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«Die Südamerikaner rennen um ihr Leben»

Joachim Löw steht mit Deutschland nach dem 1:0 gegen Frankeich im Halbfinal. Der Bundestrainer will aber noch keine Gedanken an den Final verschwenden.

Ist sich der körperlichen Strapazen bewusst, die seine Spieler auf sich nehmen in der Hitze Brasiliens: Bundestrainer Joachim Löw.
Ist sich der körperlichen Strapazen bewusst, die seine Spieler auf sich nehmen in der Hitze Brasiliens: Bundestrainer Joachim Löw.
Keystone

Joachim Löw, was wollten Sie mit der taktischen Massnahme, Philipp Lahm wieder als rechten Aussenverteidigern zu nominieren, bewirken? Und ist Ihr Plan aufgegangen?

Joachim Löw: Uns war bewusst, dass wir über die Aussenpositionen stärker auftreten müssen als zuletzt, und Philipp Lahm ist ein Spieler, der diese Qualitäten mitbringt. Sowohl Deutschland als auch Frankreich haben auf eine starke Defensive gesetzt und in dieser Hinsicht eine starke Vorstellung geboten. Es gab für beide Mannschaft nicht allzu viele Chance. Wir liessen nicht viele, hatten aber bis auf die Endphase, als wir das 2:0 hätten erzielen müssen, auch nicht besonders viele Möglichkeiten. Wir sassen dem Gegner ständig im Nacken, wir haben ihn permanent bearbeitet. Dadurch konnten wir die Gefährlichkeit eines Karim Benzema weitgehend eindämmen. Es ist eine unserer Stärken, dass wir taktisch variabel auftreten können. Und ich fand es nach dem Algerien angemessen, Reize zu setzen mit personellen Veränderungen.

Aber es wurde für Deutschland doch noch eng.

Dass die Franzosen speziell in der zweiten Halbzeit alles nach vorne werfen würde, das war keine Überraschung. Sie mussten auf den Ausgleich drängen, und je mehr es auf das Ende zuging, entwickelte sich für sie ein Alles-oder-Nichts-Spiel, basierend auf hohen Bällen.

Wie sehr kostete das Spiel in der grossen Hitze Kraft mit Blick auf den Halbfinal von Dienstag?

Wir mussten schon ans Limit, zumal wir im Achtelfinal gegen Algerien eine Verlängerung überstehen mussten. Jetzt geht es darum, die Kräfte zu bündeln und die Müdigkeit aus den Knochen zu schütteln. Natürlich ist es für uns Europäer nicht einfach, um 13 Uhr ein Spiel auszutragen bei so hohen Temperaturen, unten auf dem Platz war es extrem, die Luft stand, man konnte kaum atmen, so drückend heiss war es. Das macht es schwierig, die Kontrolle über das Spiel zu bewahren, die Konzentration hochzuhalten. Es passieren automatisch Fehler. Zum Glück wird der Halbfinal erst um 17 Uhr angepfiffen.

Welchen Anteil hat Manuel Neuer am Höhenflug?

Es ist ein wahnsinnig gutes Gefühl für die Abwehrreihe zu wissen, wen sie hinter sich hat. Man kann ihm praktisch wie einem Verteidiger den Ball zuspielen, beherrscht den Strafraum, ist stark auf der Linie und strahlt Ruhe aus.

Deutschland steht zum vierten Mal in Folge in einem WM-Halbfinal.

Das ist schon eine besondere Leistung und auch eine Folge unserer Beständigkeit der letzten Jahre. Und natürlich versuchen wir jetzt, den vorletzten Schritt zu machen und uns für den Final zu qualifizieren. Es gibt schon Gründe, dass wir so viel erreicht haben.

Wer hat Vorteil im Schlussspurt?

Es ist immer schön und wunderbar, Titel zu gewinnen. Die Südamerikaner haben einen Heimvorteil, die rennen um ihr Leben, die sind hier zuhause. Für uns geht es jetzt zuerst einmal darum, den Halbfinal erfolgreich zu bewältigen.(Aufgezeichnet: Peter M. Birrer)

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