Die teuerste Wohnung in Zürich-West

Hintergrund

In Kürze ziehen die ersten Mieter ins Exklusivhochhaus Escher-Terrassen. Sie werden in einem halb leeren Haus wohnen. Auch die Attikawohnung für 12'735 Franken im Monat ist noch zu haben.

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Pascal Unternährer@tagesanzeiger

«Die Fahrstühle sind kaputt.» Diese Meldung will niemand hören, der ein Hochhaus besichtigen will. Doch der Bauarbeiter meint es ernst. «Die Bremsen funktionieren nicht.» Da gibt es nur eine Lösung: Die 18 mal 18 Treppentritte müssen zu Fuss bewältigt werden. Doch der Effort lohnt sich.

Im obersten Stock angekommen, eröffnet sich dem Besucher ein prächtiges Panorama. Auf der Frontseite die Industriehallen der MAN Diesel & Turbo, der Prime Tower, der Uetliberg und ein Stückchen Zürichsee, auf der Hinterseite die Limmat und das sonnenbeschienene Höngg. Und auf dem Weg dazwischen die Aussicht auf den nahen Bluewin-Tower.

250 Quadratmeter und drei Badezimmer

Wir befinden uns in der wohl teuersten Mietwohnung von Zürich-West – zuoberst im abgeschrägten 60-Meter-Gebäude mit Namen Escher-Terrassen. Monatlich 12'735 Franken kostet der Wohnspass beim Escher-Wyss-Platz. Dafür erhält man zwei 25-Quadratmeter-Terrassen, drei Badezimmer mit WC, ein kleines Reduit mit Waschturm und 5½ Zimmer auf 251 Quadratmetern Wohnfläche, die sich über zwei Stöcke erstrecken. Von der Treppe dazwischen existiert allerdings erst das Betongeländer. Die exklusive Wohnung ist noch nicht ganz fertig gebaut. Obwohl ab nächster Woche Bezugstermin wäre.

Den solventen Mieter hat das Immobilienunternehmen Allreal, das das Hochhaus finanziert und gebaut hat, noch nicht gefunden. Das gilt auch für die Nachbarwohnungen im 17. und 18. Stock, die 10'255 und 9675 Franken kosten, und weitere 26 der 51 Wohnungen. Die ersten 22 Mietparteien werden also ein halb leeres Haus vorfinden, wenn sie einziehen. In den obersten fünf Stockwerken mit Seesicht wird eine Partei beim Bezug ganz allein sein.

Nur 22 von 51 Wohnungen vermietet

Vermietet sind vor allem die kleineren und weniger teuren Terrassenwohnungen. Von den 16 2½-Zimmer-Wohnungen mit weniger als 100 Quadratmetern, die zwischen 2600 und 5300 Franken kosten, ist nur noch eine frei. Obwohl sich vor drei Jahren kurz nach Baustart 900 Personen für die Wohnungen interessiert hatten, sind von den übrigen 32 3½- bis 4½-Zimmer-Wohnungen, die mit 4100 bis 6500 Franken zu Buche schlagen, nur sechs vergeben.

Das wirkt sich überproportional auf die Mieterträge aus. Von den geplanten Mieteinnahmen von 3 Millionen im Jahr sind derzeit erst 850'000 Franken oder 28 Prozent gesichert – obwohl 43 Prozent der Wohnungen vermietet sind. Damit lässt sich die 50-Millionen-Investition nicht refinanzieren, geschweige denn die erwartete Rendite von 5 Prozent erzielen.

Begrenzter Markt

Die Vermieterin Allreal spürt damit mit voller Wucht, was seit einiger Zeit der Trend ist. Teure Wohnungen lassen sich immer schlechter verkaufen oder vermieten. «Unser Geschäft ist mit Risiken behaftet», weiss Allreal-Sprecher Matthias Meier. Doch er bleibt zuversichtlich. «Wenn alle Wohnungen fertiggestellt sind und den potenziellen Mietern mit voller Ausstattung gezeigt werden können, erwarten wir eine Belebung der Nachfrage.» Der jetzige Vermietungsstand entspreche denn auch «knapp unseren Erwartungen», wie Meier sagt. «Es war uns klar, dass wir nicht alle Wohnungen auf den Bezugstermin vermieten können.»

Der Markt für die Liebhaberobjekte in den obersten Stöcken ist begrenzt. Dennoch gibt sich der Allreal-Sprecher «überzeugt, dass es einen Bedarf gibt – auch wenn das Angebot die Nachfrage derzeit übertrifft». Die Preise für die Wohnungen unterhalb des 13. Stockes bezeichnet er als «ortsüblich», zumal sie teils mit spektakulären, schlauchartigen Grundrissen auf zwei Stöcken aufwarten. Auch entspreche die Ausstattung dem Standard von Eigentumswohnungen im oberen Preissegment.

Preisreduktionen sind «kein Thema»

Diese sind derzeit noch schwieriger an den Mann oder die Frau zu bringen. «Dies bestätigt unseren Entscheid, in den Escher-Terrassen Mietwohnungen anzubieten, statt sie zu verkaufen», sagt Meier. Es erleichtere Interessenten den Entscheid, wenn sie nicht den weitreichenderen Entscheid eines Kaufs fällen müssten.

Mit dem Markt für Eigentumswohnungen im obersten Preissegment hat Allreal in Meilen Erfahrungen gemacht. Der Verkauf der 17 Eigentumswohnungen und drei Doppeleinfamilienhäuser der Wohnüberbauung Holengass verlief so harzig, dass Allreal die Preise um 10 bis 17 Prozent senkte – und denjenigen, die bereits eine Wohnung zum höheren Preis gekauft hatten, aus Kulanzgründen einen Teil des Kaufpreises zurückerstattete. Preisreduktionen sind in den Escher-Terrassen im Moment kein Thema, sagt Meier. Er ist überzeugt, dass die Vermietungsquote bald steigen werde – «sobald die Lifte wieder funktionieren», wie er schmunzelnd anfügt.

DerBund.ch/Newsnet

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