Zum Hauptinhalt springen

Kommentar zum BundesratsentscheidDieser Lockdown wird einfacher als der erste

Es ist tröstlich zu sehen, dass die meisten Regierungen zu ähnlichen Schlüssen kommen. Und dass keine von ihnen
die perfekte Lösung kennt.

Bundespräsident Guy Parmelin (links) und Gesundheitsminister Alain Berset vor den Medien in Bern.
Bundespräsident Guy Parmelin (links) und Gesundheitsminister Alain Berset vor den Medien in Bern.
Foto: Fabrice Coffrini (AFP)

In der ersten Welle profitierte die Schweiz vom Elend des von der Pandemie etwas früher betroffenen Italien. So konnte der erste Lockdown greifen, noch bevor sich Corona bei uns allzu stark ausgebreitet hatte. Nun hilft der zeitliche Vorsprung von ein paar Wochen womöglich wieder. Es leuchtet ein, dass der Bundesrat nicht abwarten will, bis das mutierte, weit ansteckendere Virus auch in unseren Spitälern zur Überlastung führt wie in Grossbritannien. Der zweite Lockdown könnte das Erfolgsrezept sein, die dritte Welle vergleichsweise gut zu überstehen.

Natürlich geht nun der Streit wieder los, wie wirksam und nötig die einzelnen Einschränkungen tatsächlich sind oder warum Blumengeschäfte offen bleiben dürfen. Doch es gibt mehrere Gründe, gefasst zu bleiben.

Praktisch alle vergleichbaren Länder reagieren auf das mutierte Virus in der einen oder anderen Form mit einem neuen Lockdown. Auch wenn es selbst unter Ärzten und Epidemiologen viele Meinungen gibt, auch wenn die Einschränkungen zum Teil willkürlich sind: Es ist beruhigend zu sehen, dass die meisten Regierungen in dieser Krise zu ähnlichen Schlüssen kommen. Und dass keine von ihnen die perfekte Lösung kennt.

Wir profitieren von unserer Lockdown-Routine.

Ausserdem ist der zweite Lockdown einfacher als der erste. Im Vergleich müssen weniger Läden schliessen, Abhol-Lösungen sind erlaubt, vernünftige Öffnungszeiten erleichtern den Einkauf. Der Computer ist für das Homeoffice bereits eingerichtet, und wie man abends mit Freunden auch online jassen kann, wissen wir inzwischen auch. Wir profitieren von unserer Lockdown-Routine.

Vor allem dürfen anders als im ersten Lockdown die Kinder und Jugendlichen in die Schule, womit auch die Schwächeren eine Chance auf anständige Bildung haben. Wirtschaftlich müssen wir weniger Angst haben: Die Schweiz hat im Corona-Jahr besser performt als erwartet. Und vom Lockdown direktbetroffene Betriebe erhalten nun mehr Hilfe.

Erträglich machen den zweiten Lockdown auch die angelaufenen Impfungen. Das Ende der Pandemie rückt näher.

29 Kommentare
    Reto Hardegger

    "Praktisch alle vergleichbaren Länder reagieren auf das mutierte Virus in der einen oder anderen Form mit einem neuen Lockdown. Auch wenn es selbst unter Ärzten und Epidemiologen viele Meinungen gibt, auch wenn die Einschränkungen zum Teil willkürlich sind: Es ist beruhigend zu sehen, dass die meisten Regierungen in dieser Krise zu ähnlichen Schlüssen kommen. " - Nur weil alle das Falsche machen, ist es deswegen nicht richtiger...