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«Otello» von Giuseppe VerdiDie Rache einer gequälten Frau

Der Mohr ist hier weiss wie alle anderen: Das Konzert Theater Bern umschifft in Giuseppe Verdis vorletzter Oper «Otello» die Rassismusdebatte und rückt dafür die häusliche Gewalt ins Zentrum.

Rafael Rojas als Otello, ihm zu Füssen Evgenia Grekova als Desdemona und hinten Sarah Mehnert als Emilia.
Rafael Rojas als Otello, ihm zu Füssen Evgenia Grekova als Desdemona und hinten Sarah Mehnert als Emilia.
Foto: Annette Boutellier

Als der Afroamerikaner George Floyd am 25. Mai 2020 in Minneapolis von einem Polizisten umgebracht wurde, stand das Opernprogramm von Konzert Theater Bern (KTB) längst fest. Niemand konnte die Debatte um Rassismus, Sklaverei und koloniale Vergangenheit erahnen. Ein Farbiger auf der Bühnegeht das noch? Otello ist ein Mohr. Ob schwarz, ob braun, ob begrifflich auf eine maurische oder südlichere Herkunft bezogen, ist in der Forschung nicht geklärt. Aber Shakespeare ging es wie Giuseppe Verdi und dessen kongenialem Librettisten Arrigo Boito ohnehin eher um das Thema des Aussenseiters als des Rassismus. Die jüngste Berner Opernproduktion umschifft die Frage elegant: Otello ist weiss wie alle anderen, und die Übertitel unterschlagen geflissentlich die eindeutigen Librettostellen. Keine «schwülstigen Lippen des Wilden», aus dem Mohren wird ein Bastard.

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