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Enttäuschte Citius-VeranstalterDie besten Leichtathleten treffen sich in Bern – Kambundji fehlt

Mujinga Kambundji gegen Ajla Del Ponte: Das Duell der beiden schnellsten Schweizerinnen hätte der Aufhänger von Citius Champs in Bern sein sollen.

Im letzten Jahr hatte Ajla Del Ponte (rechts) gegen Mujinga Kambundji in Bern noch das Nachsehen. Nun hätten sich die Zuschauer auf ein Duell auf Augenhöhe freuen können. Daraus wird nichts.
Im letzten Jahr hatte Ajla Del Ponte (rechts) gegen Mujinga Kambundji in Bern noch das Nachsehen. Nun hätten sich die Zuschauer auf ein Duell auf Augenhöhe freuen können. Daraus wird nichts.
Foto: Raphael Moser

Die Olympischen Spiele, die Europameisterschaft, Weltklasse Zürich – alles abgesagt. 2020 ist für die Leichtathletik gewiss kein einfaches Jahr. Doch langsam, aber sicher nimmt die Sportart Fahrt auf. Was nicht zuletzt an den Schweizer Athleten liegt. Vor einer Woche etwa sorgte Ajla Del Ponte für Aufsehen: Mit ihren 11,08 Sekunden über 100 Meter rückte sie auf Platz 2 der ewigen Schweizer Bestenliste vor. Gleich um 13 Hundertstel verbesserte die Tessinerin ihre persönliche Bestzeit – derzeit ist sie die schnellste Frau Europas. Und dann ist da noch Simon Ehammer: Der U-20-Europameister im Zehnkampf realisierte im Weitsprung kürzlich 8,15 Meterer ist damit die Nummer 2 in Europa.

Am 24. Juli nun treten Del Ponte und Ehammer im Wankdorf an, ebenso wie Kariem Hussein, Silvan Wicki, Jason Joseph und Salome Lang. Es wird ein Leichtathletik-Event fast wie in normalen Zeiten: Mann gegen Mann, Frau gegen Frau. «Wir wollen ein Zeichen setzen», sagt Matyas Kobrehel, Co-Direktor von Citius Champs. Er und sein Team organisieren das Meeting gemeinsam mit Swiss Athletics. «Und wir können mit Stolz sagen, dass wir eines der bestbesetzten Meetings in der Schweiz sind», hält Kobrehel fest.

Veranstalter sind «extrem enttäuscht»

Das Schweizer Fernsehen honoriert dies mit einer Teilaufzeichnung. Am Mittwochabend lief bereits eine Vorschau – mit Mujinga Kambundji als Hauptprotagonistin. Schliesslich ist Citius ihr Heimwettkampf. Sie trainiert oft im Wankdorf, und an dieser Stätte setzte sie im letzten Jahr nach durchzogenem Saisonstart zum Höhenflug an, der in der WM-Bronzemedaille über 200 Meter mündete. Nur: Dieses Jahr wird Kambundji in Bern fehlen. Nach ihrem Auftritt an den Inspiration Games in Zürich über 150 Meter hat sie sich noch einmal in eine Aufbauphase begeben. Sie wird gemäss ihrem Co-Manager Lukas Wieland erst rund drei Wochen nach Citius Champs richtig in die Saison einsteigen. «Sie hat ihre ganze Planung aufgrund des Coronavirus auf September ausgerichtet. Deshalb ist Mujinga einfach noch nicht in Form, dieses Rennen über 100 Meter käme zu früh.»

Und trotzdem ist Kambundjis Absage für das Publikum eine Überraschung. Weil es in diesem Jahr Corona-bedingt nicht massenhaft Startgelegenheiten gibt. Und weil es sich, wie oben erwähnt, um ihr Heimmeeting handelt. Damit platzt für die Organisatoren der Traum vom Duell zwischen Kambundji und Del Ponte, den beiden schnellsten Schweizer Sprinterinnen der Geschichte. Es wäre ohne Zweifel der spektakulärste Teil von Citius Champs gewesen. Weshalb Kobrehel sagt: «Wir haben sehr auf dieses Duell gehofft, schade, kommt es nicht zustande. Wir sind extrem enttäuscht.» Nun führt er Gespräche mit ausländischen Läuferinnen, welche die 100 Meter um die 11 Sekunden laufen können, um Del Ponte ideale Bedingungen zu liefern.

Im Zweifelsfall mit der Spezialmaske

Neben dem bereits durchgeführten Anlass in Luzern ist Citius Champs das zweite Einladungsmeeting in diesem Jahr. Das Format funktioniert so: Die besten Schweizer sind gesetzt, aufgefüllt werden die Felder mit Athleten, die in diesem und im letzten Jahr entsprechend starke Leistungen erzielt haben. Und: Pro Disziplin sollen zwei Ausländer teilnehmen. Das hat sich rumgesprochen. Kürzlich hat sich ein Olympia-Medaillen-Gewinner bei Kobrehel gemeldet, um in Bern antreten zu können.

Ein Zeichen setzen wollen die Veranstalter auch beim Publikum. 500 Tickets gelangen in den Verkauf. Erworben werden können sie ab sofort über die Website des Citius-Meetings (www.citius-meeting.ch). Damit sich Athleten und Zuschauer nicht mischen und der Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt bleibt, werden allerdings einige Sektoren im Wankdorf ganz oder teilweise gesperrt. Ein Sicherheitsdienst soll dafür sorgen, dass die Abstandsregeln eingehalten werden.

Und sollte dies nicht möglich sein, haben sich die Veranstalter etwas Besonderes überlegt: Jeder Zuschauer erhält eine extra angefertigte Citius-Stoffmaske. Wer weiss, vielleicht wird dieses spezielle Erinnerungsstück irgendwann Sammlerwert haben.