Die Hobbits kommen ins Heidiland

Der Deutsche Bernd Greisinger bringt die Fantasiewelt von J. R. R. Tolkien in die Bündner Herrschaft: Sein unterirdisches Museum in Jenins wird nächstes Jahr eröffnet.

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Stefan Häne@stefan_haene

«Mittelerde» liegt in der Heimat von Heidi: In Jenins, einem 850-Seelen-Dorf in der Bündner Herrschaft, baut der 48-jährige Bernd Greisinger auf seinem Anwesen ein unterirdisches Hobbit-Museum, das die Fantasiewelt von J. R. R. Tolkien möglichst authentisch abbilden soll. Inspiriert wurde der Bau unter anderem durch den Film «Der Herr der Ringe», dessen Fortsetzung – «The Hobbit» – morgen Mittwoch in den Schweizer Kinos startet.

Das Museum, rund 300 Quadratmeter gross, soll Kunst, Literatur und Sammlungsstücke vereinigen sowie Bibliothek und Erlebnispark sein, wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» in ihrer gestrigen Ausgabe schreibt. Greisinger selber spricht von der «Greisinger Mittelerde Collection, der weltweit grössten und bedeutendsten ihrer Art». In früheren Jahren kaufte er monatlich für Zehntausende von Franken irgendwelche Stücke mit Bezug zu Tolkien und Mittelerde. Das Resultat: mehr als 3000 Bücher und über 600 Gemälde. «Die Besucher sollen sich wie in Mittelerde fühlen», sagt Greisinger. So werden sie beispielsweise in der nachgebauten Höhle des Hobbit übernachten können oder Figuren aus «Der Herr der Ringe» in Lebensgrösse begegnen.

2,5 Millionen Franken investiert

Die Bauarbeiten haben 2008 begonnen und sind weit fortgeschritten. Die Eröffnung ist für kommenden Herbst geplant. «Mir macht es Spass, den Leuten Freude zu machen», sagt Greisinger, der bis dato 2,5 Millionen Franken in das Projekt investiert hat. Wie viel der Eintritt kosten wird, hat er noch nicht festgelegt. Es gehe ihm nicht darum, Profit aus dem Museum zu schlagen.

Das sagt einer, der selber genug Geld hat. Greisinger, er stammt aus Mainz, avancierte als Fondsmanager nach 2000 zu einem gefeierten Börsenstar, der Millionen verdiente. Mit dem Beginn der Finanzkrise sei ihm 2008 die Lust auf seinen Job aber vergangen, sagt er. Beschleunigt hat seinen Ausstieg der Madoff-Skandal; von dessen Folgen war ein Teil seiner Fonds stark betroffen, wodurch er «viel Geld» verlor, wie er sagt. Weiter dazu äussern will er sich nicht, die Geschichte scheint ihm lästig.

Greisinger fühlt sich in der Welt der Fabelwesen offenkundig wohler als in jener der Finanzhaie: Aus seinen Worten spricht Begeisterung für das Projekt, das sein Lebensinhalt geworden ist. Schon als Kind haben ihn Fantasy-Geschichten fasziniert. Mit 30 Jahren begann er, Fantasy-Rollen zu spielen, ganze Wochenenden lang. Nicht nur daheim. Auch in der freien Natur: als Magier, Ritter, Krieger.

Greisinger wohnt mit seiner Frau seit neun Jahren in der Schweiz, seit 2008 in Jenins, zuvor in Maienfeld. Die Baubewilligung für das Museum hat er problemlos erhalten. Über seine Pläne hat er die Bevölkerung noch nicht informiert. Er werde dies womöglich nachholen.

«Kein Bezug zu Graubünden»

Baseli Werth (CVP), Gemeindepräsident von Jenins, äussert sich vorsichtig zu Greisingers Vorhaben, da er dieses noch nicht im Detail kennt. Dass ein Hobbit-Museum dereinst Besucher aus aller Welt anziehen könnte, hält Werth für verlockend, solange das Projekt «unsere Möglichkeiten nicht sprengt», also zu keiner Verkehrslawine führt. Wie etwaiger Mehrverkehr im idyllischen Dorf geregelt würde, «müssten wir im Detail regeln», so Werth. Wo die Besucher parkieren werden, ist noch nicht klar. Greisinger wird deshalb das Gespräch mit den Behörden suchen. Und er versichert, «keine hohe Verkehrsbelastung» in Jenins verursachen zu wollen.

Auch die Tourismusorganisation Graubünden Ferien konnte das Projekt noch nicht selber studieren und bleibt deshalb zurückhaltend: Sprecher Gieri Spescha sagt, jede Attraktion, die touristische Impulse gebe, sei zwar grundsätzlich interessant. Allerdings habe ein Hobbit-Museum keinen speziellen Bezug zu Graubünden. «Es kann irgendwo auf der Welt stehen», sagt Spescha. Anders die legendäre Kinderbuchfigur Heidi. «Sie ist authentisch und gehört zur Bündner Herrschaft.»

Tages-Anzeiger

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