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Die grössten Masters-MomenteDie Geburt des Tigers und andere Sternstunden

In Augusta, Georgia, fände dieses Wochenende der erste Höhepunkt des Golf-Jahres statt. Ein Rückblick auf die zehn dramatischsten Momente.

Augusta National bei Atlanta, Georgia, ist die Sixtinische Kapelle der Golfwelt. Es ist der einzige Golfclub der Welt, in dem jedes Jahr eines der vier Major-Turniere stattfindet – das Masters, an dem Legenden entstehen wie die von Tiger Woods. Dieses Wochenende hätte er hier seinen Titel von 2019 verteidigen sollen, doch das Coronavirus legt auch die Golfwelt lahm. Das Masters wird 2020, wenn überhaupt, frühestens Mitte November stattfinden. Als Trost führen wir Sie in einer Zeitreise durch die zehn spektakulärsten und denkwürdigsten Masters-Ausgaben. Zur Einstimmung schon einmal einer der seltenen Golfschläge, für die das Attribut «perfekt» zutrifft, aus dem Jahr 2012.

Besser geht nicht: Oosthuizen locht 2012 aus 231 Metern zum Albatros ein.
ups/Youtube

Louis Oosthuizen bewältigte 2012 das zweite Loch, ein 525 m langes Par-5, als Erster überhaupt mit nur zwei Schlägen. Es war erst der vierte Albatros der Masters-Geschichte und der erste, der live vom Fernsehen übertragen wurde. Nur weil der Südafrikaner im Playoff noch gegen Bubba Watson verlor, schaffte er es nicht in unsere Top 10, die ebenfalls mit einem Albatros beginnen.

Ein Schlag, der um die Welt geht (Sarazen 1935)

Für den ersten Albatros (drei Schläge unter Par) sorgte 1935 Gene Sarazen, der hier den Siegerscheck über 1500 Dollar erhält.
Für den ersten Albatros (drei Schläge unter Par) sorgte 1935 Gene Sarazen, der hier den Siegerscheck über 1500 Dollar erhält.
Keystone

Schon am 2. Masters lässt der Amerikaner Gene Sarazen 1935 die Golfwelt erbeben. Auf der 15. Bahn der Schlussrunde locht er aus 215 m zum Albatros ein – statt der vorgegebenen fünf Schläge brauchte er nur zwei, was seither auf dieser Bahn niemandem mehr gelungen ist. Die Sportjournalisten sprechen vom «shot heard ‘round the world», vom Schlag, der um die ganze Welt zu hören war. Auch dank ihm erreicht Sarazen das Playoff über 36 Löcher, das er am Montag klar gewinnt. Sein Siegerscheck: 1500 Dollar.

«Arnie’s Army» im Delirium (Palmer 1960)

Auch in hohem Alter noch ein Liebling der Fans: Arnold Palmer an einem Vorturnier des Masters 2007.
Auch in hohem Alter noch ein Liebling der Fans: Arnold Palmer an einem Vorturnier des Masters 2007.
Keystone

Der Amerikaner Ken Venturi scheint kurz vor dem Triumph zu stehen, als Arnold Palmer 1960 an den letzten zwei Löchern zwei Birdies gelingen und er ihm den Sieg noch wegschnappt. Sehr zur Freude seiner vielen Fans, die als «Arnie’s Army» bekannt sind. Es ist das zweite Grüne Jackett für den 2016 verstorbenen Palmer. 1962 und 64 werden zwei weitere dazukommen.

Der «Goldene Bär» zum Fünften (Nicklaus 1975)

Auf dem Weg zum fünften Masters-Sieg: Jack Nicklaus nach seinem Birdie am 12. Loch in der Finalrunde von 1975.
Auf dem Weg zum fünften Masters-Sieg: Jack Nicklaus nach seinem Birdie am 12. Loch in der Finalrunde von 1975.
Keystone

Das erste vom TV farbig übertragene Masters macht Jack Nicklaus zum ersten fünffachen Sieger. Wie der «Goldene Bär» am drittletzten Loch aus 12 m zum Birdie einlocht, während seine Rivalen Tom Weiskopf und Johnny Miller verdutzt zuschauen, gehört zu den Höhepunkten dieses Turniers. Auch anderswo geschieht in diesen Tagen für die (spätere) Golfszene Entscheidendes. Denn exakt neun Monate später kommt am 30. Dezember 1975 in Kalifornien ein gewisser Eldrick Tont Woods zur Welt, inzwischen besser bekannt durch seinen Übernamen Tiger.

Der «Schwarze Ritter» läuft heiss (Player 1978)

Als 42-Jähriger unwiderstehlich: Gary Player nimmt von Vorjahressieger Tom Watson sein drittes Grünes Jackett entgegen.
Als 42-Jähriger unwiderstehlich: Gary Player nimmt von Vorjahressieger Tom Watson sein drittes Grünes Jackett entgegen.
Keystone

Der Südafrikaner Gary Player ist 1978 bereits 42, und vor der Schlussrunde liegt er schon sieben Schläge hinter dem Leader und nur auf Rang 10. Doch dann läuft der Mann mit dem Übernamen «Black Knight» Schwarzer Ritter heiss: Er spielt auf den letzten zehn Bahnen sieben Birdies und gewinnt mit einem Schlag Vorsprung sein neuntes und letztes Major. Sein Mitspieler ist ein 21-jähriger Spanier namens Seve Ballesteros, der 1980 und 1983 hier ebenfalls gewinnen wird, das Jackett übergibt ihm traditionell der Vorjahressieger, es ist Tom Watson.

Ein 46-Jähriger verblüfft alle (Nicklaus 1986)

Oft als «Golfer des Jahrhunderts» apostrophiert: Jack Nicklaus gelang bei seinem 6. Masters-Sieg ein märchenhaftes Ende.
ESPN/Youtube

Mit diesem historischen Golfmoment hat niemand mehr gerechnet: Jack Nicklaus, der «Goldene Bär», gilt zwar längst als bester Spieler der Geschichte, aber 1986 eben auch als ein Mann der Vergangenheit. Sein letzter Major-Titel liegt sechs Jahre zurück, er ist schon 46-jährig. Das hindert ihn aber nicht daran, auf den letzten zehn Löchern sechs Birdies und einen Eagle zu erzielen und zum sechsten Mal ins Green Jackett zu schlüpfen, als ältester Masters-Champion. Es ist der 18. und letzte Major-Titel für den Amerikaner, der mit seinem Sohn Jackie als Caddy angetreten ist und mit einem Schlag Vorsprung auf Tom Kite und Greg Norman gewinnt.

Zauberschlag stoppt den Favoriten (Mize 1987)

Ein Chip, der in die Golfgeschichte einging: Larry Mize schafft gegen Greg Norman das Unmögliche.
The Masters/Youtube

Im Jahr darauf kommt es zu einem Playoff zwischen dem Australier Greg Norman und dem Spanier Seve Ballesteros – und, zuerst als Statist betrachtet, dem in Augusta geborenen Larry Mize. Ballesteros scheidet schon am ersten Loch aus, die Bahn scheint frei für den «Weissen Hai», der am zweiten Loch einen hervorragenden Abschlag zeigt. Doch es ist der grosse Aussenseiter Mize, der an diesem Loch den Ball zum Birdie ins Loch chippt, womit er zu einem der grössten Überraschungssieger der Golfgeschichte wird.

Debakel für den «Weissen Hai» (Faldo 1996)

Erneut der grosse Geschlagene und Zweite: Greg Norman (vorne) muss Nick Faldo zum vor der Finalrunde unwahrscheinlich scheinenden Sieg gratulieren.
Erneut der grosse Geschlagene und Zweite: Greg Norman (vorne) muss Nick Faldo zum vor der Finalrunde unwahrscheinlich scheinenden Sieg gratulieren.
Keystone

1996 scheint es für Greg Norman doch noch zu klappen mit seinem ersten Masters-Triumph. Er verbessert in der Startrunde den Kursrekord auf 63 Schläge und liegt vor der Schlussrunde bereits 13 unter Par und damit sechs Schläge vor seinem Mitspieler, dem Engländer Nick Faldo. Doch der Sonntag wird für den «Weissen Hai» zum Albtraum. Er braucht 78 Schläge, 11 mehr als Faldo, der damit zu seinem 3. Titel nach 1989/90 kommt. Norman wird das Masters nie gewinnen, trotz drei zweiten und drei dritten Rängen.

Tiger gibt den Tarif durch (Woods 1997)

20 Rekorde in einem Turnier: Tiger Woods liess 1997 die Golfwelt erbeben.
The Masters/Youtube

Im Jahr zuvor noch am Cut gescheitert, wird das Masters 1997 zur Geburtsstunde des Major-Champions Tiger Woods. Der 21-Jährige spielt in einer eigenen Liga, gewinnt mit dem Rekordskore von 18 unter Par (270) und 12 Schlägen Vorsprung auf den ersten Verfolger. Eine Weltreise. Trotz einem schlechten Start – nach neun Löchern lag er 4 über Par – wird er souverän jüngster Masters-Sieger. Insgesamt halten die Statistiker für ihn allein an diesem Turnier 20 Rekorde fest. Worauf die Organisatoren in Augusta beginnen, ihren Parcours massiv zu erschweren und zu verlängern.

Ein Ball überlistet die Schwerkraft (Woods 2005)

Nichts ist für ihn unmöglich: Tiger Woods auf dem Höhepunkt seiner Dominanz.
The Masters/Youtube

Seinen vierten Masters-Triumph – er hat inzwischen auch 2001/02 gewonnen – erringt Tiger Woods 2005 am ersten Loch des Playoffs, mit einem Birdie gegen Chris diMarco. Die Szene, die in Erinnerung bleiben wird, ereignet sich aber vorher, am 16. Loch. Sein zweiter Schlag scheint viel zu hoch angesetzt, doch der Ball findet mirakulös den Weg zur Fahne, wo er am Lochrand stoppt. Auf CBS weigert sich der Technische Direktor in einer Vorahnung, vom Ball auf Tiger Woods umzuschwenken – und tatsächlich fällt der Ball nach einer halben Ewigkeit noch ins Loch. Eine bessere Werbung gab es für Nike-Bälle noch nie. Woods scheint sogar die physikalischen Gesetze überwinden zu können.

Das mirakulöse Comeback (Woods 2019)

Nach elf Jahren zurück im Kreis der Major-Sieger: Tiger Woods verblüffte 2019 auch sich selber.
The Masters/Youtube

Woods 14. und letzter Major-Sieg liegt elf Jahre zurück, als er am 14. April 2019 das Masters zum fünften Mal gewinnt, unter beispiellosen Emotionen und Eruptionen, auch unter den Zuschauern. Er beendet damit eine lange anhaltende Phase persönlicher Turbulenzen, mit Sex-Eskapaden, Drogenmissbrauch, einer Scheidung und vielen körperlichen Problemen, die ihn immer wieder auf den Operationstisch bringen. Zum ersten Mal gelingt es ihm dabei, ein Major zu gewinnen, an dem er vor der Schlussrunde nicht in Führung gelegen ist.