusalemer Grabeskirche in dieses Amt eingeführt worden, das seinen Ursprung in der Kreuzritterzeit hat und 1874 von Papst Pius IX. wiederbelebt wurde. Es ist ein Posten, der auch in virenfreien Zeiten zu den kompliziertesten im katholischen Kosmos zählen dürfte.

Zerrüttete Kirche in Jerusalem

Denn zum einen ist der Jerusalemer Patriarch Oberhaupt einer zerklüfteten Ortskirche mit 71 Gemeinden und rund 320’000 Gläubigen in Israel, den Palästinensergebieten, Jordanien und Zypern. Deren Interessen bis hin zu den konfliktträchtigen politischen Fragen muss er vertreten. Zum anderen repräsentiert er in Jerusalem auch die Weltkirche, schliesslich kommen in normalen Zeiten jährlich Millionen Pilger ins Heilige Land.

Spannungen sind da unausweichlich, und genau deshalb hat Papst Franziskus diese Aufgabe wohl in die Hände des sehr sachlichen, sehr effizienten und sehr integren Norditalieners gelegt. 30 Jahre Jerusalem-Erfahrung bringt er mit, zwölf Jahre davon wachte er als Kirchendiener der Franziskaner über die heiligen Stätten. Die vergangenen vier Jahre hat er das Lateinische Patriarchat schon übergangsweise als Apostolischer Administrator geleitet und dabei erfolgreich einen enormen Schuldenberg abgebaut.

Doch Pizzaballa selbst hatte durchblicken lassen, dass er gern in die italienische Heimat zurückkehren würde. Seine Ernennung war deshalb wohl auch eine Überraschung für ihn selbst, und seine Reaktion war mehr als nur berufstypische Demut: Das neue Amt, so sagte er, erfülle ihn «mit Gefühlen der Angst angesichts einer Mission, die meine Kompetenzen übersteigt».

Jetzt will er Arabisch lernen

Tatsächlich ist er nicht überall mit offenen Armen empfangen worden. Er ist der siebte Italiener auf diesem Posten, doch seine beiden unmittelbaren Vorgänger kamen aus der Region, der eine aus den Palästinensergebieten, der andere aus Jordanien. Dass nun kein arabischer Christ zum Zuge kam, kritisierten manche gar als «religiösen Kolonialismus». Pizzaballa wurde vorgeworfen, dass er zwar Italienisch, Englisch und hervorragend Hebräisch, aber kein Arabisch spreche wie das Gros seiner Gemeinde. «Ich bin kein Einheimischer, aber auch kein Fremder», sagte er dazu – und stürzte sich verstärkt ins Arabisch-Studium.

Zu Weihnachten wird er nun wieder das Versöhnliche in den Vordergrund rücken. Doch erschwert wird jede frohe Botschaft dadurch, dass die Pandemie die Menschen in die Vereinzelung treibt. «Dieses Jahr 2020 hat sich durch Angst ausgezeichnet», sagt Pierbattista Pizzaballa in seiner Weihnachtsbotschaft. «Wir müssen uns nun entscheiden, ob wir uns trotz allem zu Freude und Liebe fähig machen wollen.»

4 Kommentare
    Hans Klein

    Übrigens : Es gibt auch andere Kirchen Gottes als Katholische.

    Es ist eine Anmassung, wenn ein Katholik sich als Stellvertreter aller Christen hält.