Die Bahn ringt um Plan B

Die Panne in Rastatt offenbart, dass die Güterverkehrsachse überall Lücken hat, die sich nicht kurzfristig schliessen lassen.

Walter Jäggi@tagesanzeiger

Streckenunterbrüche sind für Bahnreisende ärgerlich. Für den Güterverkehr sind sie katastrophal, Container steigen nicht auf eigenen Beinen in einen Ersatzbus um. Als schienengebundenes Transportsystem kann die Bahn auch nicht so leicht improvisieren. Die Netzstruktur hat zudem den Nachteil, dass es Abschnitte und Knoten gibt, deren Ausfall eine Kettenreaktion auslöst.

Kommt es zu einer Störung, müssen die Verkehrsströme umgeleitet werden. Dafür gibt es beim Tram oder bei der S-Bahn vorbereitete Pläne. Ein solcher Plan B auf europäischer Ebene ist allerdings ein grösseres Ding als die Umfahrung des Central. Im Fall der gesperrten Rheintalbahn wurden Dutzende von Alternativrouten auf der Schiene und auf dem Wasser ermittelt. Für die Spediteure stellt sich jetzt die Frage, wo denn nun der Container XY gerade rollt – oder steht. Die SBB haben erst begonnen, die Güterwagen für eine automatische Ortung auszurüsten. Angaben zur Position und zur Ankunftszeit sind schwierig, jeder Lastwagenchauffeur kann das besser.

In ein paar Tagen dürfte der Schaden in Rastatt provisorisch behoben sein. Der Zwischenfall zeigt aber, wie anfällig die Strecke ist. Dabei handelt es sich um eine besonders wichtige Strecke, einen Teil des Frachtkorridors zwischen den Häfen an der Nordsee und am Mittelmeer sowie den Industrieländern dazwischen. Die Kapazität der sogenannten Zulaufstrecken zu den Alpentunneln hätte schon längst erweitert werden sollen. Reserven für einen Plan B fehlen.

Die Schweiz freut sich über den Basistunnel durch den Gotthard. Fertig ist die Aufgabe aber hinten und vorne nicht. Deutschland, Italien und auch die Schweiz haben nicht rechtzeitig mit den Anschlüssen begonnen. Jetzt hat die Güterverkehrsachse überall Lücken, die sich nicht kurzfristig schliessen lassen.

Der Untergrund im Oberrheingraben ist kein leichtes Gelände für den Tunnelbau. Kies, Sand, Ton und Grundwasser machen den Ingenieuren das Leben schwer. Sie glaubten, alles technisch Sinnvolle vorgekehrt zu haben. Die Panne auf der Baustelle zeigt: Auch da wäre ein Plan B nützlich gewesen.

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