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Kommentar zu den Sperren für TrumpDie scheinheiligen Zauberlehrlinge vom Silicon Valley

Die Social-Media-Tycoons wollen sich als Teil der Lösung präsentieren, doch die Schande ihres Versagens werden sie so schnell nicht los.

Ausgetwittert: Donald Trumps Konto ist auf dem Mitteilungsdienst jetzt permanent gelöscht.
Ausgetwittert: Donald Trumps Konto ist auf dem Mitteilungsdienst jetzt permanent gelöscht.
Foto: Alex Brandon (Keystone)

Jetzt ist er weg. Wenigstens von den wichtigsten Plattformen, mit denen Donald Trump an seiner eigenen Regierung vorbeiregiert, gelogen, gehetzt hat. Twitter, Facebook und weitere Social-Media-Firmen haben Trumps Konten gesperrt. Auch Schlupflöcher – andere Konten, über die er sich trotzdem äussern wollte – sind gestopft.

Die grossen US-Techkonzerne machen es ihm zudem so schwer wie möglich, auf andere, zwielichtige Plattformen auszuweichen. Amazon hat die bei Trump-Fans beliebte App Parler von seinen Servern verbannt. Ob das reicht, den Noch-Präsidenten zum Schweigen zu bringen? Kaum.

Als Alternative zu Twitter und Facebook bei Trump-Anhängern beliebt: Der Nachrichtendienst Parler. Apple, Google und Amazon haben die App jetzt von ihren App-Stores verbannt.
Als Alternative zu Twitter und Facebook bei Trump-Anhängern beliebt: Der Nachrichtendienst Parler. Apple, Google und Amazon haben die App jetzt von ihren App-Stores verbannt.
Foto: Hollie Adams (Getty)

Nicht nur das. Die späten Blockierungsversuche sind scheinheilig: Die Social-Media-Milliardäre im Silicon Valley haben mindestens so viel von Trump profitiert wie Trump von ihnen. Viele Menschen hätten nie von Twitter gehört, wenn Trump den Nachrichtendienst nicht zu seiner Bühne gemacht hätte. Der vormalige Reality-TV-Star ist mit Mark Zuckerberg und seinen Kollegen im Lift hochgefahren – bis ins Weisse Haus. Nun werfen sie ihn raus.

Die Social-Media-Milliardäre im Silicon Valley haben mindestens so viel von Trump profitiert wie Trump von ihnen

Aber wie Goethes Zauberlehrling werden die Tycoons nicht so schnell los, was sie selber heraufbeschworen haben. An Twitter und Facebook haftet jetzt definitiv die Schande, als Megafon für Lügen, Hass und Wahn die Demokratie zu gefährden, in den USA und anderswo.

Twitter-CEO Jack Dorsey vor einer Anhörung im US-Senat zur Rolle Russlands in den Präsidentschaftswahlen. (5. September 2018).
Twitter-CEO Jack Dorsey vor einer Anhörung im US-Senat zur Rolle Russlands in den Präsidentschaftswahlen. (5. September 2018).
Foto: Jim Lo Scalzo (Keystone) 

Die Zauberlehrlinge wollen sich jetzt als Teil der Lösung darstellen. Das wird nicht aufgehen. Trotz schon zahlreicher Skandale haben sie es verpasst, angemessen und glaubwürdig auf den Missbrauch ihrer Plattformen zu reagieren. Fehlgeleitet von ihren eigenen Algorithmen und dem Diktat des Profits, haben sie konsequent favorisiert, was ihre User auf ihren Sites hielt.

Es ist traurig für das grosse Versprechen des Internets, eine Plattform von allen für alle zu sein, frei und unzensiert. Aber ohne mehr politisch vorgegebene Regeln, was geht und was nicht, werden wir auf diesem Ort der politischen Debatte nicht mehr auskommen.

132 Kommentare
    Christian Künzi

    Die Sperrung von Präsident Trump hat mit der Verletzung der Demokratie Regeln nichts zu tun - es ist eine klare Machtdemonstration. Als Beweis gilt, dass das Iranische Oberhaupt nicht gesperrt wird, obwohl klar die Vernichtung Israel ständig verkündet wird.