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Ferienprofis persönlich (2)Die Kräuterfrau aus dem Simmental

Susanna Krebs weiss alles über die Heilkräfte der Natur. In ihrem grossartigen Garten geschieht Wundersames.

Für die 68-jährige Susanna Krebs ist allein schon ihr Garten wie Medizin.
Für die 68-jährige Susanna Krebs ist allein schon ihr Garten wie Medizin.
Foto: ZVG

Gut möglich, dass man Susanna Krebs mit den wallenden, silbergrauen Haaren und der Leidenschaft für Heilkräuter vor ein paar Hundert Jahren als Hexe verschrien hätte. «Aber hoffentlich im positiven Sinne», meint sie schmunzelnd und lässt den Vergleich nochmal durchgehen. Heute jedenfalls ist ihr Wissen um die Wirkung von Pflanzen sehr gefragt und ihr Heilpflanzengarten in Adlemsried oberhalb von Boltigen BE eine Attraktion.

Vor 25 Jahren ist die Bernerin mit ihrer Familie in das hübsche Holzhaus aus dem Jahr 1896 ins Simmental gezogen. Seither hegt und pflegt Susanna Krebs den riesigen Garten mit viel Herzblut. «Er ist ständig gewachsen und verändert sich mit jedem Jahr», erzählt Susanna Krebs strahlend. Gerade experimentiert sie mit Yams, auch Lichtwurzel genannt, die schon Rudolf Steiner anpflanzte. Aus dem Harz von Fichtennadeln, das sie im Wald gefunden hat, will Susanna Balsam für Wundpflege und Husten herstellen.

Alles auf Karten dokumentiert

Mittlerweile zählt der Garten über 100 einheimische, aber auch zugewanderte Heilpflanzen, die sie sorgfältig auf Karten dokumentiert hat. Sie wachsen in einem grossen Kreis unter den drei Apfelbäumen. Viele Pflanzen hat Susanna gesetzt, manche aber haben auch einfach den Weg hierher gefunden, wie etwa die Mariendistel oder das Mutterkraut. Im sogenannten Medizinrad zeigt sie, welche Heilpflanzen welchen Organen zugeordnet werden und diese unterstützen. Die Schafgarbe etwa hilft bei Leberproblemen, der Frauenmantel unterstützt den Kreislauf und wirkt wärmend, die Goldrute ist gut für die Niere. Gleich beim Haus hat Susanna Krebs das Bitter-Gärtchen mit Artischocke, Wegwarte und Wermut angelegt, und im Sonnen-Gärtchen wachsen Majoran, Salbei und Beifuss.

Der prächtige Kräuterkarten von Susanna Krebs im Berner Simmental.
Der prächtige Kräuterkarten von Susanna Krebs im Berner Simmental.
Foto: ZVG
Man staunt, wie prächtig alles gedeiht, obwohl sich der Weiler auf 1050 Meter über Meer befindet.
Man staunt, wie prächtig alles gedeiht, obwohl sich der Weiler auf 1050 Meter über Meer befindet.
Foto: Silvia Schaub
Die Pflanzen wachsen in einem grossen Kreis unter den drei Apfelbäumen.
Die Pflanzen wachsen in einem grossen Kreis unter den drei Apfelbäumen.
Foto: ZVG
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Man staunt, wie prächtig alles gedeiht, obwohl sich der Weiler auf 1050 Meter über Meer befindet. Vielleicht hat es mit der besonderen Lage des Simmentals zu tun, mit der schützenden Stockhornkette. Jedenfalls behaupten die Einheimischen, ihr Tal sei der Kräutergarten der Schweiz. Sie glauben auch, dass die Kraft der Sonne hier im Sommer mit der Sonneneinstrahlung am Äquator zu vergleichen sei. Tatsächlich ist das Tal sowohl ost- wie auch westwärts ausgerichtet, weshalb die Sonneneinstrahlung besonders intensiv ist.

Schon Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy soll das Simmental auf seinen Reisen als «das grünste Tal Europas» gerühmt haben. Diesen Umstand schätzt auch Susanna Krebs. Aber sie führt das prächtige Gedeihen ebenso darauf zurück, dass sie sich intensiv um einen ausgewogenen Kompost kümmert und ihre Pflanzen gut erzieht. Ja, tatsächlich! «Man darf sie nicht zu sehr verwöhnen», erklärt sie.

Pflanzen helfen sich selbst

Auch während Trockenperioden giesst sie ihre Pflanzen nur alle zwei Wochen. «Wenn sie am richtigen Standort und gut angewachsen sind, vertragen sie das bestens.» Oder sie wissen sich selbst zu helfen. Wie etwa der Silbermantel, der einfach seine Blätter kehrt, um gegen die Sonneneinstrahlung geschützt zu sein.

Susanna Krebs beim «rüsten» der Pflanzen.
Susanna Krebs beim «rüsten» der Pflanzen.
Foto: ZVG
Susanna Krebs verarbeitet die Kräuter.
Susanna Krebs verarbeitet die Kräuter.
ZVG
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Die ausgebildete Kräuterfachfrau nutzt ihr breites Wissen nicht nur als Begleiterin für Naturheilkunde und seelenzentriertes Coaching, sondern gibt das Knowhow auch als Ausbilderin und Gastgeberin weiter. Susanna Krebs öffnet von Mitte Juni bis September jeweils mittwochs ihr Pflanzenreich für Interessierte. Und so kann man durch den Garten bis zu den Beeten wandeln, wo sich zwischen Salatköpfen, Erdbeeren und Kefen noch viele weitere Heilpflanzen verstecken. Wer Lust hat, kann sich irgendwo niederlassen und picknicken oder in der «Hexenküche», einem Unterstand mit Tisch und Werkzeugen, unter Anleitung Heilkräuter verarbeiten. Manche werden mit Wasser oder Öl zu Urtinkturen und Salben verarbeitet, andere getrocknet und als Tee verwendet.

Für die 68-jährige Susanna Krebs ist allein schon der Garten wie Medizin. Hier kann sie zu sich kommen und sich entspannen. «Arbeit gibt der Garten im Moment nicht viel, es ist alles angepflanzt und gesät.» Und schliesslich hat sie auch noch zwei wackere Mitarbeiter: Till und Nele, das Laufentenpärchen. Die zwei spazieren vergnügt schnatternd durch den Garten und picken die Schnecken auf. Es hat gerade geregnet, und deshalb ist Mithilfe gefragt.

Weitere Informationen: www.lenk-simmental.ch und www.susannakrebs.ch

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie in Zusammenarbeit mit Primcom. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei Tamedia.