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Die Ask-Force ergründet Die Mitte zwischen irgendwo und nirgendwo

Ihr lieben vom C befreiten Mitte-Politiker: Was liegt eigentlich politisch betrachtet genau in der Mitte zwischen Mut und Feigheit? Genau, die Halbherzigkeit.

CVP-Präsident Gerhard Pfister wurde kürzlich das C in seinem Parteinamen los.
CVP-Präsident Gerhard Pfister wurde kürzlich das C in seinem Parteinamen los.
Foto: Keystone

«Für was genau steht ein CVP-Mann in einem Rat, der hälftig aus Deppen und hälftig aus Schlauköpfen besteht, wenn dieser Mann entschieden die Mitte vertreten will?» Das fragt Lehrer Rolf S. aus K. und verrät uns, er unterrichte übrigens Mathematik.

Dem Mathematiker Rolf können wir nur sagen, was er eh schon weiss: Die Mitte ist der Punkt auf einer Geraden, der vom einen Ende dieser Geraden exakt gleich weit entfernt ist wie vom anderen. Bilden Deppen und Schlauköpfe die Enden, ist der sich zur Mitte Bekennende entweder der schlaue Depp oder der depperte Schlaukopf. Doch das Beispiel wirkt konstruiert, denn Rolf entwirft ein Gremium ganz ohne Frauen. Fragen müsste man eher, was politisch exakt in der Mitte zwischen – sagen wir mal – einer Putzfrau und einem Ombudsmann liegt. Ja, es ist der/die/das Omputznonbinäre.

Allerdings kann sowieso niemand der Mitte angehören wollen, denn sie ist immer fremdbestimmt: Die Mitte kann sich nie bewegen, weil sie sonst subito nicht mehr die Mitte zwischen den zwei Polen ist. Sie kann aber auch nie dort bleiben, wo sie gerade ist, denn die Pole, zwischen denen sie als Mitte liegt, bewegen sich, und so verschiebt sich auch die Mitte selbst. Die Mitte, ein trauriger Unort!

Tieftraurig ist er für jene, die Wert auf Werte legen. Wer genau die Mitte zwischen Mut und Feigheit sucht, steht für Halbherzigkeit. Und in der Mitte zwischen Wahrheit und Lüge kann nur die Halbwahrheit zu Hause sein. Wir merken: Die Mitte ist ein insgesamt irgendwie ungemütliches Irgendwas zwischen dem Irgendwo und dem Nirgendwo.

Was aber nur Insider wissen: Die CVP wollte gar nie «Die Mitte» werden. Gesetzt war der Name «Die Bitte», also das ans Beten angelehnte Flehen um Wählerstimmen angesichts des eigenen Zerfalls. Weil aber der Buchstabe B noch weiter links im Alphabet steht als das C, fiel «Die Bitte» – obwohl klanglich okay – aus dem Rennen. Als Alternativen galten dann «Die Sitte» und das nicht ganz glaubwürdige «Die Fitte». Als Erstbuchstabe wurde gar das T eingesetzt – und voller Schrecken wieder fallen gelassen. Erst dann landete man beim schön eingemitteten dreizehnten Buchstaben des Alphabets, dem M wie Mitte: keine perfekte, aber die perfekt mittelmässige Wahl. Chapeau!

Wollen Sie Ihren Namen ändern? Sie fragen besser zuerst Ihre Ask-Force! askforce@derbund.ch

1 Kommentar
    Willi Zimmermann

    Der Politologe Michael Hermann drückt sich in seinem aktuellen Parlamentarier-Rating so aus: "Klare Pole und eine breite Mitte" und schliesst damit die FDP, GLP und EVP in die 'Mitte' ein. Die selbsternannte 'Mitte' (CVP) ist im Nationalrat seit 2015 sichtbar nach rechts gerückt, liegt aber aktuell ziemlich genau auf dem Median aller Parlamentarier*innen. Auch die FDP liegt erstaunlicherweise ziemlich nahe am Median. Überraschen mag auch der sichtbare Rechtsrutsch der SP seit 2015.

    Der Median bildet die 'Mitte' besser ab als die exakte Mitte einer Geraden. Aber eines ist auch klar aus der Darstellung 1996-2020 ersichtlich: Die Parteienstabilität und der stabile Verlauf des Medians sind im Vergleich zum europäischen Umfeld bemerkenswert. Christian Levrat hat in einem Interview vor den Wahlen diese Stabilität sinngemäss als 'für seine Partei hartnäckige Bürde bezeichnet'.

    Fazit: Auf die Ausführungen von Michael Hermann bezogen ist die selbsternannte 'Mitte' (CVP) die Mitte der Mitte (FDP, CVP, GLP und EVP).

    [NZZ Michael Hermann - Parlamentarier-Rating 2020].